Samstag, 8. Juli 2017

Johnny Moped & The Nopes @ Cologne, Museum (7.7.2007)

Johnny Moped
Schöne Konzerte sind vor allen die, bei denen man im Vorfeld nicht zu hohe Erwartungen hat. War es ein kleine Sensation, dass Johnny Moped nach Deutschland für zwei (!) Konzerte kommen würde, stellte sich bei mir direkt die Frage ein, ob das funktionieren könne. Und: ob sich das wirklich lohnen würde. Natürlich: Johnny Moped ist eine Legende...aber auch Legenden haben schon fürchterlich Abgesänge hingelegt. Dann war mir aber recht schnell klar, dass ich hingehen müsse. Auch auf dem Hintergrund, dass das "aktuelle" Album "It's A Real Cool Baby" ziemlich gut ist. So stand ich dann vor dem "Museum", das im Bermuda-Dreieck vom MTC, Luxor und vom Blue Shell liegt. Ein netter kleiner Laden, den ich sicherlich nicht zum letzten Mal besucht haben werde. Der Gig war nicht ausverkauft und doch waren genug Menschen da, um das "Museum" an diesem Sommerabend recht schnell auf Sauna-Temperatur zu bringen.
Das Lächeln spricht für sich
Als Support spielten die Nopes, die so waren wie sie eben sind. Und dann standen gegen 21.30 Johnny Moped mit seiner Band auf der Bühne. Und es folgte ein sensationeller Set, der alles bot, was das Herz an so einem Abend begehrt: tolle Songs, Spielfreude, gute Stimmung im Publikum und eben einen Sänger, der in vielfacher Hinsicht einzigartig ist. Mittlerweile ein älterer Herr, den man ohne seine markante Nietenweste draußen auf der Straße eindeutig als freundlichen, leicht unsicher wirkenden Pensionär einordnen würde, der dann auf der Bühne sein Ding macht. Dabei wird er von einer sehr versierten Band im wahrsten Sinne des Wortes unterstützt. Denn Johnny Moped hat es in seinem Leben alles andere als leicht gehabt und das merkt man ihm an. Und gleichzeitig - deshalb ist er auch eine Legende: er ist mit seiner Art und Weise und mit seinen Songs einfach unverwechselbar. Es ist gar nicht so einfach einzuordnen, was er da zu Gehör bringt: Protopunk, Punk, Pubrock. Irgendwie ist es eine ziemlich geniale Mischung aus allem. Und nicht umsonst haben die Toten Hosen, denen man ja einen guten Musikgeschmack unterstellen kann, auf der "Learning English Vol.2" einen der "Hits" von Johnny Moped "Darling, Let’s Have Another Baby" gecovert.
Der Set war also ein Mix der drei Alben und allein schon der Opener "V.D. Boiler" machte sofort klar, wo es langgehen sollte. Und wo ich auch hinguckte: alle hatten ein Lächeln im Gesicht.
Die Band spielte eine knappe Stunde und am Merchstand war dann reger Betrieb. So legte ich mir dann das erste Album als Vinyl zu und fiel dann zufrieden zu Hause angekommen in mein Bett. In Blackpool auf dem Rebellion Festival wird Johnny Moped auch spielen. Ich denke, dass ich ihn mir erneut ansehen werden. So was erlebt man nicht alle Tage.

Das war die Setlist:

V.D. Boiler
Panic Button
Real Cool Baby
I Believed Her Lies
Bert Bullet Head
Loony
Honey Bun
He’s Got It
Make Trouble
No One
Catatonic
Post Acocalypse Love Song
Save The Baby Seals
Hell Raiser
Rock’n’Roll Rookie
Hard Lovin Man

Darling, Let’s Have Another Baby
Little Queeny
Incendiary Device

Sonntag, 2. Juli 2017

Kraftwerk & Air @ Duesseldorf, Ehrenhof (1.7.2017)

Noch leere Konsolen
Ich kenne die Alben von Kraftwerk ab "Autobahn". Es ist und bleibt eine Ausnahme-Band. Live haben mich Kraftwerk aber nie wirklich interessiert. Wohl deshalb, weil ich - wohl zurecht - immer vermutete, dass effektiv das Meiste, was zu hören wäre, eh nur vom Band kommen würde. Also eine Band, die mehr etwas für den Platten- bzw. CD-Spieler ist. Trotzdem muss ich zugeben, dass ich einige Augenblicke überlegt, als das Konzert im Ehrenhof anlässlich des Grand Depart angekündigt wurde. Aber die Tatsache, dass dieses Konzert quasi direkt ausverkauft war, nahm mir die Entscheidung aus der Hand. Dann am 1. Juli um 18.50: ein Anruf, dass ich umsonst (!) zwei Tickets haben könnte. So machte ich mich direkt mit meinem Sohn auf den Weg und wir fanden uns bei unerwartet schönem Wetter im Ehrenhof wieder.
Als Support spielte die französische Band "Air". Hmmm. Nicht schlecht, aber irgendwie vollkommen langweilig.
Dann ziemlich genau um 21.00 Kraftwerk. Die Setlist weist quasi eine Best-Of aus - und es war eine gute Auswahl. Und wirklich nett war die 3-D-Annimation. Und eigentlich wäre es perfekt gewesen, mit der 3-D-Brille auf der Nase einfach das Optische und Akustische zu genießen. Das war aber leider eher schwierig...und das lag am Publikum: da waren zu viele Event-Fans, die weniger wegen der Band sondern mehr wegen des Ereignisses an den Rhein gekommen waren. Gequatsche überall. Das war wirklich nervig. Sicherlich: auf der Bühne passiert quasi gar nichts...und je größer so ein Veranstaltungsort ist, desto mehr führt das in Kombination dazu, dass Leute sich ausklinken. Trotzdem: da zahlen die um die 60-70 Euro - soweit ich die Ticketpreise erinnere - und hängen dann da plappernd ab. Dabei war das wirklich ein zweistündiges, erstklassiges Programm. Und wer weiß, wie oft es noch die Möglichkeit gibt, diese Band auf einer Bühne zu sehen. Ist doch das letzte Originalmitglied mittlerweile um die 70 Jahre alt. Also: tolle Band, super Setlist, klasse Video...zum Teil ignorantes Publikum.

Nummern
Computerwelt
It's More Fun to Compute
Heimcomputer
Computerliebe
Die Mensch-Maschine
Spacelab
Das Modell
Autobahn
Tour de France 1983
Tour de France Étape 1
Chrono
Tour de France Étape 2
La Forme
Vitamin
Nachrichten
Geigerzähler
Radioaktivität
Trans Europa Express

Die Roboter

Aéro Dynamik
Boing Boom Tschak
Techno Pop
Musique Non Stop

Montag, 26. Juni 2017

TV Smith @ Essen, Anyway (25.6.2017)

TV Smith!
TV Smith im Anyway in Essen: das ist immer wieder wunderbar. Jedes Mal wenn ich das Anyway betrete treffe ich nette Leute. Gerade an diesem Abend waren von denen sehr viele da. Das ist das Besondere auch vom Anyway. Es gibt kalte Läden oder eben die, in man willkommen ist und in denen eine Atmosphäre herrscht, die ein freundliches Miteinander kultiviert. So hatte ich die Gelegenheit auch mit vielen zu reden...auch mit Tim und seiner sehr netten Lebensgefährtin, die ihn auf der Mini-Tour begleitet hat.
Ich habe TV nun dort bei Kalle und Annette schon sehr oft gesehen. Ist das Anyway eh eine wunderbare Kneipe, sind Tim's Konzerte dort immer speziell. So auch an diesem Sonntagabend. TV war solo unterwegs und das würde bedeuten, dass er einige seiner neuen Songs spielen würde. Tim spielte ca. 1 3/4 Stunden und es war ein schöner Mix aus alten Adverts-Songs und Liedern aus seiner Solo-Phase. Es ist schon überragend, aus welchem umfangreichen "Back-Katalog" TV schöpfen kann: 40 Jahre, in denen er teils unter schwierigen Umständen (kein Plattenvertrag u.ä.) trotzdem wunderbare Songs geschrieben hat. Und auch wenn er jetzt 61 Jahre alt ist, wird er einfach nicht müde... und macht weiter. So auch einer der zutreffenden Kommentare nach dem Konzert: Wo andere nur noch das Alte reproduzieren, ist es bei TV Smith eben anders. Er ist schon ein Ausnahme-Künstler!
Und die neuen Songs sind wirklich hervorragend... mal wieder. Speziell "Land Of The Overdose" ist ein absoluter Übersong! Es wird spannend sein, diese Stücke dann als Studio-Versionen zu hören - vermutlich wieder mit den üblichen Verdächtigen wie Vom eingespielt. Ich hoffe mal, dass spätestens zu Beginn des nächsten Jahres das neue Album erscheinen wird...unter der Voraussetzung, dass er auch die Zeit dazu findet. So umtriebig wie er ist, ist es immer kompliziert, genug Zeit und Ruhe für die Aufnahmen zu finden.
In diesem Zusammenhang: von TV gibt es seit einiger Zeit ein kleines Buch mit Lyrics. Neben der Paperback-Version gibt es eine Special Edition in einer Box: künstlerisch erste Sahne und das Lyrics-Buch als Hard-Cover...zudem eine 10Inch, die TV zusammen mit Henry Rollins aufgenommen hat. Nicht ganz billig...aber mehr als nur ein Sammlerstück! Hier kann man die Box bestellen: BOX.

Das war die wunderbare Setlist:

Only One Flavour
Clone Town
Hometown
My Place
No Time To Be 21
No Control (Neu)
We Stand Alone (Neu)
Written Out (Neu)
Lion And The Lamb
I Delete
Replay
Coming in to Land
Expensive Being Poor
Immortal Rich
Keys to the World (Neu)
No Hope Street (Neu)
Land of the Overdose (Neu)
My String Will Snap
Useless
What If?
Pushed Again
Great British Mistake
Generation Y
Gather Your Things And Go
Good Times Are Back
Gary Gilmore's Eyes
Bored Teenagers
One Chord Wonders

It's Warming Up
The Day We Caught The Big Fish
The Future Used To Be Better
Runaway Train Driver

Sonntag, 18. Juni 2017

The Slow Show & Glasgow Coma Scale @ Duisburg, Traumzeit Festival (16.6.2017)

The Slow Show
Manchmal gibt es schöne Zufälle. Burkhard, mit dem ich einige Tage vorher bei Dinosaur Jr gewesen war, hatte bei einer Verlosung für Tagestickets für das Traumzeit Festival teilgenommen...und gewonnen und mir freundlicherweise eins davon überlassen. Danke noch einmal von dieser Stelle aus! So hatte ich die Gelegenheit, nachdem ich schon letztes Jahr da gewesen war, erneut diese wirklich tolle Location zu besuchen. Auch wenn das Lineup für mich nicht so faszinierend war, allein dieser Landschaftspark ist eine klasse Kulisse für so ein Festival. Zudem ist alles sehr relaxt und es gibt wunderbare Fressbuden.
Glasgow Coma Scale
An diesem Abend wollte ich auf jeden Fall "The Slow Show" sehen, die ich schon Ende 2015 im ZAKK erlebt hatte. Zuvor spiele noch eine "Postpunk"-Band aus Frankfurt: "Glasgow Coma Scale". Hmmm. Zwei Brüder - einer an der Gitarre - der andere am Bass - sowie ein Schlagzeuger. Postpunk ist ja alles und nichts. Irgendwie war das instrumentaler Ambient-Prog-Rock. Nicht uninteressant...aber auf die Dauer auch ein wenig langweilig. Mal abgesehen davon, dass ich das Gefühl bekam, dass die eh immer das gleiche Stück in Variation spielten, ist das so eine Musik, wo man schon einen im Tee haben muss: dann mag das seinen besonderen Charme haben. Trotzdem: war ok...aber eine Wiederholung brauche ich nicht.

Charismatischer Sänger
Dann warten wir auf den Einlaß für "The Slow Show", die in der Gießhalle spielen sollte. The Slow Show kommen aus Manchester und machen schlicht und einfach schöne Musik. Klassisch Kategorie "Independent". Nichts Wildes...eben einfach nur schön. Hervorstechend ist der Sänger, der allein mit seiner Stimme einen in den Bann nimmt. Auf der Bühne passiert entsprechend auch nicht viel. Es scheint fast so, als würde alle Bandmitglieder in sich ruhen und nur darauf bedacht zu sein, ans Herz gehende Melodien hervorzuzaubern. Umso nerviger war dann der "Festival-Effekt": da eben so ein Festival wie eine Pralinenschachtel ist und einem entsprechend nicht alles schmeckt, sind eben - so die Natur der Sache - im Publikum immer auch Leute, die einfach mal gekommen sind, um zu gucken. An sich ist das ja nicht das Problem. Aber wenn die dann einfach rumlabern, mit dem Rücken zur Bühne quasi eine Gegenveranstaltung abhalten...laut sind, dann geht das schon tierisch auf den Keks. Speziell bei einer Band, die viele leise Töne im Gepäck hat. Burkhard, der ein großer Fan dieser Band ist, versuchte auch einige besonders nervige Zeitgenossen dann bei der obligatorischen Selfi-Rudelbildung mit einem zusammengeknüllten Taschentuch zu bewerfen...leider ohne Erfolg. Nun denn: das alte Lied. Respekt gegenüber einer Band und Rücksicht auf die anderen, die einfach nur die Musik genießen wollen, ist eben alles andere als normal.
Nach dem ca. 60minütigen Set der Band verabschiedete ich mich dann aber. Ich war müde. Die Woche war trotz Urlaub voll gewesen und ich fuhr beseelt von einem wunderbaren Set der Slow Show wieder nach Hause.

Das war die Setlist von The Slow Show:

Strangers now
Dresden
Augustine
Dry my bones
Paint you like a rose
Hopeless town
Ordinary lives
Hurts
Breaks today
Flowers to burn
Bloodline

Freitag, 16. Juni 2017

Killing Joke & Grave Pleasures @ Bochum, Zeche (14.6.2017)

Killing Joke bitten zum Tanz
Tag 2 in der Bochumer Zeche. Diesmal war ich mit Jürgen da. Wir beiden hatten Killing Joke schon im Dezember in der Kölner Kantine gesehen... und befunden, dass es sich lohnen würde, diese Band noch einmal zu sehen. Als Support war eine finnische Band - Grave Pleasures - angekündigt, die auf den ersten Blick nichts Tolles verhieß. Allein der Name. Ok. Typisch Finnland, wo eh alles ja ein wenig dunkel ist. Dann aber auch die Beschreibung auf der Facebook-Seite: "Apocalyptic Death-Rock". Also war irgendwie so ein Metalkram mit Schreistimme zu erwarten, entpuppte sich diese finnische Band als richtig gut: irgendsoeine Mischung zwischen Glam, Gothic und Rock. Die Texte waren - dem Bandnamen entsprechend - düster, aber der Rest war unterhaltsam und kurzweilig. Zudem waren die Musiker auch noch sehr sympathisch. Also: der Support war schon einmal sehr gut. Erwähnenswert in diesem Zusammenhang: obwohl der Einlass erst um 19.00 war, fing die Vorband schon um 19.30 an und hörte exakt nach einer halben Stunden auf.
Sie können lächeln!
So standen Killing Joke um 20.30 auf der Bühne und spielten 90 Minuten. Sehr zuvorkommend für die hauptsächlich älteren Herrschaften, die sich in der wiederum nicht ausverkauften Zeche versammelt haben. Der Set war gegenüber Köln leicht verändert: "New Cold War", "Change", "Turn to Red" sowie "Complications" waren nicht mehr im Programm. Dafür spielte die Band "Sun Goes Down ", "Asteroid", "Corporate Elect" und "

The Death and Resurrection Show". Der Sound in der Zeche war wieder einmal sehr gut und insgesamt hatten alle Spaß. Ab und zu gab das eine oder andere technische Problem mit dem Schlagzeug, so dass die gewohnt theatralischen Einleitungen des Sängers zu einzelnen Liedern leicht verpufften, weil der Schlagzeuger noch nicht anfangen konnte. Aber das war nicht schlimm. Die Band war eh gut drauf. Alle vier plus der Frau an den Keyboards waren recht ausgelassen und hatten einfach bock zu spielen. Jaz Coleman gebührt schließlich noch insofern Respekt, dass er trotz der Wärme in der Zeche sein Outfit bis zum Schluß anbehielt: Der muss wie Sau geschwitzt haben...was man ihm aber nicht ansah. Um 22.00 war dann Schluß und wir fuhren zufrieden wieder nach Düsseldorf. Killing Joke? Immer wieder!

Das war die Setlist:
The Wait 

Autonomous Zone 

Love Like Blood 

Eighties

European Super State 

Sun Goes Down

Unspeakable 

Wardance 

I Am the Virus

Exorcism

Asteroid

Corporate Elect 

Pssyche 


SO 36

Requiem

The Death and Resurrection Show 

Pandemonium

Mittwoch, 14. Juni 2017

Dinosaur Jr & Purling Hiss @ Bochum, Zeche (13.6.2017)

Dinos
Eine Woche Urlaub und darin enthalten, zweimal direkt hintereinander in die Bochumer Zeche zu fahren. Ich war schon recht früh unterwegs, weil ich unbedingt an der Ruhr-Universität Station machen wollte. Immerhin hatte ich fast 8 Jahre dort studiert, gelebt und - ohne die Vergangenheit zu romantisieren - eine wunderbare Zeit gehabt. Danach ging es in die Bochumer City und dann zum Wattenscheider Bahnhof, wo ich Burkhard abholte. Gemeinsam fuhren wir dann direkt zur Zeche, wo anfangs - dann auch in der Halle - erschreckend wenig Menschen waren. Am Ende füllte sich dann doch das Venue - ausverkauft war es aber nicht.
Ich habe es schon früher geschrieben: mit der Zeche verbinden mich viele schöne Erinnerungen. Ich habe hier viele Bands gesehen. Witzigerweise gibt es jetzt in der Zeche einen Monitor, an dem man alle Bands ablesen kann, die da jemals gespielt haben. Und in "meiner" Bochumer Zeit hatte ich das Glück, dann auch zu Fuß nach Hause laufen zu können. Das war immer sehr praktisch.
Nun denn. Als Vorband spielte eine Band namens "Purling Hiss". Die Band war ok. Stilmäßig irgendwo zwischen Grunge, Psychedelic und Stoner-Rock. Irgendwie passte der Support gut zum Hauptact. Burkard fand den Gesang schlecht. Ich kann da nicht so viel zu sagen. Gut war der Sänger sicherlich nicht. Aber das Trio drosch frohgemut auf ihre Instrumente und spielte einen ca. 40 minütigen Set, der ganz ordentlich war.
Ghostdrummer
Nach einer relativ kurzen Umbaupause begangen dann Dinosaur Jr. ihren Set. Überraschungen waren nicht zu erwarten - auf jeden Fall nicht im Blick auf die Setlist. Allein das Betreten der Bühne ist schon eine Bemerkung wert: während der Schlagzeuger - Murph - fast noch als agil zu bezeichnen ist, schleicht Mastermind J Mascis wie ein Greis über die Bühne. Und Lou Barlow? Der kam so auf die Bühne als hätte er die ganze Zeit vorher geschlafen. Jedenfalls leicht orientierungslos. Dann aber - sobald alle drei zu spielen begonnen haben - änderte sich alles: J Mascis erwacht zum Leben und zaubert 90 Minuten mit seinen verschiedenen Gitarren. Und diesmal hat er sogar das eine oder andere Mal zum Publikum gesprochen. Sondermeldung! Und genauso Lou Barlow: der fing an - barfuß wie immer - auf der Bühne rumzutänzeln, wobei man sein Gesicht kaum zu sehen bekam...angesichts der Haare, die notorisch im Gesicht hangen. Und Murph drosch auf sein Schlagzug ein. Nur ab und zu stand er auf, um sich mal die Füße zu vertreten. Das Alter eben.
Unter dem Strich war das das beste Konzert - im Vergleich zum November und Juni letzten Jahres. Der sound war erstklassig, was eben an der Zeche liegt. Es war auch gar nicht so überlaut wie sonst. Und es bot auch wieder die Besonderheit, die schon im November sehenswert war: bei "The Wagon" spielten zwei der Roadies mit... einer Schlagzeug...einer Gitarre. Welche Band macht so was schon? Respekt! So verließen wir die Zeche zufrieden und ich setzte Burkhard wieder am Wattenscheider Bahnhof ab und fuhr nach Düsseldorf. Schöner Abend!

Das war die Setlist von Purling Hiss:

Teddys
Run
Almost
Dreams
Mercury
Fever
Lolita
USA

Das war die Setlist von Dinosaur Jr

Thumb
Goin Down
Lost All Day
Love Is
The Wagon
Watch the Corners
Tiny
Feel the Pain
Tarpit
Knocked Around
Start Choppin
I Walk for Miles
Budge
Freak Scene
Gargoyle

Just Like Heaven (The Cure)

Montag, 5. Juni 2017

The Coathangers @ Cologne, MTC (2.6.2017)

Gitarristin
Ein Tag zuvor sah ich durch Zufall, dass das Konzert der Coathangers in München ausgefallen war. Wie ich dann herausfand aufgrund der Erkrankung der Bassistin. Hmmm. Sowas ist immer doof und erst am Mittag des Kölner Konzertes wurde Entwarnung gegeben: der Konzert sollte stattfinden. Es wäre wirklich sehr schade gewesen. Hatte ich die Band doch im Jahr zuvor auch in Köln gesehen...und das war klasse gewesen. Als ich dann losfahren wollte, stellte ich fest, dass der linke Hinterreifen platt war. Wunderbar. Eine Schraube hatte sich in den Reifen gedreht. So fuhr ich mit Verspätung los, erreichte aber dann doch das MTC kurz vor Einlass...wie ich dachte. Doch die Band war noch nicht da. Kaum verwunderlich zu Beginn des Pfingstwochenendes. Da ist die Strecke von München nach Köln eher ambitioniert. Aber alles nicht schlimm. Vor dem MTC traf ich Martin. So verkürzten wir uns die Wartezeit mit Essen und einem Getränk. Und da just in dem Moment wo wir losgingen der Bandbus auch eintraf, war klar, dass sich alles nicht sehr nach hinten schieben würde. Schon deshalb nicht, weil um 23.00 das Partyprogramm starten sollte.

Bassistin
Drummerin
Das MTC war recht gut gefüllt. aber alles andere als ausverkauft. Es spielte - trotz Ankündigung - keine Vorband, was ich nicht besonders bedauerte. Gegen 21.30 betrat dann die Band die Bühne. Dachte ich erst, dass die Coathangers eine neue Schlagzeugerin hätten, verflüchtigte sich dieser Eindruck im Laufe des gut einstündigen Sets. Hatte sie letztes Jahr noch lange dunkle Haare, hatte sie jetzt kurze blondierte Haare. Die Performance war identisch - und wie ich dann später zuhause nachhalten konnte angesichts der Fotos vom letzten Jahr: auch die Tattoos waren die gleichen. Meinte hinterher Martin, dass die Band in der ersten Hälfte ein wenig lahm gewesen sei, so hatte ich auch das Gefühl, dass die Band irgendwie mit angezogener Handbremse startete. Vermutlich hing das damit zusammen, dass die Bassistin noch nicht ganz fit war (statt Kaltgetränk kam sie mit einem Becher Tee auf die Bühne) - zudem war sie nach langer Fahrt erst kurz vorher dem Bandbus entstiegen. So dauerte es etwas, bis die Band auf Betriebstemperatur war. Trotzdem war es ein exzellenter Set. War das letzte Album - Nosebleed Weekend - schon ein ziemlicher Knaller, legte die Band jetzt mit einer 5-Track 12 Inch nach, die den Longplayer sogar noch toppt. Wie schon im letzten Jahr kam es zum Ende es Sets zum fröhlichen Instrumenten-Tausch. auch hier stach - wie schon im letzten Jahr - die Drummerin heraus, die wahrlich mehr kann als am Schlagzeug zu sitzen. Das ist schon eine verrückte Band. Abgeschlossen wurde dann der Set mit dem obligatorischen "Squeeki Tiki".
Wenn es überhaupt etwas zum Kritisieren gibt: der Sound war an einer Stelle schlecht...den die Vocals waren viel zu leise. Nun denn. Ich fuhr auf jeden Fall vergnügt wieder zurück nach Hause. Ich würde mich freuen, wenn die drei nächstes Jahr wieder nach Deutschland kommen. Coole Band.

Johnny
Dumb Baby
Smother
Down Down
Nosebleed Weekend
Burn Me
Make It Right
Perfume
Wipe Out
Springfield Cannonball
Watch Your Back
Had Enough
Arthritis Sux
Parasite
Shut Up
Cheap Cheap
Squeeki Tiki

Nestle In My Boobies
Sex Beat (The Gun Club)

Hurricane
Captain’s Dead

Sonntag, 14. Mai 2017

TV Smith and the Bored Teenagers & Thomas Allan Band @ Duesseldorf, Haus der Jugend (13.5.2017)

TV Smith and the Bored Teenagers
Das war ein wundervoller Abend. Eröffnet wurde er von der Thomas Allan Band. Ich habe diese Band nun schon einige Male gesehen. Jedes Mal war das sehr gut. Aber heute Abend war es am Besten. Das lag - nicht nur...aber auch - an dem vierten Bandmitglied. Zuerst spielt die Band als Trio auf. Die Setlist war ähnlich wie die beim letzen Mal. Trotzdem wirkte alles noch mehr aufeinander eingespielt. Die spielen schon verdammt gut und die Songs sind klasse. Als dann nach ca. der Hälfte des Sets ein weiterer Gitarrist auf der Bühne stand, konnte man beobachten wie sich da auf Gitarrenebene ein kongeniales Team zusammenfand. Eine wahre Freude war das, das zu sehen und vor allem zu hören: im übertragenen Sinne warfen sich die beiden die Bälle zu und so hatte ich am Ende des Sets das Gefühl, dass sich jetzt eine Band gefunden hat, von der noch einiges zu erwarten ist. Ich bin sehr gespannt!
Thomas Allan Band
Dann - nach einer ziemlich kurzen Umbaupause - standen TV und die Bored Teenagers auf der Bühne. Ich habe diese Band jetzt schon ziemlich oft gesehen. Aber dieses war das besonders. Quasi ohne Pause spielte TV das "Useless"-Album (auch wenn das Titelstück erst als erste Zugabe kam). Es war wirklich atemberaubend. Düsseldorf war der letzte Gig. Die Band war extrem gut aufeinander eingespielt. Und so jagte ein brillianter Song den nächsten. Auffallend war dabei auch der Gitarrist Marky Quattro: er hat mehr noch als früher - wenigstens aus meiner Erinnerung heraus - einigen Liedern eine besondere Note gegeben wie z.B. "Runaway Train Driver". Wäre TV nach diesem ersten Set nicht mehr auf die Bühne gekommen, es wäre ok gewesen - denn es war alles "gesagt" worden". Doch er kam noch mehrfach wieder. Besonders erfreut war ich u.a. über "Tomahawk Cruise", der Single aus den Explorers Zeiten. Am Ende waren es ca. 80 Minuten.
Kuriosität am Rande: Am Ende des letzten Liedes - Great British Mistake - zerschlug dann Jonathan - der Bassist - seinen Bass. Damit war dann auch klar, dass es keine weitere Zugabe mehr geben würde. Wie ich dann später las, war der Bass auf der Tour mehr oder weniger kaputt gegangen, so der dann am letzten Abend in die musikalischen "ewigen Jagdgründe" geworfen wurde.
Wunderbar an diesem Abend war natürlich auch, viele nette Menschen wieder zu treffen. TV Smith Konzerte sind eben immer auch social events. Und das ist gut so. Am Merchstand legte ich mir noch die Special Edition seines Songbooks zu und verabschiedete mich von TV und auch Paul, seinem Tourmanager. Dieses Jahr werde ich TV wohl noch mindestens zweimal hier in Deutschland sehen - im anyway und im Tube - und dann auch hoffentlich in Blackpool, wo er mit der Band zweimal und einmal solo auftreten wird. Ich freue mich.

Das war die Setlist:

One Chord Wonders
Only One Flavour
My String Will Snap
Expensive Being Poor
Immortal Rich
Ready for the Axe to Drop
The Day We Caught the Big Fish
Generation Y
Gather Your Things and Go
Lion and the Lamb
Gary Gilmore’s Eyes
Bored Teenagers
Runaway Train Driver
Lord’s Prayer

Useless
Tomahawk Cruise
No Time To Be 21
Replay
I Delete
The Good Times Are Back

Safety In Numbers
Television's Over
Bombsite Boy

Back From The Dead
Great British Mistake

Freitag, 12. Mai 2017

Wire & Palais Ideal @ Utrecht, De Helling (11.5.2017)

WIRE
Unter der Woche nach Utrecht auf ein Konzert zu fahren - und am nächsten Morgen um 6.00 aufstehen zu müssen - das ist eher Blödsinn. Aber bei Wire? Da habe ich diesen Blödsinn in Kauf genommen. So fuhren Horst und ich ins Nachbarland und fanden direkt an der Halle einen Parkplatz. "De Helling" ist eine nette, übersichtliche Location: am Ende waren ca. 150 Menschen im Konzertsaal.
Als Support spielte ein Duo: "Palais Ideal". Abgesehen davon, dass der Sound nicht wirklich berauschend war, war es die Band auch nicht wirklich. Horst und ich hatten beim Sound der Band einen gleichen Gedanken. Das Duo, das via Bandmaschine als Rhythm-Ersatz unterstützt wurde, wollte wie die anfänglichen Human League 1979/80 klingen. Es gab dabei ein paar nette Momente. Gar nicht so schlecht war das Cover von Iggy Pop's "Funtime" sowie das Cover von "Resistance" von "The Sound". Aber letztlich blieb nach 45 Minuten nichts hängen.
Anders war das bei Wire: Diese Band ist eine, die klassische Fan-Erwartungen in der Hinsicht nicht erfüllt, als dass - wie es viele andere Bands tun - der alte Backkatalog präsentiert wird. Wenn alte Songs auf der Setlist stehen, dann werden sie anders als gewohnt gespielt. Wire haben schon immer ihr Ding gemacht. So dass sie dann eine ganz andere Erwartung immer erfüllen: ein Konzert von Wire birgt immer Überraschungen und bietet jedes Mal hochklassische Unterhaltung.
Die Band besteht aktuell aus den drei Gründungsmitgliedern Colin Newman, Graham Lewis und Robert Grey. Alles ältere Herren über 60, die nach wie vor Spaß am Krach haben. Ergänzt wird das Trio durch den Gitarristen Matthew Simms, der mit seiner schräg sägenden Gitarre so etwas wie das Sahnehäubchen darstellt. Alle letzten Alben sind grandios und es scheint so, dass die Kreativität dieser Band noch lange nicht am Ende ist. Die erfinden sich einfach immer wieder neu.
Klar standen dann einige Stücke des neuen Albums auf der Setlist. Daber auch das eine oder andere der Alben zuvor. Besonders freute ich mich über eine interessante Version von "Over Theirs": dieses Stück stammt vom sog. Reunion-Album von 1987: "The Ideal Copy". Ich mag dieses Album schon deshalb, weil ich damals hoch erfreut gewesen war, dass es diese Band überhaupt wieder gab. Zudem war das meine allererste CD, die ich käuflich erwarb. Gerade bei diesem Stück kam die sägende Gitarre von Matthew Simms besonders gut und verlieht diesem tollen Stück eine besondere Note. Stand "Over Theirs" am Ende des regulären Sets, spielte die Band als erstes Lied "Ahead" vom gleichen Album. "The Ideal Copy" quasi als Klammer. Und wurde auf den letzten Touren immer auch mal etwas von "Pink Flag" gespielt, so fand sich jetzt "Three Girl Rhumba" auf der Setlist wieder: anders als Vinyl und mit der lakonischen Ansage von Graham Lewis, dass derjenige, der dieses Lied nicht kennen würde, doch besser schnell zu seinem Doktor gehen solle.
Nach gut 75 Minuten war das Konzert zu Ende. Eigentlich schade. Und doch: das war eine perfekte Packung. Wire spielen in einer Liga für sich - in jeder Hinsicht.

Das war die Setlist:

Ahead (The Ideal Copy)
Diamonds In Cups (Silver/Lead)
An Alibi (Silver/Lead)
This Time (Silver/Lead)
Three Girl Rhumba (Pink Flag)
Art Of Persistence (The Third Day)
Brio (Silver/Lead)
Underwater Experiences (Document And Eyewitness)
Red Barked Trees (Red Barked Tree)
Small Black Reptile (Manscape)
Keep Exhaling (Change Become Us)
Split Your Ends (Wire)
Playing Harp for the Fishes (Silver/Lead)
Short Elevated Period (Silver/Lead)
Over Theirs (The Ideal Copy)

Silver/Lead (Silver/Lead)
Used To (Chairs Missing)
Harpooned (Wire)

Montag, 24. April 2017

Spizzenergi & The Dirty Lovemachines @ Cologne, Sonic Ballroom (23.4.2017)

Son Of Ziggy
Spizz - unter welchem Namen auch immer - fand ich auf Vinyl immer toll. Ich erinnere mich, wie mir "Soldier, Soldier" bei Carmens Pure Freude gekauft hatte. Die anderen Singles hatte ich zu dem Zeitpunkt - 1981 - alle auf Tape. Damals spielte Spizz auch in Düsseldorf. Live war das damals aber nicht so der Brüller. Mein Freund Joost schrieb damals in seinem Fanzine "Schmier", dass der Auftritt ziemlich scheisse gewesen sein muss. Auch die Live-Aufnahmen, die man auf YouTube z.B. anhören kann, haben mich nie wirklich so vom Hocker gehauen. Trotzdem dachte ich mir, dass es sich vielleicht doch lohnen könnte. Also fuhr ich mit wirklich wenig Erwartungen in den Sonic Ballroom. Und: der Abend sollte gleich in mehrfacher Hinsicht überraschen.
I Am A Machine
Da war die Vorband. Und an sich zucke ich beim Thema Vorband im Sonic Ballroom immer zusammen. Wieviele wirklich miese Supportbands habe ich das schon gesehen. Aber "The Dirty Lovemachines" haben trotz des eher dummen Namens mehr als überzeugt. Stark am amerikanischen Punk/Hardcore orientiert bediente sich das Trio so unverschämt gut bei unzähligen Bands, dass es ein wahre Freude war, diesem fast 40minütigen Set beizuwohnen. Roter Faden war die Ramones-Attitüde, möglichst viele Songs in kurzer Zeit runterzuspielen. Und den Ramones wurde auch in dem einem oder anderen Song Tribut gezollt. Das war also ein Kracher direkt zu Beginn. Sollten "Spizzenergi" also Rohrkrepierer sein: der Abend hätte sich allein wegen der Vorband gelohnt.
Aber "Spizzenergi" waren gigantisch. Aber alles von Anfang an. Spizz - der Mastermind - ist ein exzentrischer Zeitgenosse, der wohl früher vor allem durch schlechte Laune auf der Bühne aufgefallen ist. Aber das ist wohl Vergangenheit. Er war gut aufgelegt und fiel allein durch sein auffälliges Outfit auf: beleuchtete Brille, leuchtende Ringe und eine Gürtelschnalle inkl. Display, auf dem "Son of Ziggy" zu lesen war. Dazu dann eine Band, die extrem gut ist: alles vorzügliche Musiker, die den Geist des Glasrock / Bowies und dieser Zeit in den Knochen stecken hatten und entsprechend genau - passgenau - zu den Songs von Spizz passten. Und so folgte ein bombastischer Set, in dem alles vorhanden war: alte Hits wie auch die beiden neuen Singles. Manche alte Songs kamen im neuen Gewand daher wie z.B. "Soldier, Soldier" oder vor allem "Spock's Missing". Und das war nicht nur gut, sondern auch unterhaltsam. So stand ich da vor der Bühne und rieb mir die Augen. Nichts ist schöner als ein Konzert zu erleben, wo alle Erwartungen getoppt werden. So verließ ich den Sonic Ballroom kurz nach 23.00 Uhr mit einem breiten Lächeln. Im Auto lief dann auf WDR2 ein Life-Konzert von Iggy Pop...ich schaltete ein als gerade "Lust for Life" lief. Passte perfekt!

6000 Crazy
Mega City 3
No Room
Amnesia
European Heroes
Red & Black
Soldier, Soldier
Central Park
City Of Eyes
Here Come The Machines
Virginia Plain
Where’s Captain Kirk?

Spock’s Missing
The Model
Scared
I Fought The Law

Sonntag, 23. April 2017

Turbostaat & Manifesto Jukebox @ Duesseldorf, ZAKK (22.4.2017)

Turbostaat
Im Sommer letzten Jahres hatte ich Turbostaat für mich entdeckt. Bis dahin war die Band immer an mir vorbeigegangen. Das aktuelle Album "Abalonia" ist ein wunderbares Album. Jetzt im ZAKK fand der Nachholtermins für das eigentlich im letzten Oktober angesetzte Konzert statt. Das ZAKK war mehr oder weniger ausverkauft. Eröffnet wurde der Abend kurz nach 21.00 von "Manifesto Jukebox", einer finnischen Band. Die war nicht ganz mein Ding, aber alles andere als schlecht. Dann kurz nach 22.00 kamen dann "Turbostaat" auf die Bühne. Unter dem Strich ein tolles Konzert. Viele songs des aktuellen Albums standen auf der Setlist - und dazwischen viele Stücke der Vorgängeralben. Alles gut. Das Publikum hat es genossen. Und der Sänger beeindruckte nicht nur als Sänger sondern auch durch einen guten blick: einer der Zuschauer verlor vor der Bühne seine Brille, so dass er den Song unterbrach, bis die Sehhilfe wiedergefunden war. Aber nicht nur der Sänger verdient Respekt: die Band spielte auf den Punkt. Routiniert ja. Aber da wurde nichts runtergespielt. Trotzdem - vielleicht lag es auch an meinem Gemütszustand an diesem Abend...die Woche war voll gewesen und ich war auch irgendwie bedient - war ich auch genervt: da war mal wieder ein total matschiger Sound... die alte ZAKK-Krankheit in der Halle. Dann hatte die Band eine nervige Lightshow, die - weil ich auf der Empore stand - da auf jeden Fall für mich extrem anstrengend war. Nun denn. Ich habe ja auch den Altersdurchschnitt massiv hinter mir gelassen. Und dann diese Quatscherei: neben mir standen zwei junge Frauen, die dauernd redeten...je lauter die Musik desto lauter waren sie ja dann auch. Als ich dann deutete, doch mal leise zu sein, regten die sich auf: "Was ich denn hätte...sie würden sich doch nur unterhalten...!" Hallo: es ist ein KONZERT! Zuhören! Nicht quatschen! Meine Fresse.
Wie dem auch sei. Ich war dann irgendwann einfach müde. Nach der ersten Zugabe ging ich davon aus, dass jetzt Schluss sei. Ich ging raus. Dann hörte ich, dass die Band nochmal auf die Bühne kam. Ich ging aber nicht wieder rein. Ich war durch und die frische Luft tat mir gut. Turbostaat: trotz meines Genervtseins eine sehr, sehr gute Band. Keine Frage.

Die Setlist ohne die letzte Zugabe:

Ruperts Grün
Der Zeuge
Haubentaucherwelpen
Ja, Roducheln
Die Stulle Nach Dem Schiss
Kussmaul
Surt Und Tyrann
Wolter
Ufos Im Moor
Bei Fugbaums
Pennen Bei Glufke
Fraukes Ende
Insel
Sohnemann Heinz
Eisenmann
Strandgut
Alles Bleibt Konfus
Harm Rochel
Abalonia

Phobos Grunt
Vormann Leiss
Schwan

Donnerstag, 20. April 2017

Sonic Avenues @ Essen, Anyway (19.4.2017)

Sonic Avenues
Wieder ein Konzert im genialen Anyway in Essen. Kalle hat ein wunderbares Händchen, immer gute Bands an Land zu ziehen. Auch wenn das Anyway klein ist und an diesem Mittwochabend das Publikum überschaubar war: es herrscht immer eine gute Atmosphäre und man kann Bands immer hautnah erleben. Wie jetzt die Kanadier "Sonic Avenues", die aus Montreal kommen und einen ultra melodischen Poppunk spielen: zwei Gitarren, die sich melodisch "die Bälle einander zuwerfen", und ein treibendes Schlagzeug und ein treibender Bass. 45 Minuten dauerte nur der Set.
Es gibt so viele Bands aus diesem Genre vom amerikanischen Kontinent. Das Problem bei ca. 90 Prozent dieser Bands: hörst Du einen Song kennst Du automatisch alle anderen. Ich habe einige dieser Bands gesehen und war spätestens nach 10 Minuten gelangweilt. Anders bei den "Sonic Avenues": die haben einfach den richtigen Dreh raus, einen melodischen Song nach dem anderen rauszuhauen, ohne sich zu kopieren. Wenn es überhaupt eine Konstante gibt, dann ist es eben diese treibende Rhythm-Section. Also: Perlen über Perlen, die in die Beine gehen. Darüberhinaus hat die Band ja nicht nur gute Musik gemacht: äußerst sympathisch sind die vier Kanadier. So macht ein Konzert Spaß. Und - wie schon gesagt - im Anyway wird man nie enttäuscht. Wunderbarer Laden.


Death Trap
Future
Burn Like Fire
Dead Faces
Automatic
Tunnel Vision
Hiding From You
Television Youth
Way Out
X Your Manners
Teenage Brain
I'm Not Linear
Defective

Girls With Pearls
Cover Song

Lost & Found

Samstag, 15. April 2017

Desperate Journalist & Precious Few @ Cologne, Blue Shell (12.4.2017)

D E S P E R A T E  J O U R N A L I S T
Ein guter Bekannter aus England gibt mir von Zeit zu Zeit Tips. Und das Schöne dabei ist, dass ich da immer blind drauf vertrauen kann, dass es auch mir gefallen wird. So hatte Andrew mir schon vor einiger Zeit die in London ansässige Band "Desperate Journalist" ans Herz gelegt. Via der Bandcamp-Seite der Band konnte ich das Debut-Album hören und ich war mehr als begeistert. Als dann das Konzert im Blue Shell angekündigt wurde, habe ich mir sofort ein Ticket geholt.
"Desperate Journalists" sind eine vierköpfige Band: jeweils zwei Frauen und zwei Männer, die mit Kajalstiften ihre Augen Cure-mäßig bemalt haben. Nicht umsonst ist auch der Bandname einem frühen Cure-Song entlehnt. Offiziell hat die Band Band den Stempel "Post-Punk" abbekommen. Da ist nichts gegen einzuwenden: vieles ist aber auch sehr Retro - aber so gut und betörend, dass es einfach ein Vergnügen ist, diesr Band zu lauschen. Wenn ich also hinten anfange, habe ich mir endlich das Debut-Album sowie das neue Album "Grow Up" am Merchstand zugelegt. Davor gab es einen fast einstündigen Set, der von A-Z nur mit einem einzigen wort zu umschreiben ist: WUNDERBAR. Da war nicht nur der Gitarrist, der mit seinen verschiedenen Effektgeräten die unterschiedlichsten Sounds hervorzauberte - da war auch die treibende Rythm-Section, die vom Bassmann und der Schlagzeugerin zusammengehalten wurde. Krönung war die fragile Sängerin, die das lange, rote Mikrokabel sich bei jedem song bedenklich oft um den Hals schlang, dabei aber wunderbar und durchdringend sang. Die Setlist bestand entsprechend des gerade erschienenen zweiten Album hauptsächlich aus neuen Stücken. Knaller wie "Organ" oder "Cristina" vom ersten Album kamen trotzdem vor. Eine Stunde, in der alles gesagt war. Grandios! Da fiel dann auch nicht die lokale Supportband "Precious Few" ins Gewicht: harmloser, leichtgewichtiger Singersongwriter-Pop.

Das war die Setlist von Desperate Journalist:

I Try Not To
Happening
Hollow
Why Are You So Boring?
Lacking In Your Love
Be Kind
Control
Your Genius
Distance
Cristina
All Over

Radiating
Resolution
Organ

Sonntag, 9. April 2017

Stiff Little Fingers @ Aachen, Musikbunker (8.4.2017)

Stiff Little Fingers
Ich hatte mir die Tickets für Düsseldorf und Aachen schon im Dezember gekauft. Ausschlaggebend war damals, dass es fast dazu gekommen wäre, dass eine wunderbare englische Band hätte Support sein sollen. Im Dezember schien das relativ sicher...einige Wochen später war aber der Traum zerplatzt. Nach dem Konzert im ZAKK letzte Woche war mir aber klar, dass ich - soweit einrichtbar - auch nach Aachen fahren wollte. Der Vorteil des Musikbunkers: kleiner und mit relativ gutem Sound. So stand ich direkt vor der Bühne - genau in der Mitte. Perfekt!
Und eigentlich kann ich nicht sehr viel anderes schreiben als schon vor einer Woche: die gleiche Setlist, der gleiche gute Auftritt - auch wenn aus der Nähe betrachtet die Musiker doch ziemlich müde aussahen - und sogar das gleiche häßliche Hemd von Jack Burns. Also: ein toller Gig einer wirklich guten Band. Wenn es überhaupt etwas negativ anzumerken gäbe: das Gequatsche des Publikums, das mit im ZAKK so nicht aufgefallen ist.
Daher nun einige hochgradig subjektive Anmerkungen zur Setlist:
Hanx!
Interessant ist, dass die Band direkt mit einem vom ersten Album "Inflammable Material" begannen: "Breakout". Es ist aus meiner Sicht nicht der stärkste Song, aber er zeigte als Opener, wohin die Reise hingehen sollte. Danach folgte "Straw Dogs", das - wenn ich mich nicht irre - als vierte Single zwischen den beiden ersten Alben veröffentlicht worden war. Ein tolles Stück, das zeigt, welche Energie diese Band damals versprühte.
Danach folgte "Just Fade Away", das noch eines der besseren Stücke vom dritten Studioalbum darstellt. Im Gegensatz zu den vorgänger-Alben, die vor lauter Wut nur so strotzten, ist das aber schon weichgespült. Trotzdem ein schönes Stück.
"My Dark Places", in dem Jack Burns über seinen Kampf mit Depressionen singt, stammt vom letzten Album "No Going Back". Inhaltlich sehr gut...musikalisch eher im Weichspülmodus von 1981 aufwärts. Das gilt auch für "Safe As Houses" von "Go For It": schöne Melodie...aber das Raue fehlt.
"Nobody's Hero" ist eines der Stücke, das ich damals als das zweite Album "Nobody's Heroes" rauskam bis zum Abwinken gehört habe. Daher ein weiterer Höhepunkt auf der Setlist. Und auch wenn dann "Each Dollar A Bullet" vom letztlich schwachen Album "Flags And Emblems" stammt, ist das als große Ausnahme ein toller Song, der fast nahtlos in "At The Edge" von 1980 überging. Großes Kino.
"Barbed Wire Love" ist live wirklich gut. Witzigerweise ist das das einzige Stück vom ersten Album, das ich früher nie so recht mochte.
"Guilty As Sin", das auch vom letzten Album stammte, dreht sich um Mißbrauch von Kindern. Starkes Stück.
"Gotta Gettaway" ist einer der Knaller von "Nobody's Heroes". Ein wahrer Klassiker. Und auch "When We Were Young" von "No Going Back" hat wirklich starke Momente. Wohingegen ich "Roots, Radicals, Rockers and Reggae" vom dritten Album "Go For It" immer irgendwie doof fand. Also wenn ein Stück verzichtbar gewesen wäre, dann dieses.
"Strummerville" vom Album "Guitar And Drum" ist nett - inhaltlich natürlich sehr gut...musikalisch aber eher mäßig. Ja und dann kam das Grande Finale mit fünf Songs von den ersten beiden Alben, die einfach nur fantastisch sind: "Wasted Life", "Tin Soldiers", "Suspect Device" und als Zugabe eben "Johnny Was" sowie "Alternative Ulster". Es sind Songs, die ich damals - vor allem 1980 - wahnsinnig oft gehört habe. Und als ich dann im November diese Songs damals in Dortmund beim Rockpalastauftritt live miterleben durfte, war das ein Auslöser für viele Glücksgefühle. Tolle Band, die aber - wie schon zum ZAKK-Konzert geschrieben - gerade dieser Zeit immer hinterhergehinkt ist. Trotzdem: es ist gut, dass es die Stiff Little Fingers noch gibt.

Breakout
Straw Dogs
Just Fade Away
My Dark Places
Safe As Houses
Nobody's Hero
Each Dollar A Bullet
At The Edge
Barbed Wire Love
Guilty As Sin
Gotta Gettaway
When We Were Young
Roots, Radicals, Rockers and Reggae
Strummerville
Wasted Life
Tin Soldiers
Suspect Device

Johnny Was
Alternative Ulster

Dienstag, 4. April 2017

Locas In Love @ Duesseldorf, Kassette (29.3.2016)

Locas In Love
Das war reiner Zufall. Ich wollte eigentlich nur Martin treffen. Und an dem Abend spielte in der Kassette - übrigens ein wirklich netter Laden - die Kölner Band "Locas In Love": deutschsprachiger Pop mit krachigen Passagen. Sehr sympathisch und berührend. Auch wenn ich nicht bis zum Ende - der Zugabe - bleiben konnte, war es ein schöner Abend mit mildem Frühlingswetter.

Sonntag, 2. April 2017

Stiff Little Fingers & Sewer Rats @ Duesseldorf, ZAKK (1.4.2017)

Alternitive Ulster Boy Group
Stiff Little Fingers ist einer der Bands, die zwei fantastische Alben rausgebracht haben - Inflammable Material (1979) und Nobody's Heroes (1980) - und die dann eigentlich nichts mehr wirklich Gutes rausgebracht haben. Sicherlich: die das eine oder andere gute Stück. Doch letztlich lief die Band den ersten beiden Alben immer nur hinterher. Damals 1980 habe ich die Band in Dortmund gesehen und es war ein grandioses Konzert. Dann - nach langer Zeit - verließ ich das Konzert 2008 vorzeitig, weil es nur noch unerträglicher Altherrenrock war. Und nun habe ich Band dreimal im ZAKK gesehen: 2013, 2014 und 2017. Um es vorwegzunehmen: das aktuelle Konzert ist das Bessere dieser 4 Jahre. Dabei - und damit komme ich zum Support - erzeugte im Vorfeld der Veranstalter - das ZAKK - eine im Nachhinein witzige Irritation: als Support war erst gesetzt, das ein mir unbekannter deutscher Liedermacher auftreten sollte. Das erzeugte eine Diskussion bei Facebook bis hin zu der Aussage, dass das Bier doch zu teuer sei, um es dann mit dem Becher auf die Bühne zu schmeißen. Nun denn: quasi 24 Stunden vor dem Konzert war dieser Support gestrichen und die Kölner "Sewer Rats" sprangen ein. Das war keine schlechte Wahl: die Band spielte in dem am Ende ausverkauften ZAKK einen 40minütigen Set und brachten das Publikum - so wie es sein sollte - auf Betriebstemperatur.
Abzug in der B-Note
Dann kamen Stiff Little Fingers. Das, was mir zuerst auffiel: das Outfit von Jack Burns: ein Hemd mit Punkten. Das war vollkommen komisch. Kombiniert mit seinem Bauchumfang sah er damit wie ein Clown aus. Schlechter Geschmack? Selbstironie? Keine Ahnung. Jedenfalls geht er damit in die TOP 10 der schlecht gekleidetsten Sänger ein. Aber das ist nicht das eigentliche. Die Setlist bot keine wirklichen Überraschungen. Ein Mix aus den Songs der beiden ersten Alben und den besseren der Nachfolgejahre. Das kam aber gut. Die Band hatte den richtigen Wumms, was vor allem an der Rückkehr des Original-Bassisten - Ali McMordie - liegt. Auch im Vergleich zu den Vorjahren war angenehmer, dass Jack Burns nicht so viel geschwafelt hat. Wenigstens habe ich es so empfunden. Egal. Der Set hatte etwas Treibendes und keine Durchhänger. Die Band hat routiniert gespielt - und doch wurde der Set nicht einfach abgespult. Das finde ich respektabel: hat die Band doch gerade eine längere England-Tour hinter sich. Auch wenn der Eintrittspreis recht hoch war: die Band bietet dann immerhin auch etwas für das Geld. Ermüdungserscheinungen waren nicht erkennbar und allein wie Ali McMordie über die Bühne tänzelte, zeigt, dass die Band wirklich Bock hatte zu spielen. Das Publikum honorierte das: nicht nur beim Mitsingen. Zeitweise war vor der Bühne einiges los. Und so gingen die 90 Minuten wie im Fluge vorbei. Abgeschlossen wurde der Set durch zwei Stücke des ersten Albums: "Johnny Was" (das Cover von Bob Marley) und der Überhit "Alternative Ulster".  Respekt.


Breakout 



Straw Dogs 



Just Fade Away 



My Dark Places 



Safe As Houses 



Nobody's Hero 



Each Dollar A Bullet (YouTube)
At The Edge 

(YouTube)
Barbed Wire Love 



Guilty As Sin


Gotta Gettaway
When We Were Young
Roots, Radicals, Rockers and Reggae 

Strummerville 



Wasted Life 



Tin Soldiers 



Suspect Device 




Johnny Was 
(Bob Marley) 
(YouTube)
Alternative Ulster (YouTube)

Donnerstag, 30. März 2017

Thalia Zedek Band @ Cologne, Sonic Ballroom (28.3.2017)

Thalia Zedek Band
Die Musik von Thalia Zedek geht ans Herz. Ihre Musik ist schön, grandios, aufwühlend - in jeder Hinsicht wunderbar. Ich werde nie vergessen, wie ich 1992 das erste Mal etwas von ihr hörte, als ich von ihrer damaligen Band "Come" das Debut-Album "Eleven:Eleven" auf den Plattenteller legte. Seitdem habe ich ihren Werdegang verfolgt und bei all den Veröffentlichungen seit dieser Zeit gibt es keinen einzigen Durchhänger. Zuletzt hatte ich das Glück, Thalia Zedek mit ihrer Band vor drei Jahren viermal auf der Frühjahrstour durch Europa zu erleben. Nachdem nun ihr letztes Album "Eve" im letzten Sommer erschienen war, war erst eine Herbsttour in unseren Breiten geplant - doch das zerschlug sich wieder. Und es war - als dann die aktuelle Tour angekündigt wurde - alles andere als sicher, dass die Band auch hier in der Nähe würde spielen können. Glücklicherweise ergab sich aber, dass der Tour-Auftakt im Sonic Ballroom stattfinden konnte: ein idealer Laden sowieso ... und erst Recht für Thalia Zedek. Und immerhin waren um die 30 zahlenden Gäste anwesend... eigentlich lachhaft. Aber die, die da waren, wussten, dass sie etwas ganz Besonderes erleben werden.
Da es für die Band kein Budget einer Plattenfirma für diese Tour gab, konnten der eigentliche Bassist und der Drummer nicht mit nach Europa fliegen. Ersatz waren zwei Musiker aus Berlin, die - wie mir der Keyboarder Mal hinterher erzählte - innerhalb einer knappen Woche 19 Songs lernen mussten. Und das haben sie auch getan. Und auch wenn an der einen oder anderen Stelle hörbar war, dass es noch nicht 100% aufeinander abgestimmt war, so war es dennoch fast perfekt. Daher mein größter Respekt gegenüber diesen beiden Berlinern, die einen fantastischen Job machen. Und ich gehe davon aus, dass je länger die Band auf Tour ist, es nicht erst am Ende genau stimmen wird.
Thalia Zedek hat auf die Setlist das komplette aktuelle Album gepackt - und das war klasse. Denn "Eve" ist wunderschön. Und was soll ich sagen: fast 80 Minuten spielte die Band - ich stand fast direkt vor der Bühne und genoss die "Zeitlose emotionale Ehrlichkeit" - so wie es Carsten Wohlfeld treffend in einem Artikel - hier zu finden - formuliert hat. Bedauerlich ist allein, dass es für mich keine Chance gibt, die Band jetzt auf der Tour noch woanders zu sehen. Dabei ist das Treffen von Mel, dem Keyboarder, oder Michael David Curry, der die Viola spielt, immer sehr nett. Anderseits das Schöne: Thalia Zedek erzählte mir dann, dass sie vorhat mit der Band in diesem Jahr wieder etwas aufzunehmen. Und hoffentlich wird sie dann bald wieder nach Europa kommen.


Afloat
By The Hand
360
Illumination
Walking In Time
You Will Wake
Not Farewell
Northwest Branch
Fell So Hard
Try Again
All I Need
Stars

1926
Walk Away

Sonntag, 26. März 2017

Cyanide Pills & The Vageenas @ Essen, Freakshow (25.3.2017)

Meisterhaft!
Eigentlich hatte ich die Tour der Cyanide Pills schon abgeschrieben. An diesem Samstag konnte ich eigentlich gar nicht in die Freakshow nach Essen fahren. Aber das hatte sich sehr kurzfristig geändert. Paul, der Manager der Band hatte mich freundlicherweise auf die Gästeliste setzen lassen, da ich nicht wusste, ob ich früh genug da sein konnte. Denn es würde voll werden - was es dann auch war! - und so hatte ich die Sicherheit, auch auf jeden Fall ins Venue reinzukommen. Auch wenn ich eigentlich ziemlich platt war, wollte ich mir nun gerade dieses Konzert nicht entgehen lassen. Gehören doch die Cyanide Pills zu meinen absoluten Lieblingsbands. Ich wiederhole mich sicherlich, was mir aber egal ist: diese Band aus Leeds ist nicht nur für mich eine der besten Punkbands, die aktuell existieren. Das jetzt frisch herausgekommene Album "Sliced & Diced" ist ein durch und durch fantastisches Album: Hit folgt auf Hit. Da gibt es keinen einzigen Aussetzer. Auch wenn das Jahr noch frisch ist, ist es jetzt schon für mich das Album des Jahres. Ein absolutes Meisterwerk.
Die Freakshow - ein wunderbarer Laden - füllte sich also sehr schnell und es war fast schon unangenehm voll. Aber das zählte weniger: es waren viele nette Menschen da, so dass auch dieses Konzert viele nette Gespräche mit sich brachte.
The Vageenas
Eröffnet wurde dann der Abend von "The Vageenas". Und das war unterhaltsam. Musikalisch liebäugelten die Vageenas deutlich mit dem amrikanischen Hardcore und die quirrlige Sängerin erinnerte mich - wenn ich die Augen schloss - von der Art des Singens an den Sänger von SNFU. Jedenfalls nutze sie mittels eines sehr langen Mikrokabels die gesamte Freakshow als Bühne. 45 Minuten spielte die Band und ich muss sagen, dass das schon sehr gelungen war.
Dann nach einer relativ kurzen Umbaupause erklang als Intro "Vivaldi" und die Cyanide Pills legten einen wunderbaren Set hin. Ich stand recht weit vorne - direkt vor dem "Bühnenmaul" - und ich war nicht der Einzige, der Stück für Stück mitsang. Es war eine gelungene Mischung aus bewährten Songs und denen des neuen Albums. Einige davon - wie z.B. "Stop & Search", "Government" oder "I don't remember" - waren schon länger im Programm: dazu gesellten sich Songs wie "Razorblade", "Alone Tonight" oder "No Strings Attached". Auch wenn die Band im Endeffekt - mit zwei Zugabenblöcken - gar nicht so lang spielte, waren dann doch die gut 50 Minuten die volle Ladung. 50 Minuten, in denen alles "gesagt" war und die einmal mehr unterstrichen, wie genial diese Band nicht nur auf Vinyl/CD, sondern gerade auch live ist. Vitalität, Witz, Virtuosität, Energie garniert mit der Gabe für grandiose Melodien/Songs: was will man mehr? Ich habe selten eine Band erlebt, wo alles so genau stimmt und auch zusammenpasst. Merkwürdig ist allein, dass diese Band nicht viel bekannter ist. Natürlich ist es toll, diese Band auch jetzt noch in so überschaubaren Läden wie der Freakshow sehen zu können. Aber ich würde es dieser Band mehr als gönnen, dass sie mal richtig durchstarten können. Die Cyanide Pills sind eine Klasse für sich. Und so fuhr ich nach dem Konzert erschöpft und zugleich zufrieden nach Hause.


Das war die Setlist:

No Strings Attached
Break It Up
Can't Get It Up
Formica
Dance With You
Making Her Mind Up
Mail Order Bride
Johnny Thunders Lived In Leeds
Government
Cheap'N'Nasty
Still Bored
Swallow
Razorblade
Stop & Search
Apathy
Only You
Up Against The Wall
Earthlings
Suicide Bomber

I Don't Remember
Alone Tonight
Where Did It Go
Black Lightning

Repeat Offender
Non-Believer

Samstag, 25. März 2017

Department S & Come On, Wolfgang @ Cologne, Sonic Ballroom (23.3.2017)

Department S
Ich werde nie vergessen, wie mir mein Freund Joost 1981/82 die 12 Inch von "Going Left Right" vorspielte. Damals war dieser Song wie auch "Is Vic There?" einer der großen Hits. Fantastische Songs. Leider gab es dann lange nichts mehr von dieser tollen Band zu hören. Erst in den 90ern erschien quasi posthum eine Compilation auf CD: das nie vollendete erste Album oder Teile davon und eben alle Single Tracks. Und guckt man sich die aktuelle Besetzung von Department S an, ist auch keines der Gründungsmitglieder mehr dabei. Der Sänger verstarb in den 80ern als eines der Aids-Opfer. Und trotz der fehlenden Mitglieder der allerersten Stunde gibt es noch die Band. Was auf den ersten Blick komisch daherkommt, ist unter dem Strich gar nicht so schlecht...mehr noch: ziemlich cool. Ich hatte die Band schon 2010 live gesehen - kurz nach der Wiederbelebung - dann noch einmal vor ein paar Jahren in Blackpool. Und jetzt im Sonic Ballroom. Mittlerweile hat die aktuelle Formation auch eine CD herausgebracht, die wirklich gut ist: "When All Is Said And All Is Done". Gerade das Titelstück ist ein wirklicher Knaller. Wie schon bei den anderen beiden Gelegenheiten spielte die Band als Quartett - d.h. ohne jemanden an den Keyboards. Denn gerade diejenigen, die "Going Left Right" im Ohr haben, werden das schmerzlich vermissen. Wobei dann doch auch dieses Stück "nur mit Gitarre" gar nicht so schlecht rüberkommt. Mag der alte Bandname vermuten lassen, dass es sich bei dem Konzert nur um eine "Coverband"-Sache handeln könnte - eben nur die alten Stücke zu spielen - so war es genau andersrum: eine ganze Reihe der Songs des neuen Albums standen im Vordergrund. Und in diesem Mix war das schon ein wirklich gutes Konzert. Jedenfalls bin ich zufrieden nach Hause gefahren. Erwähnenswert war, dass als Support eine Band ausKöln spielte: "Come On, Wolfgang", die ok waren....was heißen soll: nicht so mein Ding, aber musikalisch versiert und daher anhörbar.

Freitag, 17. März 2017

Godfathers @ Cologne, Sonic Ballroom (15.3.2017)

Godfathers
Die Godfathers sind auch eine dieser Bands, die ich nie wirklich intensiv wahrgenommen habe. Ich wußte, dass die einige ganz gute Stücke haben, aber ich habe mir nie ein Album von denen zugelegt. War es Ignoranz? War ea der Umstand, dass es zu viele andere gab/gibt, die mich mehr interessierten ... oder denen ich schlicht aufgrund der vorhandenen Ressourcen den Vorrang gab? Wie dem auch sei: als ich sah, dass die Band an einem Mittwochabend im Sonic Ballroom spielen sollten, fuhr ich - für meine Verhältnisse - spontan hin. Da ich mir vorher noch ein Ticket via Internet geholt hatte, hatte ich auch Glück: denn der Sonic Ballroom war am Ende komplett ausverkauft. Keine Vorband. Start 21.20 - Ende kurz vor 23.00. 15 Euro. Das war ein guter Deal. Ausschlaggebend für den Konzertbesuch war - das will ich nicht verschweigen - ein trauriger Hintergrund. Alan, einer meiner englischen Freunde, der Ende letzten Jahres verstarb war ein großer Fan dieser Band... wie auch einige andere TUTS. Er trug - vor allem in Blackpool - öfters ein T-Shirt der Band und erzählte immer wieder begeistert von den Konzerten der Godfathers. so hatte der Konzertbesuch auch viel mit Alan zu tun: die Band mal zu sehen, die er so toll fand. Und ich muss gestehen, dass die Godfathers eine wirklich gute Liveband sind. Ich kenne mich mit der Historie von denen zu schlecht aus und ich habe auch keine Ahnung, wer - außer dem Sänger - noch Gründungsmitglied ist. Nur der eine Gitarrist kam mir bekannt vor, da er noch im letzten Jahr mit Duncan Reid auf Tour war. Aber egal. Das Quintett hat wunderbar gespielt. Es war - so schätze ich - so etwas wie eine Best-Of-Setlist mit einigen Stücken vom neuen Album. Und auch die waren gut. So vergingen die über 90 Minuten nicht nur wie im Flug. Ich verließ den Sonic Ballroom mit einem Lächeln und auch mit Wehmut. Mit Alan wäre dieses Konzert noch schöner gewesen.

Montag, 13. März 2017

Family 5 & Rockformation Diskokugel @ Duesseldorf, Haus der Jugend (12.3.2017)

Family 5
Dieses Konzert sollte nicht in der Halle, sondern im Cafe des Haus der Jugend stattfinden. Eigentlich kann ich es nach wie vor nicht fassen, dass das Interesse an dieser Band so bescheiden ist, dass so ein Schritt notwendig ist. Am Ende waren es - inkl. Vorband, Personal und Gästelistenmenschen - vielleicht 60 Personen, die sich an diesem Sonntagabend im Haus der Jugend versammelt hatten. Es ist schon eine Schande. Gleichwohl: die, die da waren, erlebten aber ein fantastisches Konzert.
Es fing schon gut an mit der Darmstädter Band "Rockformation Diskokugel", die einen sehr unterhaltsamen, 45minütigen Set ablieferten. Das Quintett hatte Humor und unterhielt durch einen Genremix, der einfach Spaß machte.
Dann kurz nach 20.00 kamen dann Family 5 auf die Bühne. Mittlerweile hatte sich das Cafe auf Saunatemperatur hochgeheizt - und trotzdem folgten 90 Minuten ein Feuerwerk alter und neuer Songs. Darunter waren auch Coverversionen u.a. von David Bowie, Procul Harum und von The Only Ones. Auch wenn der Rahmen so klein war: die Band nahm es sportlich und spielte grandios: allesamt sehr gute Musiker und Peter Hein als Sänger ist eh eine Klasse für sich. Wunderbarer Abend!

Sonntag, 5. März 2017

Psychotic Youth, Zwackelmann & Nimrods @ Wermelskirchen, AJZ Bahndamm (4.3.2017)

N.I.M.R.O.D.S.
Ich bin mit Jörg nach Wermelskirchen ins AJZ. Ein wunderbarer Laden. War anfangs kaum etwas los, füllte sich dann doch am Ende der Konzertraum so, dass es sich einigermaßen voll anfühlte. Ist es oft so, dass die Supportbands tendenziell schlecht sind und man sie bis zum Hauptact erleiden muss, war es gestern mal ganz anders. Als erste spielten die Nimrods: eine sehr sympathische Band. Drei Leute, wobei höchst auffällig der Bassist ist, der an seinem Bass eben nur eine Saite hat. Die Nimrods spielten einen ca. halbstündigen Set, der von Anfang bis zum Ende hochklassig war und der den musikalischen Vorbildern - den Ramones - alle Ehre machte. Garniert mit einigen Gimmicks: Mini-Pyro am Gitarrenhals... Wunderkerzen, die im Publikum verteilt wurden... ein Affe, der ala Pinhead über die Bühne schlurfte und eine Konfetti-Kanone. Tolle Band - toller Auftritt.

"Wir sind Zwackelman"
Danach kam Zwackelmann mit Band: einem Bassisten und Schlagzeuger. Unter dem Strich gefiel mir das besser als wenn er solo auftritt. Und auch dieser Auftritt war ziemlich gut. Witzige Texte - insgesamt viele tolle Songs. In der B-Note gab es nur für das Gequatsche zwischendurch von Bassmann und Zwackelmann einen leichten Punktabzug.

Nix Youth

Und dann kamen Psychotic Youth. Ich muss nun gestehen, dass diese Band an mir total vorbeigegangen ist. Erst in den letzten Wochen hatte ich mir einigen von denen auf YouTube angehört/angeguckt. Das sind Schweden, die sich irgendwo zwischen Poppunk, Surf und Rockabilly ansiedeln. An sich keine schlechte Mischung. Doch gestern Abend live auf der Bühne? Ich stand da und war ein wenig ratlos. Gut war das nicht...wenigstens nicht in meinen Augen/Ohren. Es war einfach langweilig und irgendwie auch belanglos. Es mag sein, dass diese Band an sich viel besser ist und vielleicht im AJZ einen schlechten Abend hatte. Jedenfalls verließen wir das AJZ beim letzten Lied vor der Zugabe.

Trotzdem war es ein schöner Abend...allein wegen der Nimrods...und natürlich auch wegen einiger netter Menschen, die ich regelmäßig hier und da bei einer Band treffe.

Montag, 27. Februar 2017

Slaughter and the Dogs & The Nopes @ Cologne, Sonic Ballroom (26.2.2017)

Slaughter and the Dogs
Karnevalssonntag nach Köln! Zum Glück ist im Sonic Ballroom quasi Karnevalsfreie Zone gewesen. Wobei es dann doch um 21.00 auf andere Art und Weise närrisch losging: The Nopes spielten mal wieder auf. Ich muss zugeben, dass die anderen Male, wo ich diese Band gesehen habe, kaum begeistert gewesen war. Aber gestern Abend war das wirklich unterirdisch. Lag es an der spürbaren Unlust des Sängers...der an sich noch Qualitäten hat - oder lag es an dem Unvermögen des Schlagzeugers? Ich weiß es nicht. Irgendwie war es nicht nur lustlos und wirklich alles andere als gut. Merkwürdigerweise war dann die "Zugabe" das noch (also relativ gesehen) beste Stück und recht gelungen - obwohl es ein Cover war: R.A.M.O.N.E.S.
Nach einer recht kurzen Umbaupause standen dann "Slaughter and the Dogs" auf der Bühne. Erstaunlich war das auch. Waren doch mehrere Touren immer kurzfristig ganz abgesagt oder wie beim letzten Mal einfach so abgebrochen worden. Ich hatte in den letzten Jahren mehrere merkwürdige Stories über deren Gehabe gehört und gelesen. Irgendwie passte das zu dem Ruf, den diese Band eh hat: tendenziell Kotzbrocken zu sein. Nun - aber irgendwie scheinen sie derzeit Bock zu haben. Und das war gut. 2015 hatte ich sie das erste Mal in Blackpool gesehen und da war der Auftritt ziemlich gut. Damals spielte die Band im Empress Ballroom auf einer riesigen Bühne. Jetzt im kleinen Sonic Ballroom. Ich war schon früh da und bekam die beiden verbliebenen Gründungsmitglieder - Wayne Barrett-McGrath und Mick Rossi - am Merchstand mit. Kommunikativ im Blick auf die Konzertbesucher wäre doch übertrieben - aber unter dem Strich auch nicht unfreundlich. Jedenfalls lag am Merchstand das neue Album der Band, das ernsthaft gut ist. Eine schöne Mischung mit vielen Glamrock-Anteilen - wird doch auch von T.Rex "Get it on" gecovert: Back to the Roots. Und im Vorfeld des Abends hatte ich schon gesehen, dass die Band neben den Klassikern einige der neuen Songs spielen würde. Und so war es auch. Der Sonic Ballroom war nicht ausverkauft - es war aber auch nicht leer. Für mich war es angenehm: so war genug Platz. Und die Band nahm es so wie es war und spielte eine knappe Stunde einen kurzweiligen und wirklich guten Set. Die spielen alle miteinander auf den Punkt. Da waren keine Hänger. Sicherlich: bei dem Backkatalog ist eine knappe Stunde wirklich nicht viel. Aber die Zeit verging wie im Fluge. Als die Zugabe dann beendet war, habe ich mir noch kurz beim Merchstand das neue Album zugelegt und dem Sänger, der gerade hinzukam, "Danke!" gesagt und bin wieder zurück nach Düsseldorf gefahren. Schöner Abend.

Das war die Setlist des Abends:

Trust (All I Want From You)
Who Are the Mystery Girls? (New York Dolls)
The Bitch
Stranded
Boston Babies
Hell in New York
I'm Waiting for My Man (The Velvet Underground)
Trash Talking Queen
I'm Mad
Dame To Blame
Situations
Where Have All the Boot Boys Gone

Get It On (T.Rex)
Cranked Up Really High

Montag, 20. Februar 2017

The Divine Comedy & Lisa O'Neill @ Amsterdam, Paradiso (19.2.2017)

Neil Hannon...ganz groß


Napoleon
Das war ein wunderschöner Tag und Abend. Cor und ich sind zusammen mit Horst mittags in Richtung Amsterdam aufgebrochen. Nach einem Zwischenstop in der Nähe von Utrecht kamen wir kurz vor 18.00 in Amsterdam an. Da ich keine Lust gehabt hatte, irgendwo am Rand von Amsterdam zu parken und dann mit der Tram in die Innenstadt reinzufahren, war ich schon Ende des letzten Jahres fündig geworden. Ganz in der Nähe vom Paradiso gibt es ein Parkhaus, das man vorher online reservieren muss. Es ist eigentlich mehr eine Kombination von zwei mittelgroßen Hallen, wo man den Schlüssel abgibt und dann bei der Rückkehr das Auto vorgefahren bekommt. Nicht ganz billig und trotzdem extrem stressfrei - auch deswegen, weil das Paradiso keine 5 Minuten entfernt ist. Auf dem Weg zum Paradiso kehrten wir dann noch bei einem billigen Italiener ein - Pizza für 5€. Ok - so schmeckte sie dann auch. Kurz vor dem Einlass kamen wir zum Paradiso und standen ziemlich weit vorne. Ich habe dort noch nie ein Konzert gesehen. Das hatte sich einfach nicht ergeben. Merkwürdig - dabei ist das doch einer der legendärsten Läden in Europa. So hatte ich bisher nur Gutes gehört - und ich muss sagen: meine Erwartungen wurden übertroffen. Das Paradiso ist vielleicht das schönste Venue, in dem ich bisher gewesen bin. Und zu meiner großen Überraschung und damit verbundener Freude: es war bestuhlt. Angesichts einer fast dreistündigen Rückfahrt war das genial. Und wir saßen - weil wir mit zu den Ersten gehörten, die reinkamen - in der zweiten Reihe. Besser kann das doch gar nicht sein.

Als Support spielte eine irische Songwriterin - Lisa O'Neill - auf. Zusammen mit einem Gitarristen bot sie einige wunderschöne Songs - und war zwischen durch extrem unterhaltsam. Wo das Gerede zwischen den Songs oft langweilig/aufgesetzt/nervig sein kann, war das bei Lisa O'Neill ganz anders. Vorteil war zudem, dass es dadurch quasi keinen Umbau gab. Fing Lisa O'Neill um 19.30 an - begann dann der Hauptact pünktlich um 20.30 Uhr. Sehr angenehm.
Neil Hannon - der Mastermind von The Divine Comedy - betrat die Bühne im Napoleon Kostüm. Der Typ ist echt witzig. Bisher hatte ich ihn noch nie mit Band gesehen. Zusammen mit Cor sahen wir "The Divine Comedy" 2004 als Trio und 2010 solo in Köln. Nun mit Band. Ohne Streicher - aber mit einem Keyboarder, der auch ausgiebig Akkordeon spielte. Und das gab verschiedenen Songs eine besondere Note. Cool.
Complete Musician
The Divine Comedy/Neil Hannon haben über die Jahre wunderbare Alben rausgebracht. Wie bei so vielen Bands: die ersten Alben sind einfach die besten. Das letzte Album, was mich wirklich von A-Z begeistert hat, war das Album "Absent Friends". Was danach kam, war gut und es gab auch das eine oder andere Juwel. Effektiv konnte nur das letzte Album "Foreverland" wieder an die "alten" Zeiten anknüpfen. Und trotzdem: live ist dNeil Hannon mit oder ohne Band immer eine sichere Hausnummer. Und das bewies auch dieser auftritt im Paradiso.
War Neil Hannon zu Beinn Napoleon, so schlüpfte er nach einigen Songs in die Rolle des Bankers in Anspielung auf das vorherige Album - Bang Goes the Knighthood. Überhaupt war er gut aufgelegt. Witzige Zwischensagen und einige unerwartete Gimmicks: vor dem Song "Funny Peculiar", das er im Duett mit Lisa O'Neill sang - ging er zu einem große Holzglobus, der vorne linke vor den Keyboards stand...auf den ersten Blick als Deko. Der Globus entpuppte sich als Hausbar: Neil Hannon entnahm Getränke...dabei aktvierte er einen kleinen Schallplattenspieler..., drückte die Getränke seinen Musikern und Lisa O'Neill in die Hand und weiter ging es... - mal was anderes. Was nun dieses Konzert so besonders machte war nicht nur Neil Hannon - auch nicht nur seine Band, die hervorragend spielte - auch nicht dieses wunderbare Venue. All das zusammen war schon fantastisch. Was der ganzen Sache die Krone aufsetzte war die bestechende Zusammensetzung der Setlist: die einzelnen Perlen der letzten beiden Alben zusammen mit den anderen Juwelen. Ich muss zugeben, dass ich sehr gehofft habe, dass einige meiner Lieblingssongs auch gespielt werden würden. Dazu gehören neben dem Monstersong "Our Mutual Friend" natürlich "Generation Sex" und "Tonight We Fly", das - wie gewohnt - am Ende kam. Bei "Our Mutual Friend" stieg Neil Hannon von der Bühne und ging durch die ersten Reihe. Bei der Zeile, dass "er" ohnmächtig wurde - das Lied beschreibt, wie jemand über einen Freund ein Frau trifft, sich die ganze Nacht mit ihr unterhält...dann beim ersten Kuss ohnmächtig wird...und dann als er wieder aufwacht am morgen sie mit dem 'mutual friend' im Bett vorfindet - legte sich der Sänger in den Gang und band zum Schluß auch ein junges Pärchen vor uns in der ersten Reihe in die Schlussdramaturgie des Liedes mit ein ... als "er" eben die Frau im Bett des Freundes, der dann nicht mehr der Freund ist, vorfindet. Hochgradig unterhaltsam.

Duett
Horst meinte hinterher, dass er das ganze Konzert ein breites Grinsen im Gesicht hatte - Cor und mir ging es da nicht anders. Als die Band dann nach über 100 Minuten und einer Zugabe aufhörte, konnte man überall nur glückliche Gesichter sehen. Wie schon gesagt: ein wunderbarer Abend.
Und was übrigens noch toll war: da wurde nicht gequatscht - nix...gar nix. Ein Publikum, das einfach nur da war, weil es die Musik hören wollte. Und vielleicht ist der Umstand, dass kein Stimmen-Lärmpegel wie sonst so oft vorhanden war, auch als Indiz dafür zu werten, wie fantastisch diese Band im Paradiso war.
Als wir dann das Venue verließen, waren wir schnell an der Garage. Und kurz vor halb zwei waren wir auch wieder heil zuhause. Nur heute morgen der Wecker um 6.00 war scheisse.

Barkeeper

Sweden
How Can You Leave Me On My Own
When the Lights Go Out All Over Europe
Napoleon Complex
Happy Goth
Your Daddy's Car
Catherine The Great
To The Rescue
The Certainty of Chance
The Complete Banker
Bang Goes the Knighthood
Generation Sex
Our Mutual Friend
Funny Peculiar
A Lady of a Certain Age
Songs Of Love
Something For The Weekend
Becoming More Like Alfie
At the Indie Disco
I Like
National Express

Assume the Perpendicular
A Drinking Song
Tonight We Fly