Sonntag, 26. März 2017

Cyanide Pills & The Vageenas @ Essen, Freakshow (25.3.2017)

Meisterhaft!
Eigentlich hatte ich die Tour der Cyanide Pills schon abgeschrieben. An diesem Samstag konnte ich eigentlich gar nicht in die Freakshow nach Essen fahren. Aber das hatte sich sehr kurzfristig geändert. Paul, der Manager der Band hatte mich freundlicherweise auf die Gästeliste setzen lassen, da ich nicht wusste, ob ich früh genug da sein konnte. Denn es würde voll werden - was es dann auch war! - und so hatte ich die Sicherheit, auch auf jeden Fall ins Venue reinzukommen. Auch wenn ich eigentlich ziemlich platt war, wollte ich mir nun gerade dieses Konzert nicht entgehen lassen. Gehören doch die Cyanide Pills zu meinen absoluten Lieblingsbands. Ich wiederhole mich sicherlich, was mir aber egal ist: diese Band aus Leeds ist nicht nur für mich eine der besten Punkbands, die aktuell existieren. Das jetzt frisch herausgekommene Album "Sliced & Diced" ist ein durch und durch fantastisches Album: Hit folgt auf Hit. Da gibt es keinen einzigen Aussetzer. Auch wenn das Jahr noch frisch ist, ist es jetzt schon für mich das Album des Jahres. Ein absolutes Meisterwerk.
Die Freakshow - ein wunderbarer Laden - füllte sich also sehr schnell und es war fast schon unangenehm voll. Aber das zählte weniger: es waren viele nette Menschen da, so dass auch dieses Konzert viele nette Gespräche mit sich brachte.
The Vageenas
Eröffnet wurde dann der Abend von "The Vageenas". Und das war unterhaltsam. Musikalisch liebäugelten die Vageenas deutlich mit dem amrikanischen Hardcore und die quirrlige Sängerin erinnerte mich - wenn ich die Augen schloss - von der Art des Singens an den Sänger von SNFU. Jedenfalls nutze sie mittels eines sehr langen Mikrokabels die gesamte Freakshow als Bühne. 45 Minuten spielte die Band und ich muss sagen, dass das schon sehr gelungen war.
Dann nach einer relativ kurzen Umbaupause erklang als Intro "Vivaldi" und die Cyanide Pills legten einen wunderbaren Set hin. Ich stand recht weit vorne - direkt vor dem "Bühnenmaul" - und ich war nicht der Einzige, der Stück für Stück mitsang. Es war eine gelungene Mischung aus bewährten Songs und denen des neuen Albums. Einige davon - wie z.B. "Stop & Search", "Government" oder "I don't remember" - waren schon länger im Programm: dazu gesellten sich Songs wie "Razorblade", "Alone Tonight" oder "No Strings Attached". Auch wenn die Band im Endeffekt - mit zwei Zugabenblöcken - gar nicht so lang spielte, waren dann doch die gut 50 Minuten die volle Ladung. 50 Minuten, in denen alles "gesagt" war und die einmal mehr unterstrichen, wie genial diese Band nicht nur auf Vinyl/CD, sondern gerade auch live ist. Vitalität, Witz, Virtuosität, Energie garniert mit der Gabe für grandiose Melodien/Songs: was will man mehr? Ich habe selten eine Band erlebt, wo alles so genau stimmt und auch zusammenpasst. Merkwürdig ist allein, dass diese Band nicht viel bekannter ist. Natürlich ist es toll, diese Band auch jetzt noch in so überschaubaren Läden wie der Freakshow sehen zu können. Aber ich würde es dieser Band mehr als gönnen, dass sie mal richtig durchstarten können. Die Cyanide Pills sind eine Klasse für sich. Und so fuhr ich nach dem Konzert erschöpft und zugleich zufrieden nach Hause.


Das war die Setlist:

No Strings Attached
Break It Up
Can't Get It Up
Formica
Dance With You
Making Her Mind Up
Mail Order Bride
Johnny Thunders Lived In Leeds
Government
Cheap'N'Nasty
Still Bored
Swallow
Razorblade
Stop & Search
Apathy
Only You
Up Against The Wall
Earthlings
Suicide Bomber

I Don't Remember
Alone Tonight
Where Did It Go
Black Lightning

Repeat Offender
Non-Believer

Samstag, 25. März 2017

Department S & Come On, Wolfgang @ Cologne, Sonic Ballroom (23.3.2017)

Department S
Ich werde nie vergessen, wie mir mein Freund Joost 1981/82 die 12 Inch von "Going Left Right" vorspielte. Damals war dieser Song wie auch "Is Vic There?" einer der großen Hits. Fantastische Songs. Leider gab es dann lange nichts mehr von dieser tollen Band zu hören. Erst in den 90ern erschien quasi posthum eine Compilation auf CD: das nie vollendete erste Album oder Teile davon und eben alle Single Tracks. Und guckt man sich die aktuelle Besetzung von Department S an, ist auch keines der Gründungsmitglieder mehr dabei. Der Sänger verstarb in den 80ern als eines der Aids-Opfer. Und trotz der fehlenden Mitglieder der allerersten Stunde gibt es noch die Band. Was auf den ersten Blick komisch daherkommt, ist unter dem Strich gar nicht so schlecht...mehr noch: ziemlich cool. Ich hatte die Band schon 2010 live gesehen - kurz nach der Wiederbelebung - dann noch einmal vor ein paar Jahren in Blackpool. Und jetzt im Sonic Ballroom. Mittlerweile hat die aktuelle auch eine CD herausgebracht, die wirklich gut ist: "When All Is Said And All Is Done". Gerade das Titelstück ist ein wirklicher Knaller. Wie schon bei den anderen beiden Gelegenheiten spielte die Band als Quartett - d.h. ohne jemanden an den Keyboards. Denn gerade diejenigen, die "Going Left Right" im Ohr haben, werden das schmerzlich vermissen. Wobei dann doch auch dieses Stück "nur mit Gitarre" gar nicht so schlecht rüberkommt. Mag der alte Bandname vermuten lassen, dass es sich bei dem Konzert nur um eine "Coverband"-Sache handeln könnte - eben nur die alten Stücke zu spielen - so war es genau andersrum: eine ganze Reihe der Songs des neuen Albums standen im Vordergrund. Und in diesem Mix war das schon ein wirklich gutes Konzert. Jedenfalls bin ich zufrieden nach Hause gefahren. Erwähnenswert war, dass als Support eine Band ausKöln spielte: "Come On, Wolfgang", die ok waren....was heißen soll: nicht so mein Ding, aber musikalisch versiert und daher anhörbar.

Freitag, 17. März 2017

Godfathers @ Cologne, Sonic Ballroom (15.3.2017)

Godfathers
Die Godfathers sind auch eine dieser Bands, die ich nie wirklich intensiv wahrgenommen habe. Ich wußte, dass die einige ganz gute Stücke haben, aber ich habe mir nie ein Album von denen zugelegt. War es Ignoranz? War ea der Umstand, dass es zu viele andere gab/gibt, die mich mehr interessierten ... oder denen ich schlicht aufgrund der vorhandenen Ressourcen den Vorrang gab? Wie dem auch sei: als ich sah, dass die Band an einem Mittwochabend im Sonic Ballroom spielen sollten, fuhr ich - für meine Verhältnisse - spontan hin. Da ich mir vorher noch ein Ticket via Internet geholt hatte, hatte ich auch Glück: denn der Sonic Ballroom war am Ende komplett ausverkauft. Keine Vorband. Start 21.20 - Ende kurz vor 23.00. 15 Euro. Das war ein guter Deal. Ausschlaggebend für den Konzertbesuch war - das will ich nicht verschweigen - ein trauriger Hintergrund. Alan, einer meiner englischen Freunde, der Ende letzten Jahres verstarb war ein großer Fan dieser Band... wie auch einige andere TUTS. Er trug - vor allem in Blackpool - öfters ein T-Shirt der Band und erzählte immer wieder begeistert von den Konzerten der Godfathers. so hatte der Konzertbesuch auch viel mit Alan zu tun: die Band mal zu sehen, die er so toll fand. Und ich muss gestehen, dass die Godfathers eine wirklich gute Liveband sind. Ich kenne mich mit der Historie von denen zu schlecht aus und ich habe auch keine Ahnung, wer - außer dem Sänger - noch Gründungsmitglied ist. Nur der eine Gitarrist kam mir bekannt vor, da er noch im letzten Jahr mit Duncan Reid auf Tour war. Aber egal. Das Quintett hat wunderbar gespielt. Es war - so schätze ich - so etwas wie eine Best-Of-Setlist mit einigen Stücken vom neuen Album. Und auch die waren gut. So vergingen die über 90 Minuten nicht nur wie im Flug. Ich verließ den Sonic Ballroom mit einem Lächeln und auch mit Wehmut. Mit Alan wäre dieses Konzert noch schöner gewesen.

Montag, 13. März 2017

Family 5 & Rockformation Diskokugel @ Duesseldorf, Haus der Jugend (12.3.2017)

Family 5
Dieses Konzert sollte nicht in der Halle, sondern im Cafe des Haus der Jugend stattfinden. Eigentlich kann ich es nach wie vor nicht fassen, dass das Interesse an dieser Band so bescheiden ist, dass so ein Schritt notwendig ist. Am Ende waren es - inkl. Vorband, Personal und Gästelistenmenschen - vielleicht 60 Personen, die sich an diesem Sonntagabend im Haus der Jugend versammelt hatten. Es ist schon eine Schande. Gleichwohl: die, die da waren, erlebten aber ein fantastisches Konzert.
Es fing schon gut an mit der Darmstädter Band "Rockformation Diskokugel", die einen sehr unterhaltsamen, 45minütigen Set ablieferten. Das Quintett hatte Humor und unterhielt durch einen Genremix, der einfach Spaß machte.
Dann kurz nach 20.00 kamen dann Family 5 auf die Bühne. Mittlerweile hatte sich das Cafe auf Saunatemperatur hochgeheizt - und trotzdem folgten 90 Minuten ein Feuerwerk alter und neuer Songs. Darunter waren auch Coverversionen u.a. von David Bowie, Procul Harum und von The Only Ones. Auch wenn der Rahmen so klein war: die Band nahm es sportlich und spielte grandios: allesamt sehr gute Musiker und Peter Hein als Sänger ist eh eine Klasse für sich. Wunderbarer Abend!

Sonntag, 5. März 2017

Psychotic Youth, Zwackelmann & Nimrods @ Wermelskirchen, AJZ Bahndamm (4.3.2017)

N.I.M.R.O.D.S.
Ich bin mit Jörg nach Wermelskirchen ins AJZ. Ein wunderbarer Laden. War anfangs kaum etwas los, füllte sich dann doch am Ende der Konzertraum so, dass es sich einigermaßen voll anfühlte. Ist es oft so, dass die Supportbands tendenziell schlecht sind und man sie bis zum Hauptact erleiden muss, war es gestern mal ganz anders. Als erste spielten die Nimrods: eine sehr sympathische Band. Drei Leute, wobei höchst auffällig der Bassist ist, der an seinem Bass eben nur eine Saite hat. Die Nimrods spielten einen ca. halbstündigen Set, der von Anfang bis zum Ende hochklassig war und der den musikalischen Vorbildern - den Ramones - alle Ehre machte. Garniert mit einigen Gimmicks: Mini-Pyro am Gitarrenhals... Wunderkerzen, die im Publikum verteilt wurden... ein Affe, der ala Pinhead über die Bühne schlurfte und eine Konfetti-Kanone. Tolle Band - toller Auftritt.

"Wir sind Zwackelman"
Danach kam Zwackelmann mit Band: einem Bassisten und Schlagzeuger. Unter dem Strich gefiel mir das besser als wenn er solo auftritt. Und auch dieser Auftritt war ziemlich gut. Witzige Texte - insgesamt viele tolle Songs. In der B-Note gab es nur für das Gequatsche zwischendurch von Bassmann und Zwackelmann einen leichten Punktabzug.

Nix Youth

Und dann kamen Psychotic Youth. Ich muss nun gestehen, dass diese Band an mir total vorbeigegangen ist. Erst in den letzten Wochen hatte ich mir einigen von denen auf YouTube angehört/angeguckt. Das sind Schweden, die sich irgendwo zwischen Poppunk, Surf und Rockabilly ansiedeln. An sich keine schlechte Mischung. Doch gestern Abend live auf der Bühne? Ich stand da und war ein wenig ratlos. Gut war das nicht...wenigstens nicht in meinen Augen/Ohren. Es war einfach langweilig und irgendwie auch belanglos. Es mag sein, dass diese Band an sich viel besser ist und vielleicht im AJZ einen schlechten Abend hatte. Jedenfalls verließen wir das AJZ beim letzten Lied vor der Zugabe.

Trotzdem war es ein schöner Abend...allein wegen der Nimrods...und natürlich auch wegen einiger netter Menschen, die ich regelmäßig hier und da bei einer Band treffe.

Montag, 27. Februar 2017

Slaughter and the Dogs & The Nopes @ Cologne, Sonic Ballroom (26.2.2017)

Slaughter and the Dogs
Karnevalssonntag nach Köln! Zum Glück ist im Sonic Ballroom quasi Karnevalsfreie Zone gewesen. Wobei es dann doch um 21.00 auf andere Art und Weise närrisch losging: The Nopes spielten mal wieder auf. Ich muss zugeben, dass die anderen Male, wo ich diese Band gesehen habe, kaum begeistert gewesen war. Aber gestern Abend war das wirklich unterirdisch. Lag es an der spürbaren Unlust des Sängers...der an sich noch Qualitäten hat - oder lag es an dem Unvermögen des Schlagzeugers? Ich weiß es nicht. Irgendwie war es nicht nur lustlos und wirklich alles andere als gut. Merkwürdigerweise war dann die "Zugabe" das noch (also relativ gesehen) beste Stück und recht gelungen - obwohl es ein Cover war: R.A.M.O.N.E.S.
Nach einer recht kurzen Umbaupause standen dann "Slaughter and the Dogs" auf der Bühne. Erstaunlich war das auch. Waren doch mehrere Touren immer kurzfristig ganz abgesagt oder wie beim letzten Mal einfach so abgebrochen worden. Ich hatte in den letzten Jahren mehrere merkwürdige Stories über deren Gehabe gehört und gelesen. Irgendwie passte das zu dem Ruf, den diese Band eh hat: tendenziell Kotzbrocken zu sein. Nun - aber irgendwie scheinen sie derzeit Bock zu haben. Und das war gut. 2015 hatte ich sie das erste Mal in Blackpool gesehen und da war der Auftritt ziemlich gut. Damals spielte die Band im Empress Ballroom auf einer riesigen Bühne. Jetzt im kleinen Sonic Ballroom. Ich war schon früh da und bekam die beiden verbliebenen Gründungsmitglieder - Wayne Barrett-McGrath und Mick Rossi - am Merchstand mit. Kommunikativ im Blick auf die Konzertbesucher wäre doch übertrieben - aber unter dem Strich auch nicht unfreundlich. Jedenfalls lag am Merchstand das neue Album der Band, das ernsthaft gut ist. Eine schöne Mischung mit vielen Glamrock-Anteilen - wird doch auch von T.Rex "Get it on" gecovert: Back to the Roots. Und im Vorfeld des Abends hatte ich schon gesehen, dass die Band neben den Klassikern einige der neuen Songs spielen würde. Und so war es auch. Der Sonic Ballroom war nicht ausverkauft - es war aber auch nicht leer. Für mich war es angenehm: so war genug Platz. Und die Band nahm es so wie es war und spielte eine knappe Stunde einen kurzweiligen und wirklich guten Set. Die spielen alle miteinander auf den Punkt. Da waren keine Hänger. Sicherlich: bei dem Backkatalog ist eine knappe Stunde wirklich nicht viel. Aber die Zeit verging wie im Fluge. Als die Zugabe dann beendet war, habe ich mir noch kurz beim Merchstand das neue Album zugelegt und dem Sänger, der gerade hinzukam, "Danke!" gesagt und bin wieder zurück nach Düsseldorf gefahren. Schöner Abend.

Das war die Setlist des Abends:

Trust (All I Want From You)
Who Are the Mystery Girls? (New York Dolls)
The Bitch
Stranded
Boston Babies
Hell in New York
I'm Waiting for My Man (The Velvet Underground)
Trash Talking Queen
I'm Mad
Dame To Blame
Situations
Where Have All the Boot Boys Gone

Get It On (T.Rex)
Cranked Up Really High

Montag, 20. Februar 2017

The Divine Comedy & Lisa O'Neill @ Amsterdam, Paradiso (19.2.2017)

Neil Hannon...ganz groß


Napoleon
Das war ein wunderschöner Tag und Abend. Cor und ich sind zusammen mit Horst mittags in Richtung Amsterdam aufgebrochen. Nach einem Zwischenstop in der Nähe von Utrecht kamen wir kurz vor 18.00 in Amsterdam an. Da ich keine Lust gehabt hatte, irgendwo am Rand von Amsterdam zu parken und dann mit der Tram in die Innenstadt reinzufahren, war ich schon Ende des letzten Jahres fündig geworden. Ganz in der Nähe vom Paradiso gibt es ein Parkhaus, das man vorher online reservieren muss. Es ist eigentlich mehr eine Kombination von zwei mittelgroßen Hallen, wo man den Schlüssel abgibt und dann bei der Rückkehr das Auto vorgefahren bekommt. Nicht ganz billig und trotzdem extrem stressfrei - auch deswegen, weil das Paradiso keine 5 Minuten entfernt ist. Auf dem Weg zum Paradiso kehrten wir dann noch bei einem billigen Italiener ein - Pizza für 5€. Ok - so schmeckte sie dann auch. Kurz vor dem Einlass kamen wir zum Paradiso und standen ziemlich weit vorne. Ich habe dort noch nie ein Konzert gesehen. Das hatte sich einfach nicht ergeben. Merkwürdig - dabei ist das doch einer der legendärsten Läden in Europa. So hatte ich bisher nur Gutes gehört - und ich muss sagen: meine Erwartungen wurden übertroffen. Das Paradiso ist vielleicht das schönste Venue, in dem ich bisher gewesen bin. Und zu meiner großen Überraschung und damit verbundener Freude: es war bestuhlt. Angesichts einer fast dreistündigen Rückfahrt war das genial. Und wir saßen - weil wir mit zu den Ersten gehörten, die reinkamen - in der zweiten Reihe. Besser kann das doch gar nicht sein.

Als Support spielte eine irische Songwriterin - Lisa O'Neill - auf. Zusammen mit einem Gitarristen bot sie einige wunderschöne Songs - und war zwischen durch extrem unterhaltsam. Wo das Gerede zwischen den Songs oft langweilig/aufgesetzt/nervig sein kann, war das bei Lisa O'Neill ganz anders. Vorteil war zudem, dass es dadurch quasi keinen Umbau gab. Fing Lisa O'Neill um 19.30 an - begann dann der Hauptact pünktlich um 20.30 Uhr. Sehr angenehm.
Neil Hannon - der Mastermind von The Divine Comedy - betrat die Bühne im Napoleon Kostüm. Der Typ ist echt witzig. Bisher hatte ich ihn noch nie mit Band gesehen. Zusammen mit Cor sahen wir "The Divine Comedy" 2004 als Trio und 2010 solo in Köln. Nun mit Band. Ohne Streicher - aber mit einem Keyboarder, der auch ausgiebig Akkordeon spielte. Und das gab verschiedenen Songs eine besondere Note. Cool.
Complete Musician
The Divine Comedy/Neil Hannon haben über die Jahre wunderbare Alben rausgebracht. Wie bei so vielen Bands: die ersten Alben sind einfach die besten. Das letzte Album, was mich wirklich von A-Z begeistert hat, war das Album "Absent Friends". Was danach kam, war gut und es gab auch das eine oder andere Juwel. Effektiv konnte nur das letzte Album "Foreverland" wieder an die "alten" Zeiten anknüpfen. Und trotzdem: live ist dNeil Hannon mit oder ohne Band immer eine sichere Hausnummer. Und das bewies auch dieser auftritt im Paradiso.
War Neil Hannon zu Beinn Napoleon, so schlüpfte er nach einigen Songs in die Rolle des Bankers in Anspielung auf das vorherige Album - Bang Goes the Knighthood. Überhaupt war er gut aufgelegt. Witzige Zwischensagen und einige unerwartete Gimmicks: vor dem Song "Funny Peculiar", das er im Duett mit Lisa O'Neill sang - ging er zu einem große Holzglobus, der vorne linke vor den Keyboards stand...auf den ersten Blick als Deko. Der Globus entpuppte sich als Hausbar: Neil Hannon entnahm Getränke...dabei aktvierte er einen kleinen Schallplattenspieler..., drückte die Getränke seinen Musikern und Lisa O'Neill in die Hand und weiter ging es... - mal was anderes. Was nun dieses Konzert so besonders machte war nicht nur Neil Hannon - auch nicht nur seine Band, die hervorragend spielte - auch nicht dieses wunderbare Venue. All das zusammen war schon fantastisch. Was der ganzen Sache die Krone aufsetzte war die bestechende Zusammensetzung der Setlist: die einzelnen Perlen der letzten beiden Alben zusammen mit den anderen Juwelen. Ich muss zugeben, dass ich sehr gehofft habe, dass einige meiner Lieblingssongs auch gespielt werden würden. Dazu gehören neben dem Monstersong "Our Mutual Friend" natürlich "Generation Sex" und "Tonight We Fly", das - wie gewohnt - am Ende kam. Bei "Our Mutual Friend" stieg Neil Hannon von der Bühne und ging durch die ersten Reihe. Bei der Zeile, dass "er" ohnmächtig wurde - das Lied beschreibt, wie jemand über einen Freund ein Frau trifft, sich die ganze Nacht mit ihr unterhält...dann beim ersten Kuss ohnmächtig wird...und dann als er wieder aufwacht am morgen sie mit dem 'mutual friend' im Bett vorfindet - legte sich der Sänger in den Gang und band zum Schluß auch ein junges Pärchen vor uns in der ersten Reihe in die Schlussdramaturgie des Liedes mit ein ... als "er" eben die Frau im Bett des Freundes, der dann nicht mehr der Freund ist, vorfindet. Hochgradig unterhaltsam.

Duett
Horst meinte hinterher, dass er das ganze Konzert ein breites Grinsen im Gesicht hatte - Cor und mir ging es da nicht anders. Als die Band dann nach über 100 Minuten und einer Zugabe aufhörte, konnte man überall nur glückliche Gesichter sehen. Wie schon gesagt: ein wunderbarer Abend.
Und was übrigens noch toll war: da wurde nicht gequatscht - nix...gar nix. Ein Publikum, das einfach nur da war, weil es die Musik hören wollte. Und vielleicht ist der Umstand, dass kein Stimmen-Lärmpegel wie sonst so oft vorhanden war, auch als Indiz dafür zu werten, wie fantastisch diese Band im Paradiso war.
Als wir dann das Venue verließen, waren wir schnell an der Garage. Und kurz vor halb zwei waren wir auch wieder heil zuhause. Nur heute morgen der Wecker um 6.00 war scheisse.

Barkeeper

Sweden
How Can You Leave Me On My Own
When the Lights Go Out All Over Europe
Napoleon Complex
Happy Goth
Your Daddy's Car
Catherine The Great
To The Rescue
The Certainty of Chance
The Complete Banker
Bang Goes the Knighthood
Generation Sex
Our Mutual Friend
Funny Peculiar
A Lady of a Certain Age
Songs Of Love
Something For The Weekend
Becoming More Like Alfie
At the Indie Disco
I Like
National Express

Assume the Perpendicular
A Drinking Song
Tonight We Fly

Samstag, 18. Februar 2017

UK Subs & TV Smith @ Oberhausen, Kulttempel (17.2.2017)

UK SUBS
Ein Freitagabend. Der Kulttempel in Oberhausen war mir bisher unbekannt. Das Venue war auch gar nicht so leicht zu finden. Effektiv musste man am McDonalds vorbei. Anderseits fand ich aber direkt vor dem Tempel einen Parkplatz. Auch nicht schlecht. Nervig war nur, dass man am Eingang diese doofen Verzehrkärtchen bekam. Diese Form der Bezahlung mag ich gar nicht. Speziell deswegen, weil ich schon öfters in der Vergangenheit mitbekommen habe, wie Leute diese Teile verloren haben und dann die volle Summe bezahlen mussten. Nun denn. Ansonsten ist der Kulttempel ein tolles Venue. Anders als erwartet waren am Ende gar nicht so viele Leute da. Doof für den Veranstalter - gut insofern, als dass es nicht so eng war. So stand ich sowohl bei TV Smith als auch bei den UK Subs direkt vor der Bühne: beste Aussichten. Und das war nett, weil ich so besser sehen konnte als in Münster oder auch in Köln.
Was ließe sich zu dem ergänzen, was ich schon über Münster und Köln geschrieben habe? Grundsätzlich: es war wieder wunderbar. Und: es war von allen drei Konzerten der beste Abend.
Bei TV Smith lag das daran, dass nicht nur VOM mit auf der Bühne war, sondern auch Thomas Schneider. Beim vierten oder fünften Song sprang er auf die Bühne, stöpselte seine Gitarre ein und legte los. Sind TV und Vom eh ein kongeniales Duo, passte sich "Der" Schneider mühelos ein und es folgte ein Set voller Spielfreude. Erstaunlich war das nicht wirklich und dann doch: Tim ist seit einem Monat unterwegs: 6 Auftritte - ein Tag Pause. Und der ehemalige Adverts-Sänger ist über 60. Und trotzdem: er spielt auf als hätte er nicht eine anstrengende Tour im Rücken.
Und das gleiche gilt auch für die UK Subs: Charlie Harper ist über 70!. Und äußerlich sah man denen nichts an...ok: die Stimmen war ein wenig heiser, was bei den Ansagen rauszuhören war...und Charlie Harpers Knie war wohl leicht lädiert...was er sagte...aber was eben nicht zu merken war. Speziell bei den UK Subs war die Band in Oberhausen wie ein gutgeölter Motor, der zu Hochform auflief. Ich stand direkt vor dem neuen Gitarristen - Stephen Straughan - und fand es einfach toll, dem zuzuschauen. Der spielt schon ziemlich genial - passgenau. Besser geht es vielleicht gar nicht. Und was mir schon in Münster und Köln aufgefallen ist: die habe alle Spaß miteinander. Und das ist eben ein entscheidender Faktor: wenn die Band Spaß hat und harmoniert, dann ist das schon die halbe Miete. Auch wenn die Setlists keine besonderen Neuerungen aufwiesen: ich hätte mir beide im Doppelpack noch einige Mal auf der Tour angeguckt. Langeweile kommt da nicht auf. So hoffe ich, dass im nächsten Jahr wieder eine Neuauflage folgt.

TVOMSCH

Das war die Setlist der UK Subs:
Emotional Blackmail
Kicks
You Don't Belong
Left For Dead
Rockers
Down On The Farm
Endangered Species
Young Criminals
Barbie's Dead
Fear Of Girls
City Of The Dead
I've Got A Gun
Crash Course
Tomorrow's Girls
Teenage
Party In Paris
Police State
Warhead
Riot
Stranglehold
Disease

Limo Life
CID
Keep On Running
New York State Police

Mittwoch, 8. Februar 2017

The King Blues & Karl-Heinz Johnson @ Cologne, MTC (7.2.2017)

The Mighty Mighty King Blues
Eine der schönsten musikalischen Nachrichten Ende 2015: die Wiederauferstehung von "The King Blues". Auch wenn jetzt am Ende nur der Sänger - Johnny "Itch" Fox - übrig geblieben ist: er war und ist der Mastermind dieser Band, die seit der Gründung im Jahr 2004 sehr viele Veränderung der Besetzung erlebt hat. The King Blues ist eine der Bands, die die Gabe haben, nicht nur wunderbare Songs zu schreiben, sondern auch politisch klar Stellung beziehen. Entsprechend wurde auch im November 2015 auf ihrer Facebook-Seite gepostet: "Guess who's back and pissed off again?". Erwartet hatte ich das nicht wirklich. Als die Band 2012 ihre Auflösung Bekanntgabe und dann - quasi posthum - noch das Album "Long Live The Struggle" veröffentlichte, war ich ernsthaft traurig. Die Band war gerade dabei, richtig durchzustarten. Ich hatte sie 2011 zweimal gesehen: in Köln - aufgrund der Erkrankung vom Sänger vielleicht eine der kürzesten Konzerte - und dann als Support der Broilers in Münster. Auch wenn der eine Auftritt extrem kurz war und der andere mit der Ignoranz der Broilers-Fans zu kämpfen hatte: es waren grandiose Auftritte. So wie auch 2008 beim Rebellion Festival als ich diese Band entdeckte. Ich war zwar damals angesichts des Namens skeptisch, doch ein Freund überredete mich, diese tolle Band doch mal anzusehen. Und ich bin ihm heute noch dankbar für den damaligen Tip.

Johnny "Itch" Fox
Und nun spielten "The King Blues" in Köln direkt im Anschluss an ihre England-Tour...in Köln und dann noch in Berlin. Was für ein Glück. Ich war mir nun nicht sicher, was das geben würde. Würde überhaupt noch jemand kommen? Das MTC ist ja eh kein großes Venue. Ich fuhr also nach Köln und nach nerviger Parkplatzsuche kam ich - direkt neben dem Prime Club - an einer Pizzeria vorbei, in der ich mir noch eine Pizza holen wollte und da saß die Band. Das waren netter Anfang. So wie es auch nett war dann vor dem Konzert am Merchstand noch mit dem Sänger ein wenig zu reden.
Eröffnet wurde aber zunächst der Abend durch die Berliner Band "Karl-Heinz Johnson": ein Quartett, das recht kurzweilig - ziemlich 70er Jahre orientiert - ca.eine halbe Stunde spielte. Der Mann am Mischpult sagte vordem Set, dass er die ganz toll fand. Da er älter als ich zu sein scheint, konnte ich das auch hinterher ganz gut einordnen. Wie dem auch sei: es ist schon ganz witzig, dass nicht wenige der neueren Bands auf Altes zurückgreifen.
The Wild Guys
Dann um 22.00 Uhr betrat Johnny "Itch" Fox die Bühne und bot "What If Punk Never Happened" solo. Das ist ein starkes Stück. Und auch wenn die Keyboards fehlten, war es mehr als beeindruckend. Und dann kam die "restliche" Band auf die Bühne und insgesamt 90 Minuten bot sich ein musikalisches Spektakel. War ich zwar am Anfang leicht irritiert, dass eben die Keyboards fehlten, vergaß ich das wieder ganz schnell. Diese Mischung aus alten und ganz neuen Songs war ernsthaft grandios. Diese besondere Mischung aus Punk, Ska, Folk und Hip Hop hat es in sich und es ist immer wieder erstaunlich, wie diese Band - oder wie eben Johnny Fox - solche Stücke auf dem Ärmel schüttelt. Die Hit-Dichte ist bei The KingBlues extrem. Und von den neuen Liedern sind vor allem "Heart Of A Lion"sowie "Bullingdon Boys" fantastisch. Allein "Heart Of A Lion" ist ein "Über-Song". Das neue Album wird im April erscheinen und da freue ich mich schon riesig. Zwischendurch sang Fox dann drei Songs solo nur mit seiner Ukulele bewaffnet und bei der Zugabe wurde dann auch ein Acapella-Stück von der gesamten Band geboten. Die vielleicht insgesamt 80 Menschen im MTC waren also Augenzeugen einer tollen Band, die hoffentlich bald wieder nach Deutschland kommen werden.
Witziger Moment war übrigens, als Fox das Publikum mit "Berlin" zu Beginn des Konzertes ansprach. So musste der Tormanager ihm zuflüstern, dass das hier nicht Berlin sondern Köln sei. Fox wie auch das Publikum nahm das mit Humor und meinte mit einem Lächeln, dass das eben das Problem der Fremdsprache sei und er eben nur den Namen falsch ausgesprochen habe...

Das war die Setlist:
What If Punk Never Happened (Itch solo)
Let's Hang The Landlord
Set The World On Fire
I Want You
Starting Fires
Not Another Love Song
We Ain't Never Done
The Streets Are Ours
Underneath This Lamppost Light (Itch solo)
Out Of Luck (Itch solo)
Poems and Songs (Itch solo)
My Boulder
Heart of a Lion
I Got Love
Headbutt
Tear Us Apart
When the Revolution Comes
Bullingdon Boys
Hold On Tight
Modern Life Has Let Me Down
Mr Music Man
The Future's Not What It Used To Be

If I Had A Coin(Acapella)
Off With Their Heads
Save The World, Get The Girl

Sonntag, 29. Januar 2017

Funny van Dannen @ Duesseldorf, ZAKK (28.1.2017)

Funny Van Dannen
Ich bin ja kein wirklich großer Fan von Funny van Dannen's Alben. Sicherlich viele, viele gute bis hin geniale Lieder. Aber ich kann mir das einfach schlecht zuhause anhören. Für mich persönlich - und das mögen viele andere das ganz anders sehen - ist er in erster Linie jemand, den ich nur live angucken und auch nur so genießen kann.
Im fast ausverkauftem ZAKK trat er nun wieder auf. Ich war mit Cor da, die im Gegensatz zu mir gerade auch die Alben liebt und viele der Lieder zwischendurch rezitieren kann - ganz nach dem Motto, dass es quasi für jede Lebenssituation auch ein Fanny van Dannen Lied gibt.
Kurz nach 20.00 stand er dann auf der Bühne und spielte mit nur einer kurzen Unterbrechung 2 1/2 Stunden. Das war beeindruckend. Das eine oder andere Lied kannte ich (sogar), aber auch die wohl Neuen/Neueren waren durchweg gut bis überragend. Fanny van Dannen hat schon einen markanten, ausgeprägten Humor. Das Absurde ist seine Spezialität. Und besondere Qualität bekommt das dann, wenn er politische Kritik mit reinmischt. Also: live gucke ich mir den gerne immer wieder an. War ein sehr schöner Abend.

Mittwoch, 25. Januar 2017

UK Subs & TV Smith @ Cologne, Underground (24.1.2017)

UK Subs...reloaded
Wenn schon denn schon: zwei Tage nach Münster war ich dann in Köln. Schön ist es gewesen, einige nette Menschen zu treffen. Ich hatte Jürgen im Auto mitgenommen und in der Kneipe des Underground trafen sich dann die verschiedenen "Reisegruppen" - die üblichen Verdächtigen. Für einen Dienstagabend war das schon ziemlich gut. So war auch das Underground am Ende recht gut gefüllt. Da kann man nicht meckern. Anstrengend war allein die Parkplatzsuche: trat doch in der nahe gelegenen "Live Music Hall" irgend so ein Rapper auf, so dass es alles andere als leicht war, in der Nähe des Underground einen Parkplatz zu finden.
Unter dem Strich war fast alles wie in Münster. Die Setlists waren m.E. identisch. Aber das war alles andere als langweilig. Im Gegensatz zu Münster konnte ich von der Seite auf der Heizung stehend und an der Wand lehnend die UK Subs besser betrachten. Da ich nach wie vor aufgrund von "Rücken" nicht ganz entspannt stehen konnte, war es diesmal für mich sehr viel angenehmer als am Sonntag. Die Band hatte den Montag "frei" gehabt - und das merkte man insofern, dass sie sehr frisch daher kamen. Spürbar war die Spielfreude: das Lächeln auf den Gesichtern. Denke ich an letztes Jahr, war das nicht so der Fall. Dabei spielt Steve Straughan - der neue Gitarrist - wohl eine erhebliche Rolle. Allein wie die Band auf der Bühne kommuniziert macht deutlich, dass da die Chemie stimmt - und das wirkt sich dann auch auf ein Konzert aus. Ist Charlie Harper eh ein Phänomen, dass er mit über 70 da noch auf der Bühne rumläuft, wirkte er auch vitaler als noch im letzten Jahr. So scheint die neue Formation auch ihm noch einmal einen Kick gegeben zu haben. Und daher ist dann auch eine Wiederholung nach zwei Tagen alles andere als öde: wenn die Energie stimmt, dann macht es einfach nur Spaß.

TVOM 












Das galt auch für Tim und Vom, die wieder - wie in Münster - als TVOM im wahrsten Sinne ihr Bestes gaben. Als ich ging und mich von Tim verabschiedete meinte er - als er erfuhr, dass ich auch nach Oberhausen im nächsten Monat kommen würde - dass er nicht weiß, ob Vom dann auch da sein würde. Ich sagte nur, dass ich eh wegen ihm da wäre - und so nett ja Vom ist: spielt Tim alleine, dann wird er auch etwas von den neuen Songs spielen. Und das wäre wunderbar.
...by the way: das war TV Smith-Konzert No.70!

Das war die Setlist der UK Subs:

Emotional Blackmail
Kicks
You Don't Belong
Left For Dead
Rockers
Down On The Farm
Hell Is Other People
Barbie's Dead
Police State
Endangered Species
Fear Of Girls
City Of The Dead
I've Got A Gun
Crash Course
Tomorrow's Girls
Teenage
Party In Paris
Warhead
Riot
Stranglehold
Disease

I Couldn't Be You
Keep On Running
CID
New York State Police

Limo Life
I Live In A Car
Bitter & Twisted

Und das war die Setlist von TV Smith:

Only One Flavour
No Time To Be 21
Replay
I Delete
Lion And The Lamb
Expensive Being Poor
Immortal Rich
Open Up Your Heart
Generation Y
Pushed Again
One Day My String Will Snap
Gary Gilmore's Eyes
Bored Teenagers
One Chrod Wonders

Dienstag, 24. Januar 2017

UK Subs & TV Smith @ Muenster, Gleis 22 (22.1.2017)

UK Subs
Als ich in der Kälte vor dem Gleis 22 stand überlegte ich kurz, was denn sein würde, wenn es die UK Subs mal nicht mehr geben würde. Immerhin: die letzten Jahre ist der Januar immer der Monat, in dem die Band hier durch Deutschland tourt. Ein schönes Ritual. Und das zusammen mit TV Smith, der an diesem Abend mit Vom auf der Bühne stehen würde. Ich war schon Mittags mit dem Zug nach Münster gefahren. Später sollte Martin aus München noch kommen, so dass ich mit ihm dann wieder nach Düsseldorf fahren konnte. Also ein perfekter Tag. Gerade auch weil Münster ein schöne Stadt ist. Und vor dem Konzert besuchte ich noch einen dieser hippen Burger-Läden.

TVOM
Im Gleis 22 - der wirklich ein guter Laden ist - traf ich Paul und auch Tim...und auch einige andere bekannte Gesichter. Paul - der Tourmanager - hatte mir schon direkt gesagt, dass es eine "early show" werden würde: Tim mit Vom um 20.00 auf der Bühne und dann um 21.00 die UK Subs. Arbeitnehmerfreundlich - hatten wir doch noch eine längere Rückfahrt vor uns.
Der Vorteil von TVOM ist, dass es immer schön ist. Der Nachteil: neue Songs haben da keine Chance. Das sagte auch Tim. Hatte er noch am Vorabend in Hamburg 5 der neuen Songs gespielt, kam in Münster das Standard-Programm. Ok. Dabei hätte ich gerne noch das eine oder andere neue Stück gehört. Nun gut. Ich rechne sowieso nicht damit, dass dieses Jahr noch ein neues Album herauskommt. Trotzdem: die neuen Songs sind super.
Bei den UK Subs war ich auf Dinge gespannt: vor einigen Tagen hatte ich ein Interview mit Charlie Harper gelesen, in dem er sagte, dass er gerne 2017 das komplette erste Album spielen wolle. Würde die Band das wirklich tun? So sehr ich ja die Band mittlerweile mag: in den letzten Jahren waren die Setlists doch recht ähnlich. Tolle Songs. Ohne Frage. Aber das erste Album wäre schon ein Knaller. Und das andere - viel Wichtigere - war der neue Gitarrist, Steve Straughan. Nachdem ich im letzten das letzte Konzert mit Jet im 100 Club gesehen hatte, wäre der Abend in Münster der Abend des Vergleichs.
Nun: bezüglich des ersten Albums gab es insofern einen Dämpfer als dass es dann doch das gängige Programm mit ein paar Variationen war. Aber das war nicht schlimm: denn der neue Gitarrist ist fantastisch: er spielt dynamischer, bewegt sich ganz anders und passt sich nahtlos in diese Band ein. Das war schon ein Knaller. Hatte Tim mit Vom ca. 45 Minuten gespielt, so blieben die UK Subs sogar über eine Stunde auf der Bühne und ließen sich zu einer zweiten Zugabe bitten. Es hat großen Spaß gemacht. Auch wenn ich Ende dann doch ganz froh war, wieder im Auto sitzen zu können. Ich hatte an diesem Abend noch "Rücken" und dass Stehen war dann doch am Ende mühsam.

Das war die Setlist der UK Subs:

Emotional Blackmail
Kicks
You Don't Belong
Left For Dead
Rockers
Down On The Farm
Hell Is Other People
Barbie's Dead
Bitter & Twisted
Endangered Species
Fear Of Girls
City Of The Dead
I've Got A Gun
Crash Course
Tomorrow's Girls
Teenage
Party In Paris
Warhead
Riot
Stranglehold
Disease

I Couldn't Be You
Keep On Running
C.I.D
New York State Police

Limo Life
I Live In A Car
Police State

Und das war die Setlist von TV Smith:

Only One Flavour
No Time To Be 21
Replay
I Delete
Lion And The Lamb
Expensive Being Poor
Immortal Rich
Open Up Your Heart
Generation Y
Pushed Again
One Day My String Will Snap
Gary Gilmore's Eyes
Bored Teenagers
One Chrod Wonders

Donnerstag, 12. Januar 2017

Sonars @ Duesseldorf, Brause (11.1.2017)

Sonars
Ich kann mich kaum erinnern, in einem kleineren "Venue" ein Konzert erlebt zu haben. "Die Brause" ist ein ehemaliger, kleiner Metzgerladen in Bilk. Das passen eh nicht sehr viel Menschen rein - erst Recht nicht, wenn die Hälfte des Raumes vom Equipment der Band ausgefüllt ist. Ich hatte jedenfalls mehr durch Zufall von diesem Konzert gehört. Die Band "Sonars" - eine Trio aus England und Italien - kannte ich nicht. Doch die Videos, die ich von der Band auf YouTube sah, interessierten mich direkt. Witzig ist, dass die Band gar nicht so in den musikalischen Rahmen passt, in dem ich mich normalerweise bewege: kein Punk oder ähnliches. Die "Sonars" sind anders. Auf ihrer Facebook-Seite findet sich folgende Beschreibung: "Sonars are a three piece Astral-Pop outfit from Brighton (UK) and Bergamo (IT). The band was founded by English brothers Frederick and David Paysden, on guitar and drums respectively, and Serena Oldrati on keyboards. Their retro-futuristic sound draws inspiration from Neo-Psychedelic bands such as Flaming Lips, MGMT and Tame Impala, with a love for Sixties and Seventies rock.". Und diese Beschreibung trifft das ganz gut. Und diese Band klingt gut: hierbei finde ich vor allem die Keyboards betörend. In der Kombination mit der Gitarre und dem Schlagzeug ergibt das insgesamt einen wirklich guten, unterhaltenden Sound. Zudem ist auch der Gesang aller drei Bandmitglieder ziemlich gut. Kurzum: ich war sehr angetan von diesem Abend und von dieser sehr sympathischen Band. Knapp 50 Minuten dauerte das Konzert, das ich nach dem letzten Song verließ, um noch meine Bahn zu erwischen. Und die Brause als Konzertort: klein und gut. "Man" ist eben dann sehr nah dran an der Band. Also das war ein guter Einstieg in das Konzertjahr 2017.

Das war die Setlist:
Intro Song
Can't Get Through
Dragonfly IV
Marbles
Cosmic Trip
Dilruba
Every Time
Lipstick Dinosaur
Flowers In Love
Come On
Desert Moon

Donnerstag, 15. Dezember 2016

Jahresrückblick: TOP Five 2016

Die besten 5 Konzerte 2016
Die Konzert-Saison ist für mich jetzt in diesem Jahr beendet. In diesen 12 Monaten habe ich wieder einmal wunderbare Konzerte erleben können. Eine Auswahl - also eine TOP 5 - zu erstellen, ist wirklich schwierig. Aber das ist meine TOP 5:

1. The Damned @ London, Royal Albert Hall (20.5.2016)
Eine der besten Bands ... in einem unglaublichem Venue ... mit einer riesigen Setlist ... vor einem tollem Publikum ... zudem war ich dort mit Freunden ... traf viele Bekannte ... und hatte einfach Spaß.


2. Louise Distras & Band @ Essen, Anyway (21.11.2016)
Eines dieser Konzerte bei denen ich mit offenem Mund dastand und dauernd dachte, "wie geil denn das jetzt sei...". Louise Distras und DIESE Band: der absolute Hammer!


3. Cyanide Pills @ Wermelskirchen, AJZ Bahndamm (1.10.2016)
Die derzeit nach wie vor beste PUNK-Band! Punkt!


4. Minor Victories @ Düsseldorf, ZAKK (30.10.2016)
Ein Konzert, das ich besonders glücklich und beseelt/erfüllt verließ. Wunderschöne Musik/wunderschöner Gesang.


5. Fehlfarben @ Düsseldorf, ZAKK (10.12.2016)
Die Fehlfarben, die mit diesem Konzert unterstrichen haben, dass sie nicht nur die beste Band mit Düsseldorfer Wurzeln sind.



Die besten 5 Alben

Auch nicht einfach...aber das ist meine Auswahl!

1. UK Subs - Ziezo
Hätte nie gedacht, dass ich jemals ein Album der UK Subs unter die Top 5 nehmen würde. Aber: dieses Album ist wahrlich ein Meisterwerk. Eine späte Liebe zu dieser Band.

2. Nick Cave and the Bad Seeds - Skeleton Tree
Das traurigste und zugleich schönste Album in diesem Jahr.

3. Turbostaat - Abalonia
Diese Band ist für mich eine (späte) Entdeckung: und das ist ein Album, bei dem alles rund ist.

4. Ruts DC - Music Must Destroy
Ungewohnt rockig. Aber große Songs. Ich liebe diese Band!

5. Thalia Zedek Band - Eve
Alles aus der Feder von Thalia Zedek ist "outstanding". Da führt kein Weg dran vorbei.

Sonntag, 11. Dezember 2016

Fehlfarben @ Duesseldorf, ZAKK (10.12.2016)

Fehlfarben
Im ZAKK wurde die Idee geboren, eine Konzertreihe unter dem Titel "Lieblingsplatte" zu organisieren. Eröffnet wurde diese Reihe im ausverkauften ZAKK mit den Fehlfarben und dem Album "Monarchie & Alltag". Dieses Album ist wahrlich eines der ganz großen Alben im letzten Jahrhundert, das in diesem Land veröffentlicht worden ist. Ich erinnere mich noch gut, wie ich es mir damals in Düsseldorf - im RockOn - gekauft habe. 1980 war das. Das Album ist ein wunderbares Statement. Ich habe dieses Album nicht nur damals oft gehört. Über all die vielen Jahren landete es dann später als Digital-Version im CD-Player. Und auch wenn die Band in den letzten Jahren einige der Songs immer auf der Setlist stehen hatten: das ganze Album am Stück zu hören war mehr als reizvoll.
Um 20.30 Uhr hörte man erst einmal gar nichts. Ca. 20 Minuten lang wurden alte Filme vom Ratinger Hof und einigen anderen Lokalitäten gezeigt. Nicht nur die Fehlfarben waren zu sehen, sondern auch einige andere aus dieser Zeit...wie z.B. auch Jürgen Krause. Auch wenn einige aus dem Publikum von Minute zu Minute ungeduldiger wurden, fand ich das gar nicht so schlecht. Wurden doch viele Erinnerungen an den Hof wachgerufen. Das war schon ein genialer Ort auch wenn die Erinnerung an die Sanitäranlagen mir noch heute einen Schauer über die Rücken jagen: da bekam man schon vom Angucken irgendeine heimtückische Geschlechtskrankheit.
Nun dann wurde vom Organisator der Konzertreihe die Band angekündigt. Und - wie von mir erhofft - standen da nicht nur die Bandformation der letzten Zeit, sondern auch der ursprüngliche Gitarrist der Fehlfarben: Thomas Schwebel. Und das war cool. Zuletzt hatte ich ihn mit den damaligen Fehlfarben 1981 am Tag der Deutschen Einheit in der Phillipshallle gesehen. Peter Hein war kurz vorher ausgestiegen und da stand da auf der riesigen Bühne der Rest der Band und lieferte einen nicht wirklich überzeugenden Auftritt ab.
Ganz anders aber im ZAKK: was nun folgte war beeindruckend...begeisternd...einfach toll. "Werkgetreu" - wie Peter Hein danach betonte - wurde das Album vom Anfang bis zum Ende gespielt. Da war der Umstand, dass die Band mit zwei Gitarristen spielte, sehr bereichernd. Eine Woche hatten die Fehlfarben wohl Zeit zum üben. Das hat wohl auch viel Spaß gemacht, so dass dieser Spaß auch spürbar war und sich darin niederschlug, dass - wohl einmalig - dieses so wichtige Album hochgradig vital und erfrischend die Gehörgänge der Zuschauer erfüllte. Besser kann man so etwas nicht machen.
Auch wenn es klar war, dass an diesem Abend - zu einem Eintrittspreis von 34 Euro - noch mehr kommen würde/müsste. Aber hätte die Band danach aufgehört: es wäre ok gewesen.
Als zweiter Set kam dann - wie es Peter Hein so formulierte - der "neuere Scheiß". Und da dominierte vor allem das neuste Album der Band. An den Gesichtern und Kommentaren einiger wurde deutlich, dass nicht alle im Blick auf die Veröffentlichungen der Fehlfarben auf dem neusten Stand waren. Und es gab wohl auch welche, die nach dem ersten Set das ZAKK verließen. Selber schuld. Denn auch dieser Set hatte etwas Besonderes. Und irgendwie schien es so, dass die Band gar nicht mehr aufhören wollte. Sie kamen auch zu einer zweiten Zugabe wie zusammen mit Thomas Schwebel - und dann ganz zum Schluß spielten sie noch von S.Y.P.H. "Industriemädchen" als finales Weihnachtsgeschenk an das Publikum.
Cor und ich waren mehr als zufrieden. Was für ein schönes Konzert zum Ende des Jahres. Wo ich schon langsam angefangen hatte zu überlegen, wie denn für 2016 meine "Top 5" aussehen würde, so ist mir klar, dass dieses Konzert dazugehören wird.


Das war - soweit ich es rekonstruieren kann - die Setlist:

Set 1
Hier und jetzt
Grauschleier
Das sind Geschichten
All That Heaven Allows
Gottseidank nicht in England
Militürk
Apokalypse
Ein Jahr (Es geht voran)
Angst
Das war vor Jahren
Paul ist tot

Set 2
Der Dinge Stand
Stadt Der 1000 Tränen
Platz Da
Politdisko
Urban Innozenz
Wenn Die Welt
Das Komitee
So Hatten Wir Uns Das Nicht Vorgestellt

Dekade 2
WWW

Rein Oder Raus
Club Der Schönen Mütter
Die Wilde 13

Industriemädchen (S.Y.P.H.)

Mittwoch, 7. Dezember 2016

Toy & Half Loon @ Cologne, Blue Shell (6.12.2016)

TOY
Dienstagabend im Dezember. Mit Jürgen bin ich ins Blue Shell nach Köln gefahren. Wir hatten auch schon 2012 und 2014 Toy in Köln gesehen. Nachdem nun das 3. Album der Band herausgekommen war, stand jetzt auch der dritte Konzertbesuch ins Haus.
Als Support spielte eine Band mit Namen "Half Loon". Als ich das Blue Shell betrat waren die gerade beim Soundcheck, der dann aber in den eigentlichen Set überging. Irgendwie war das merkwürdig. Anderseits begann der Support so schon etwas früher mit dem Effekt, dass das dann recht schnell ein Ende hatte. Denn Band war zwar keine Katastrophe...aber gut war das auch nicht. Eben eine dieser Supportbands, die man getrost wieder vergessen kann.
Um 21.40 betraten dann Toy die Bühne. Ca. 70 Menschen inkl. Thekenpersonal war im Blue Shell. Wenig Besucher und im Venue hatte man sich noch nicht einmal die Mühe gegeben, den Billardtisch rauszuschaffen. Er war nur mit einer Plane bedeckt. Schön ist anders. Trotzdem boten Toy ein gutes Konzert. Knapp 80 Minuten spielten sie schwerpunktmäßig Songs vom aktuellen Album. Auch wenn es ein wenig gegenüber den beiden ersten - sehr starken - Longplayern abfällt, finde ich es ziemlich gut. Es ist ruhiger und hat vielleicht auch gerade deshalb seinen eigenen Charme. Durchsetzt war dann die Setlist mit einigen Höhepunkten aus den anderen Alben. Rundum war das gut. Vor allem der Abschluss mit einem der besten Songs vom neuen Album - nämlich: Dream Orchestrator - war mehr als gelungen.
Es wurde - wie auf der ganzen Tour - keine Zugabe gespielt. So verließen wir ziemlich genau um 23.00 das Blue Shell und fuhren wieder nach Düsseldorf. Gute Band!


Das war die Setlist:

Dead & Gone
I'm Still Beliieving
Fall Out Of Love
Clouds That Cover The Sun
Kopter
Fast Silver
Clear Shot
Cinema
Motoring
Another Dimension
Join The Dots
JungleGames
Heart Skips A Beat
Dream Orchestrator

Sonntag, 4. Dezember 2016

Killing Joke @ Cologne, Kantine (3.12.2016)

Killing Joke
Ich hatte Killing Joke 1984 und 1985 in der Bochumer Zeche gesehen. War ich nach dem Debut-Album "damals" zwar von dem Nachfolgealbum ein wenig enttäuscht gewesen, fand ich diese Band in den 80er Jahren fantastisch. Das änderte sich aber als die Bend dann voll auf die Industrial-Schiene abglitt. Mein Freund Jasper fand die auch dann immer noch gut und versuchte mich davon zu überzeugen, aber ich habe da diese Band irgendwie für mich abgeschrieben...und ignoriert. Erst Jahre später wurde ich durch Zufall wieder auf Killing Joke aufmerksam. Ich klickte bei YouTube auf "European Super State" und war verblüfft und begeistert. Von da an war diese Band für mich wieder "Online" - und nicht nur das: ich wagte mich noch einmal an die von mir vorher verschmähten Alben und entdeckte, dass die ihren eigenen Charme und ihre eigene Klasse haben. So war ich mehr als erfreut, dass Killing Joke nach Köln kommen würden.
Martin aus England war auch gekommen - verbunden vorher mit einem Besuch im besten Stadion der Bundesliga! - sowie sein Freund Dirk aus Den Haag und Guenter. Das Konzert fand in der Kantine in Köln statt, die ich vorher noch nicht kannte. Es ist ein angenehmer Laden mit einer guten Parksituation - freundliche Security. Da wir recht spät dran waren, verpassten wir die Vorband. Da ich als erster im Laden drin war, bekam ich noch die letzten 1 1/2 Songs mit und dachte nur, dass unsere späte Ankunft gut gewesen ist. Im Konzertsaal selber traf ich bekannte, freundliche Menschen - es ist einfach immer wieder schön, dass auch andere sind, die so "bekloppt" sind wie ich.
Ziemlich pünktlich - um 22.00 sollte es in der Kantine dann noch einer dieser Parties geben - fingen Killing Joke um 20.30 an. Was direkt auffiel: die Musiker waren bester Laune. Das finde ich bemerkenswert, stand doch Köln bei der Tour ziemlich am Ende. Da war nichts von Müdigkeit o.ä. zu erkennen. Auch wenn die Setlist in Variation die gleiche auf der Tour gewesen ist: da wurde frisch und munter aufgespielt. Sicherlich: der Sound war am Anfang nicht ganz perfekt. Vor allem war die typisch "schneidende" Gitarre zu Beginn nur ansatzweise herauszuhören. Aber diese Setlist beinhaltet fast alles, was wünschenswert gewesen wäre. Ein Mix aus alten und neuen Songs - eine kleine Werkschau auch wenn die Anfangsjahre besonders gewürdigt wurden.
Als dann "Pssyche" als letzter Song vor der Zugabe gespielt wurde, war ich erst einmal irritiert: "Jetzt schon...ist das nicht ein wenig kurz?" - doch dann blickte ich auf die Uhr und sah, dass die schon 70 Minuten gespielt hatten. Will sagen: es war so kurzweilig, so dass ich diesen Umstand nur als Hinweis auf gelungenes Konzert deuten kann.
Da die Band viele Jahre nicht in Deutschland unterwegs gewesen war - außer einem Festivalauftritt vor 2 oder 3 Jahren - war ich also froh, diese Band - sogar in Originalbesetzung - noch einmal live sehen zu können.
Amüsanter Aspekt am Rande: 1976/77 scheinen nicht nur magische Jahreszahlen zu sein. Sie verleiten auch Bands, ein wenig zu schummeln: so wurde am Merchstand ein ganz frisches Live-Album angeboten (was übrigens toll ist)...unter der Überschrift: 40 Jahre Killing Joke. Nun denn: die haben sich aber erst 1978 zusammengetan.

Das war die Setlist des Abends:

S.O.36
Love Like Blood
Eighties
Autonomous Zone
New Cold War
Exorcism
Requiem
Change
Turn to Red
European Super State
I Am the Virus
Complications
Unspeakable
The Wait
Pssyche

Wardance
Pandemonium

Sonntag, 27. November 2016

TV Smith @ Duesseldorf, Pitcher (26.11.2016)

TV
Eigentlich wollte ich gar nicht zu diesem Konzert. Das lag aber am Laden. In letzter Zeit hatte TV immer mit Vom dort gespielt und das hatte wiederum viele Menschen angezogen, die weniger an TV und mehr an Vom Interesse hatten. Nichts gegen Vom. Der ist ein absolut netter Kerl. Und wenn beide zusammen spielen, ist das auch immer wunderbar. Aber TV ist ist eben kein Ableger der Toten Hosen. Zudem ist das Pitcher eh nicht mein Lieblingsvenue. Wie dem auch sei: einige Tage vorher sah ich, dass TV dieses Konzert als Solo-Konzert ausgeschrieben hatte und dass es noch Karten gab. Dann habe ich mich doch noch entschlossen, eine Karte zu kaufen. Als ich dann am Pitcher ankam, sah ich, dass all das aufgebaut war, was sonst bei einem TVOM-Konzert da ist. Und - Überraschung - Vom war doch da. Eigentlich sollte er mit den Hosen im Studio sein. Aber - so wie er es dann sagte - hatte der Produzent Magen-Darm, so dass er frei hatte. Neben Vom war dann auch der Schneider da. Als ein Konzert als Trio.
Nun ist es so, dass TV und Vom und dann auch mit Schneider immer einen relativ klar eingegrenzten Set spielen. Quasi "The Best of...". Das ist schön und gut. Anderseits hatte ich bei der Ankündigung des Solo-Konzertes gehofft, dass TV dann auch mal andere und vor allem neue Songs spielen würde. Im Mai hatte er beim TUTS-Treffen auch schon einige neue Songs gespielt, die super waren. Also daraus würde wohl nichts werden - so dachte ich. Aber TV machte diesmal doch alles ein wenig anders. Zuerst kam er auf die Bühne und spielte - übrigens mit seiner neuen Gitarre - alleine. 6 neue Songs spielte er als "Support" zum Set mit den beiden anderen:

No Control
Keys to the World
No Hope Street
We Stand Alone
Land of the Overdose
Sunny Side Up

Das war schon toll. Und allein Solo - ohne jede andere Instrumente und ohne geschliffene Produktion - klangen alle sechs Stücke wirklich wirklich gut. Ich gespannt, wie die dann später klingen werden. Ich vermute, dass TV 2017 ein neues Album rausbringen wird. Es wäre mal wieder an der Zeit.
Danach folgten noch einmal fünf Songs alleine mit Vom am Cajon:

Only One Flavour
No Time To Be 21
Expensive Being Poor
Immortal Rich
Generation Y
Pushed Again

Und dann kam endlich "Der Schneider" auf die Bühne, der das Trio mit seiner E-Gitarre vervollständigte:


Replay
I Delete
Lion And The Lamb
The Drink
My String Will Snap
Waiting For The Axe To Drop
The Day We Caught The Big Fish
Lord's Prayer
Gary Gilmore's Eyes
Bored Teenagers
One Chord Wonders

It's Warming Up
Good Times Are Back
Runaway Train Driver

Über 90 Minuten dauerte dieses Konzert. Das Pitcher war ausverkauft - die Stimmung war hervorragend - und es war warm.

Aber mich bewegte noch was ganz anderes: Gut, dass ich TV dieses Jahr noch einmal gesehen habe. Auch deshalb weil am Tag zuvor einer der treusten TV Fans aus England - Alan Smith - beerdigt worden war. Auf der Trauerfeier wurden auch zwei von TV's Liedern gespielt. TV kannte Alan gut - ich war mit Alan seit über 10 Jahren gut befreundet. Als ich TV vor der Show sprach, guckten wir uns an und schüttelten beide nur den Kopf über diesen Verlust. Ich verließ - als alles zu Ende war - das Pitcher mit dem Gedanken, dass Alan Spaß an diesem Konzert gehabt hätte. Kein Trost...aber auch kein schlechtes Gefühl.

Donnerstag, 24. November 2016

Louise Distras & Thomas Allan Band @ Cologne, Sonic Ballroom (23.11.2016)

Überwältigend!
Nach dem Konzert im Anyway war mir klar, dass ich diese Band mit Louise Distras unbedingt noch einmal sehen wollte. Da ich aber an diesem Abend kein Auto hatte...und am Morgen erst realisierte und niemand aus Düsseldorf fahren würde, mietete ich mir zum ersten Mal ein Auto von einem dieser Carsharing-Dienste. War ziemlich cool, einmal mit einem BMW zu fahren. Hatte aber an dem Abend nur den Nachteil, dass ich auf der Hinfahrt total im Stau steckte und so war die Miete des Wagens am Ende doch so hoch, dass ich dass nächste Mal wohl besser wieder mit dem ÖVP fahre. Aber - es hat sich aber trotzdem gelohnt.
Thomas Allan Band
Eröffnet wurde der Abend mit der Thomas Allan Band, die wie gewohnt großartig spielte. Auch wenn diesmal nicht die Cover-Version von Kate Bush's Running Up the Hill gespielt wurde, war das ein toller Set. Dieser Kerl hat nicht nur eine gute Band. Er hat wirklich Talent...was er auch weiß. Und ich hoffe, dass er noch viele gute Songs schreiben wird. Und ich denke, dass man diese Band bald nicht mehr als Support sehen kann. Dafür ist dieses Trio viel zu gut.
Dann kam Louise Distras mit ihrer Band. Es ist ja immer ein Risiko nach so einem fantastischen Auftritt, wie ich ihn im Anyway erlebt habe, die gleiche Band noch einmal zu sehen. Kann das noch getopt werden...oder kann wenigstens dieser Eindruck gehalten werden? Definitiv JA. Es war ein ganz anderes Setting. Louise Distras begann ohne Akustik-Set. Vom ersten Akkord an entfachte diese Band auf der Bühne einen Sturm: es war wild. Auf den Punkt genau. Bestens abgestimmt. Anders als im Anyway war auch mehr Bewegungsfreiheit für die vier MusikerInnen. Mehr als im Anyway war spürbar, was für einen Bock die vier haben, miteinander zu spielen. Auch wenn der Set zum großen Teil der gleiche war, zeigte sich im Sonic Ballroom insofern nochmal eine andere Facette: eben dieses Ungestüme...fast so als würden sich alle vier in Rage spielen. Und das Wunderbare bei all dem: dann wieder diese leisen Töne zwischendurch. Ich kann es einfach nicht oft genug betonen: es sind so wunderbare, schöne, fragile und auch wütende Songs, die Louise Distras geschrieben hat.
So war für mich auch dieses Konzert ein Highlight. Der Sonic Ballroom war ganz gut gefüllt, was für einen Mittwochabend ok ist. Und er war auch prominent besetzt: niemand anderes als Bela B. drängelte sich auf einmal in die erste Reihe und hatte sichtlich Spaß an dieser Band.


Dienstag, 22. November 2016

Louise Distras @ Essen, Anyway (21.11.2016)

Amazing Louise Distras & Band
Das Anyway - ich wiederhole mich - ist ein toller Laden. Nicht nur weil dort einfach eine einladende Atmosphäre herrscht - auch weil dort ausgesprochen gute Konzerte stattfinden. Und an diesem Abend war das einer der Höhepunkte, die ich bisher dort erlebt habe. Louise Distras hatte ich dort schon einmal erlebt, als sie solo auf Tour war. Das war damals schon ein sehr starkes Konzert. Nachdem ich sie dann letztes Jahr in Blackpool mit Band gesehen habe, zeigte sich eine weitere Facette ihres Könnens und ihre wunderbaren Lieder hatten noch einmal mehr Schub. Nun stand sie wieder im Anyway - mit Band, die sie recht kurzfristig noch zusammenstellen konnte. Und Louise Distras mit dieser Band hat mich vollkommen begeistert.
Zuerst stand sie da alleine mit ihrer Akustik-Gitarre - quasi als eigener Support. Und dann nach fünf Liedern kamen die anderen Bandmitglieder nach vorne und stiegen ein. War der Solo-Part schon für sich unter die Haut gehend, erlebte ich mit diesen vier Menschen auf der Bühne eine gebündelte Energie, die einfach umwerfend war. Als würde diese Band schon lange zusammenspielen, folgte ein Set, in dem bekannte und teilweise brandneue Songs sich abwechselten. Die Schlagzeugerin hatte genau den richtigen Wumms für diese teils fragilen und dann auch so zornigen Lieder - die Bassistin spielte als wäre sie schon jahrelang dabei - und der zweite Gitarrist ergänzte das Gitarrenspielen von Louise Distras so genial, dass ich nur mit offenem Mund dastand und staunte. Alles garniert mit dem, wodurch Louise Distras so überzeugend ist: jedes einzelne Lied, jeder Ton mit Inbrunst gesungen/gespielt.
Die neuen Lieder waren übrigens sehr, sehr  verheißungsvoll. Daher: Louise Distras versucht gerade, für das zweite Album Geld zusammen. Leider ist das Projekt noch nicht bei 100%: also mitmachen. Das lohnt sich auf jeden Fall!

Ich habe in diesem Jahr schon viele Konzerte gesehen. Und da waren wirklich wunderbare, tolle dabei. Aber gestern war das noch einmal besonders. Irgendwie passte alles. Es gehört jetzt schon zu den TOP 10 für dieses Jahr 2016.
Begeistert, beseelt und mehr als zufrieden verließ dann das Anyway. Hammer!


Sonntag, 13. November 2016

The Lurkers, Duncan Reid and the Big Heads & Kopfecho @ Duesseldorf, Haus der Jugend (12.11.2016)

Hört bitte auf Onkel Arthur!
 Auf diesen Abend hatte ich mich lange gefreut. Was für ein Lineup: Duncan Reid und die Lurkers. Jörg hatte dafür gesorgt, dass ich mit auf die Gästeliste konnte. Das war natürlich fantastisch. Und wir hatten das Glück, weil wir schon sehr früh am Haus der Jugend waren, vor Einblass reinzukommen. So verbrachten wir beide noch einige Zeit Backstage, was natürlich klasse war. Jörg ist ein alter Freund von Arturo - so hat er früher einige Touren der Lurkers organisiert und begleitet. Und Arturo ist sowieso ein netter Kerl. So saßen da viele freundliche Menschen: neben Duncan Reids Band auch die Mannschaft von "The Ones In Charge". Anekdoten über irgendwelche witzigen Vorkommnisse auf Tour wurden ausgetauscht. So war es gut, im Warmen zu sitzen - denn draußen war es ziemlich kalt.
Später traf ich dann noch jede Menge andere Leute. Solche Konzerte haben immer etwas von "Klassentreffen" im besten Sinn.
Eröffnet wurde der Abend von Kopfecho. Technisch gut...aber - sorry - nicht mein Ding. Die Band kam aber gut an und spielte ausgiebig...und überzog die Zeit, was angesichts dessen, dass Konzerte im Haus der Jugend zeitlich nach hinten limitiert sind, eher schwierig ist. Nun denn: die beiden "Hauptbands" haben das irgendwie wieder rausgeholt. Zum Glück!

Duncan Reid and the Big Heads
Duncan Reid ist ein wunderbarer Sänger und Bassist. Seine Auftritte mit den Boys waren immer toll. Und nachdem er die Band verlassen hatte, hat er immerhin schon zwei Alben mit den "Big Heads" herausgebracht. Beide Alben mag ich - und ich hörte, dass nächstes Jahr wohl das Dritte herauskommt. Bisher hatte ich Duncan Reid mit Band nur halbakustisch im Anyway in Essen erlebt. Das war damals ein toller Auftritt. So war ich gespannt, wie es auf größerer Bühne sein würde. Und das war schon umwerfend. Wie bei den Boys springt Duncan Reid auf der Bühne rum. Der muss doch auch schon um die 60 sein - aber davon nichts...gar nichts...zu spüren. Unterstützt wurde er von einer guten Band: zwei Frauen und einem Mann. Schlagzeugerin und Gitarrist sind neu. Geblieben ist von der "Urbesetzung" nur die Gitarristin, die wohl irgendeinen gebrochenen Handknochen trotzdem spielte. Respekt. Der Set war ein tolle Mischung aus den Solo-Songs und Boys-Liedern. 50 Minuten lang hämmerte die Band eine Perle nach der anderen heraus. Und dabei waren auch einige neue Songs, die mehr als verheißungsvoll klingen!

The Lurkers
Danach dann die Lurkers. Arturo hatte ja schon länger verkündet, dass die Band nicht mehr auf Touren gehen würde. Nur noch einzelne Konzerte. In England das klassische Modell: am Wochenende. Wo doch die meisten, die in einer Band spielen eh unter der Woche irgendwelchen Jobs nachgehen. Insofern wird es zukünftig eh eine große Ausnahme sein, diese Band hier im näheren Umkreis noch einmal zu sehen.
Auch wenn Arturo der einzige Original-Lurker ist, spielte die Band so, wie man sich die Originalbesetzung, die ich nie gesehen habe, vorstellen könnte: auf den Punkt. Das war schon klasse, wie alte Songs und neue mit viel Spielfreude und einer ungebrochenen Energie gespielt wurden. Jede Band hat immer auch mal schlechte Tage: gestern hatte die Band einen fantastischen Tag. Besonderheit war, dass die Lurkers "Commando" von den Ramones spielten - und Arturo in diesem Zusammenhang eben auch Jörg - als den Mastermind der Ramones-Fans hierzulande - erwähnte. Das war eine wunderbare Geste. Als das Konzert zu Ende war, war ich auch durch. Der Tag zuvor in Leuven war anstrengend. Ich war erst am späteren Nachmittag wieder in Düsseldorf angekommen und quasi gleich wieder ins Haus der Jugend aufgebrochen. So ging ich vergnügt aber auch müde nach Hause.

Samstag, 12. November 2016

Breaking Barriers Festival @ Leuven, Het Depot (11.11.2016)


Spätestens als ich am Düsseldorfer Hauptbahnhof ankam, wusste ich, dass es der 11.November ist. Jecken ohne Ende. Dagegen dann der Kontrast in Belgien - auf dem Weg nach Leuven: fast alle Geschäfte geschlossen. Feiertag: Erinnerung an den Waffenstillstand im 1.Weltkrieg. Was für ein Kontrast.
Im Het Depot sollten 6 Bands spielen: zwei belgische Bands - Overweight und Funeral Dress - sowie die Membranes, Goldblase, Ruts DC und The Damned. Also ein langer Nachmittag/Abend. Entsprechend habe ich es mir auch geleistet, mit der Bahn/dem Bus nach Belgien zu fahren und dort - 1 Minute vom Venus entfernt - im Hotel zu übernachten. Das war auch gut so: The Damned begannen auch erst um kurz vor Mitternacht. Die Heimfahrt im Auto wäre die Hölle gewesen.
Im Het Depot war ich schon vor einigen Jahren gewesen: TV Smith and the Valentines mit den Untertones. Damals sah das Het Depot noch ziemlich abgerissen aus. Mittlerweile ist es renoviert worden. Guter Laden. Bis - und hier nehme ich mein einziges Ärgernis vorweg - auf den Menschen, der für die Beleuchtung für die Bühne zuständig war. Boah. Selten habe ich so eine Scheisse erlebt. Der hatte im extremen Maße ADHS und noch einiges anderes: der schafften es ernsthaft, "manuell" einen Stroboskop-Effekt hinzubekommen. Allein bei den Damned wurde er vom Bandeigenen Light-Guy abgelöst. Aber das war anstrengend. Und wenn ich schon beim Meckern bin: sowohl in Belgien wie auch in den Niederlanden quatschen die Leute bis zum Abwinken.
Aber ansonsten? Toll.
Ich war schon früh am Venue - wer mich kennt, kennt das. Anfangs sah das echt mau aus. Kaum Leute. Dafür hatte ich die Gelegenheit länger mit John Robb zu reden. John Robb ist der Sänger der Membranes/von Goldblade. Außerdem ist er derjenige, der das Oral-History für den englischen Punk geschrieben hat. Er hat zudem einen eigenen Blog (Louder than War) und meldet sich eigentlich zu allem, was musikalische geschieht, zu Wort. Kluger Mann und auf der Bühne eine Rampensau. Ich hatte ihn schon öfters in Blackpool gesehen und auch gesprochen. War ein sehr nettes Gespräch über das, was alle derzeit umtreibt: Trump und das Gelärm der Populisten/der Rechten weltweit.

Overweight
Als erste Band spielten dann "Overweigt" aus Belgien. Fünf Menschen, die eine nette Form von Skapunk spielten. Unterhaltsam - nicht besonders nachhaltig. Aber als Opener waren die eigentlich ideal. Dumm war nur, dass vielleicht 20 Menschen dem beiwohnten. 17.20 war nicht die Zeit, wo schon viele da waren. Eine gute halbe Stunde spielte die Band und nahm den Umstand des fehlenden Publikums sportlich. Nun denn. Was erwähnenswert ist, dass der Sänger zugleich auch Posaune spielte. Dabei ist der nicht ganz so abgefahren wie der Sänger von Random Hand, der es fertig bringt, zu all dem auch noch wie ein Verrückter rumzuspringen. Aber es ist schon beeindruckend, was für ein Lungenvolumen solche Menschen haben müssen.

John Robb zum Ersten: Membranes
Dann kamen die "Membranes". Auf die war ich sehr gespannt. Das neue Album wird ja hoch gelobt. Und 2015 in Blackpool habe ich sie mir nicht angesehen, weil irgendeine andere Band Priorität hatte. Hatte ich mir bei John Robb dieses Album (Dark Matter/Dark Energy) vorher noch gekauft, saß ich da direkt hinter dem Mischpult und war gespannt. Vor Jahren besaß ich eine CD mit frühen Membranes-Songs. Das hatte mich nicht wirklich vom Hocker gehauen. Doch das, was die Band da aktuell auf die Bühne bringt, ist schon beeindruckend. Ganz anders als Goldblade. Sind Goldblade eher eine klassische Punkband, ist das Label "Postpunk" für die Membranes angebracht...auch wenn dieses Label ja alles und nichts sagt. Gerade dieses aktuelle Album beinhaltet einen Stilmix, bei dem alles Mögliche wiederzuentdecken ist: bis hin zu Krautrockelementen findet sich viel in diesem Sound, der auch etwas Schrammliges hat. Irgendwo las ich, dass sich die Band stilmäßig irgendwie zwischen alle Stühle setzt. So ist es. Und darin sind sie wirklich interessant. Da John Robb bei den Membranes den Bass spielt, agiert er notgedrungen verhaltener. Leider spielten auch die Membranes nur ein wenig mehr als eine halbe Stunde. Da hätte ich mir sehr viel mehr gewünscht. Hoffentlich kommen sie mal auf Tour nach Deutschland. Das hatte John Robb wenigstens angedeutet.

Funeral Dress
Als Drittes spielten "Funeral Dress" aus Belgien. Streetpunk. Eine Band, die aus der Anarchoszene kommt. Nicht schlecht. Und dann doch auch langweilig. Auch im Rückblick: auf die Band hätte ich wirklich verzichten können. Da war nichts eigenes. Einfach nur eine Variation vom Längsbekannten. Hmmmm. Anderseits füllte sich bei der Band erstmals der Saal soweit, dass ich nicht mehr das Gefühl hatte, es wäre kaum jemand da. Das war auch der einzige Wermutstropfen bei den Membranes: es war mehr als 20 - aber keine 50 Menschen, die da zuhörten. Jedenfalls scheinen "Funeral Dress" in Belgien bekannt zu sein. Es waren viele, die die Band abfeierten und ihren Spaß hatten. Vom Äußeren machte übrigens der Sänger der Band den Eindruck als dass er ein großer Fan vom Subhumans/Citizen Fish Sänger ist: ähnlich abgerissen und ein vergleichbarer Stil auf der Bühne. Als Nachtrag: bevor ich in das Venus hineingegangen war, war ich im Cafe neben dem Het Depot gewesen: da war so eine Art Plattenbörse, wo aber nur Menschen aus der linken Szene Tische hatten. Insgesamt scheint die Linke Szene/Anarchoszene in Belgien recht vital zu sein. 95% der Bandnamen - und das waren nicht wenige - hatte ich noch nie gehört. Interessant, was man so alles entdecken kann.

John Robb zum Zweiten: Goldblade
Dann kamen "Goldblade". Diese Band hatte ich schon mehrfach in Blackpool gesehen. Hier lebt John Robb seine Punkrockhormone aus. Wie ein Derwisch springt er über die Bühne und animiert das Publikum nicht nur näher an die Bühne heranzukommen, sondern auch "bei ihm" zu sein. Auch wenn die Setlist - bis auf ein neues Stück - keine Überraschung bereithielt - was ich auch nicht erwartet hatte - war der Auftritt mal wieder sehr gut und unterhaltsam. Sicherlich: in England grölen die Leute vom ersten Ton lautstark mit. Das war jetzt hier nicht oder Fall. Trotzdem wußte John Robb das Publikum zu nehmen. Und als er dann bei "Do you believe in Rock'n'Roll" wieder die Nummer abzog, wie in einem charismatischen Gottesdienst Einzelnen die Hand aufzulegen und ihnen die Frage zu stellen, ob sie den an die Kraft des Rock'n'Roll glauben würden, war deutlich, dass Goldblade auch in Belgien ankommt. Das ist schon spannend: John Robb ist ein sehr guter Schreiber/Journalist, ein guter Redner und eben ein Charsimatiker: quasi ein Prediger.

Ruts DC
Ich merkte nun langsam, dass ich müde wurde. Nicht müde der Musik - sondern müde angesichts eines langen Tages und einer langen Woche. Gut, dass ich meinen Platz hinter dem Mischpult hatte. So konnte ich "Ruts DC" vollkommen genießen. Auch die Band hatte - wie später The Damned - einen eigenen Mischer dabei. Wo das manchmal bei solchen Gelegenheiten in die Hose geht, war das jetzt genau richtig. War vorher der Sound nicht schlecht aber auch nicht wirklich gut, änderte sich das sofort. Der Typ von den Ruts DC an den Reglern hatte ein gutes Händchen.
Ruts DC haben ja jetzt ein neues Album - und das ist gut. Rockiger - aber wirklich gut. Hatte die Band im letzten Jahr schon zwei Stücke des Albums in der Setlist, so nahm das Album "Music Must Destry" jetzt mehr Raum ein. Unter dem Strich war es ein Mix aus alten Ruts-Songs, einem (!) Ruts-DC Lied "Mighty Solider" und eben 5 Titeln des neuen Albums. Und spätestens hier ist zu erkennen, wie sich die Band - ganz positiv - verändert hat. Konnte man bisher nicht ganz den Eindruck abstreifen, dass Ruts DC doch nur eine Band sei, die Altes wieder aufwärmt - und das aber auf höchstem Niveau - so zeigt sich jetzt, was noch so in diesem Trio steckt: der Weg geht weiter. Und gerade dieser Mix aus Altem und Neuem hat etwas ganz Besonderes. Ich hoffe also inständig, dass diese Band im nächsten Jahr wieder nach Deutschland kommt. Das war schon ziemlich gut.

The Damned
Als Grande Finale betraten dann um 23.45 „The Damned“ die Bühne. Eigentlich kann nach dem fantastischem Auftritt in der Royal Albert Hall nichts mehr toppen. Um es vorweg zu nehmen. Dieser Auftritt konnte dem in der RAH nicht das Wasser reichen. Aber wie sollte das auch gehen? Unter dem Strich war es trotzdem grandios. Es ist einfach eine phantastische Band – und in der aktuellen Besetzung eh kaum schlagbar.
Der Auftritt in Leuven stand nun zwischen der gerade abgeschlossenen USA-Tour und der direkt am Tag nach Leuven startenden Tour in England. Dort wurde damit geworben, dass die Band das erste Album komplett spielen würden. Würden sie das auch in Leuven tun? Sicherlich: diese derzeit grassierende Manie, irgendwelche Alben in voller Länge und in Original-Reihenfolge zu spielen, hat (auch) etwas Merkwürdiges...Museales. Gleichfalls kann das auch ganz gut funktionieren. Doch als der Mischer vor mir die Setlist aufs Soundboard legte, war klar: heute nicht. Heute war eher ein Festival-Set angesagt. Immerhin waren es am Ende fast 1 ½ Stunden, die die Band auf der Bühne verbrachten. So waren es die Rosinen, die für das Publikum herausgesucht wurden. Auffällig war dabei (mal wieder), dass einige Alben dabei nicht berücksichtigt wurden: Music For Pleasure, Grave Disorder oder Paranoid. Also ein Best-Of Set. Das war ok.
Der Captain war wieder gut aufgelegt. Dabei eine banale Randbemerkung: relativ zu Beginn ging ich zum Merchstand der Bands und da kam mir Captain Sensible entgegen. Ich hatte ihn bisher immer nur auf der Bühne gesehen... und da sind ja die Proportionen „realtiv“ – will sagen: wenn jemand klein von Statur ist, dann fällt das nicht unbedingt auf. Beim Captain war ich erstaunt, wie groß er ist. Wunder der Optik. Jedenfalls – um auf die gute Laune des Gitarristen zurückzukehren – machte Sensible wieder wunderbare Witze. Und er machte auch welche...wohlwissend, dass da viel Ernst mitverpackt war..., die dann auch leicht im Halse stecken blieben: so widmete er „I Just can’t be happy today“ Hillary Clinton, wobei er vorher anmerkte, wie schlecht diese Kandidatin doch gewesen sein muss, dass sie es nicht geschafft hat, Trump zu verhindern.

Da ich – wie schon gesagt – hinter dem Soundboard saß, hatte ich beste Sicht und konnte in Ruhe die Band beobachten. Kürzlich las ich einen Artikel, der sich mit der Band Ende der 90er befasst hat und in dem angemerkt wurde, wie schlecht The Damned damals oft – viel zu oft – waren. Das lag wohl damals daran, dass der Captain öfters besoffen auf der Bühne stand und dass eben die Rhythm-Section suboptimal war. Bei dem aktuellen Drummer und Bassisten ist es auf jeden Fall so, dass die eine sichere Bank für die Band sind. Sie geben den Rahmen für die anderen: der Captain, der sein grandioses Gitarrenspiel da einbauen kann – für Monty, der seine Keyboards einstreut – und für Dave Vanian, der meines Erachtens wirklich einer der besten Sänger in diesem Genre ist. So zeigen sich The Damned als eine Band, die bestens harmoniert und auch nach 40 Jahre bestens zu unterhalten weiß. Wunderbar.
Gegen 1.30 war ich dann im Hotel. Irgendwann bin ich dann – leicht aufgekratzt – auch eingeschlafen. Zufrieden – auch ziemlich platt.