Samstag, 10. September 2011

Blackpool - Rebellion Festival (4.-7.8.2011): Captain Sensible

Der Captain zivil
"Ich wäre so gerne Syd Barret"
Grande Finale: als ich vor vielen Monaten las, dass Captain Sensible spielen würde, war ich sehr glücklich. Abgesehen davon, The Damned ohne Sensible nicht wirklich funktionieren (1983-1987 ging so - Anfang der 90er war das gruselig), sind seine Solosachen erste Sahne. Ich werde nie das Damned Konzert im Oktober 1982 im Hammersmith Odeon in London vergessen, als Teile der ersten LP hoch und runter gespielt wurden und vielen bewußt wurde, was für ein Pop-Genie der Captain ist. Über die Jahre habe ich versucht, alle Solo-Sachen von ihm zu ergattern. Und bis auf den einen oder anderen Ausrutscher (wie z.B. Meathead...ein Doppelalbum, das eigentlich nur eine gute 10-Inch abgegeben hätte) sind das alles Juwelen. Sensible war nun wirklich das letzte Mal 1996 auf Tour (von der auch das Live Album "Live at the Milkyway" stammt). Die ausgiebige Deutschland-Tour ist vollkommen an mir vorbeigegangen. Es existieren von dieser Tour jede Menge DVDs und man kann sehen, wie wenig Leute z.T. zu den Konzerten gegangen sind. Vollkommen unverständlich! Und nun spielte er in Blackpool.
Man beachte den einen Finger!
Ich war schon ziemlich aufgeregt. Er spielt mit Monty, der ja auch bei den Damned ist, und mit Paul Gray, der ja früher eine ganze Zeit bei den Damned war. Was soll ich sagen: zum einem waren gar nicht so viele Leute im Pavilion. Der war vielleicht zu 2/3 voll. Der Rest war - wenn nicht schon abgereist - bei den Adicts oder bei Jello Biafra. Dadurch war es ziemlich angenehm - eben kein Gedränge. Und so hat dann der Captain zu Beginn auch gesagt, dass er sich bei allen bedanken würde, dass sie eben nicht zu den Adicts gegangen seien.
Vom Set hat zum anderen Captain Sensible meine Erwartungen eigentlich weit übertroffen.
Er spielte alte und neue Stücke - witzigerweise auch zwei Stücke vom letzten Damned-Album, das derzeit wohl gar nicht im Set der Band vorkommt. Einziger Hänger war wenn überhaupt ein Syd Baret Stück, bei dem Sensible und Monty um die Wette dudelten. Aber so ist er eben: seine Vorliebe für die psychdelische Phase der Rockmusik gehört zu ihm wie die rote Mütze.
Und zur Band ist anzumerken, dass die phantastisch ist. Gerade auch Paul Gray ist ein grandioser Bassist. Der selbst mit einer Verletzung des einen Fingers, die er sich bei der Gartenarbeit zugezogen hat, virtuos sein Instrument bearbeitete.
Das war die Setlist:

It's A Sporting Life
Love Policemen
It's Hard To Believe I'm Not
Martha The Mouth
A Nation Fit For Heroes
Brenda
Glad It's All Over
Octupus
Life Goes On
Home
Dark Asteroid
Jet Boy Jet Girl
Do Anything You Wanna Do
Wot
Happy Talk

Neben der musikalischen Darbietung hat Sensible natürlich viel geredet. Wo es bei anderen gewollt oder langweilig bis peinlich ist, hat es bei Sensible immer etwas sehr Lustiges. Und was natürlich auch nicht fehlen darf: der eine oder andere Seitenhieb gegenüber anderen Musikern.
Captain's Band
Obwohl ich eigentlich ziemlich platt war, habe ich dieses Konzert in vollen Zügen genossen. Und die anderen auch. Wunderbar ist es, wenn man sich umschaut, und alle lächeln und sich freuen. Als das die letzte Zugabe - Happy Talk - beendet war, traf ich TV Smith, der dieses Konzert auf den Punkt brachte: dass das doch einwunderbarer Abschluss dieses Festivals gewesen sei. Besser hätte es nicht sein können! Recht hat er. Und das hat TV nicht nur gesagt, weil er mit dem Captain seit alten Adverts-Tagen eng befreundet ist. Captain Sensible ist eine Klasse für sich.

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