Mittwoch, 21. Dezember 2011

Peter Hook and the Light & Minny Pops @ Eindhoven, Effenaar 20.12.2011

Peter Hook and the Light

Mit diesem Konzert verbinden sich verschiedenste Erinnerungen. Ich werde das Jahr 1980 in vielfacher Hinsicht immer mit Joy Division in Verbindung bringen. Etwas eine Woche nachdem Joy Divison im Januar 1980 in Köln gespielt hatte, habe ich davon erfahren. Selbst wenn ich es vorher gewusst hätte: es wäre unrealistisch gewesen. Trotzdem: allein zu wissen, dass es die Band gespielt so in der Nähe hat, schmerzt. Und da ist es auch kein wirklicher Trost, dass das Konzert nicht besonders toll gewesen sein muss. Dann im Juli 1980 London: damals gab es auf der Oxford Street noch den ursprünglichen Virgin Store - nicht zu vergleichen mit diesen grässlichen Megastores, die einem heute jeglichen Konsum madig machen. Der Virgin Store hatte noch etwas von diesem alternativen Flair. Ich verbrachte viel Zeit in diesem Laden. Während meines dreiwöchigen London-Aufenthaltes kam ich täglich an dem Laden vorbei. Und: Closer war da auf Dauerrotation. Es schien in jenen Tagen so als gäbe es nichts anderes. Schließlich Winter 1980. Ich hatte gerade in Bochum mit meinem Studium begonnen. Da entdeckte ich im Mensa-Foyer einen Tisch mit Cassetten-Bootlegs. Und da war ein Tape mit der unveröffentlichten Warsaw-LP und einige rare Tracks (wie z.B. Dead Souls). 15 DM - für damalige Verhältnisse unverschämt teuer. Aber in jeder Hinsicht eine Kostbarkeit. Wie dem auch sei. Joy Division zählen für mich bis heute zu den besten Bands dieser Zeit. Beide Alben - Unknown Pleasures und Closer - sind grandios.
So gut ich nun die frühen New Order Sachen fand: ich habe nie den Weg zu einem Konzert gefunden. Sie haben mich live irgendwie nie so recht gereizt. Dann passierte Folgendes: Peter Hook und Bernhard Summers müssen sich so verkracht haben, dass sie getrennte Wege gingen. Und Peter Hook ging mit einer eigenen Band auf Tour, um das erste Joy Division Album "aufzuführen". Natürlich ist das Retro - aber es ließ mich aufhorchen. Erik war dann auch im Mai in Eindhoven gewesen und hat sich das angeguckt. Und kam mit einem Flyer (als Geburtstagsgeschenk für mich), auf dem stand, dass Peter Hook im Dezember zurückkehren wolle, um Album No. 2 darzubieten. Und das war der 20.12.!

Minipops
Nun kam es so, dass wir fast nicht gefahren wären: der erste Schnee fiel in der Nacht zuvor und ließ die Sorge in uns aufsteigen, dass es glatt werden könnte. Doch glücklicherweise stiegen die Temperaturen und wir fuhren. Das Effenaar ist mittlerweile ein Neubau direkt neben dem alten und abgerissenen Konzertsaal.
Das Publikum war gesetzten Alters. Da das Konzert nicht ausverkauft war, war es nicht zu eng. Aufgrund des Rauchverbotes ist es eh ein Genuß, vor der Bühne zu stehen.
Als Vorband spielten die Minny Pops, eine niederländische Band, die im Januar 1980 - als Joy Division auf ihrer Tour auch im Effenaar spielten - schon als Vorband fungiert hatte. Über 30 Jahre waren sie nunmehr nicht mehr aufgetreten. Im Gegensatz zu Erik fand ich die Band unterhaltsam. 30 Minuten kurzweiliges Rumgeschrammel.

Setlist
Dann - kurz nach 21.00 - kam Peter Hook mit seiner Band (der Bass-Spieler ist sein Sohn) auf die Bühne. Erzählte mir Erik, dass das erste Konzert relativ rockig war, war das jetzt nur noch im Ansatz zu spüren. Hooks Stimme erinnert im hohen Maße an Ian Curtis, so dass es an vielen Stellen gar nicht zu unterscheiden ist. Dazu war da eine Band, die ihre Instrumente wunderbar im Griff hatte. Das war schon alles ziemlich perfekt - im besten Sinne des Wortes. Sicherlich: Peter Hook ist nicht der geborene Sänger. Er ist ein begnadeter Bassist. Da er eh der Proll der Band war, stand er auch entsprechend vor dem Mikro. Aber das hatte alles kein Gewicht. Es hat gepasst.
Und dann kam der Knaller: nachdem die Band sich nach dem Closer-Album kurz zurückgezogen hatte, verkündete Peter Hook, dass sie jetzt den et von 1980 spielen würden. Letztlich haben sie das - wohl wegen der Zeit - nicht ganz einhalten können. Atmosphere und Interzone flogen vom Ende der Setlist. Dafür spielten sie als letzte Zugabe Ceremony von New Order.
So verleißen wir um 23.00 beseelt das Effenaar. Ein wunderbares Konzert. Fast 2 Stunden wunderbare Musik. Was will man mehr?

Kommentare:

  1. Photos:
    http://www.marcosmeets.nl/concert/2011-12-20-21h10-Peter-Hook-and-The-Light/Effenaar-Grote-zaal-Eindhoven-20-december-2011

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  2. das letzte Stück war Ceremony !

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