Samstag, 4. Februar 2012

Nostalgia - Part 206 Summer Madness @ Düsseldorf, ZAKK 29.7.2009

Im Düsseldorfer ZAKK spielten einige Helden des US-amerikanischen Hardcore auf. Sechs Bands: Adolesecents, Dickies, CH3, SNFU, D.O.A. und noch eine deutsche Band. Es war Hochsommer, so dass sehr gut passte. Die Adolsecents waren eine der ersten amerikanischen Hardcore-Bands, die ich neben den Dead Kennedys gehört hatte: ich weiß noch, dass mein Freund Joost Anfang der 80er ein Tape bekommen hatte, aus der einige Stücke der ersten LP drauf waren. The Dickies waren seit "Dawn of the Dickies", die ich im RockOn in Düsseldorf damals "entdeckt" hatte eine Institution. Und "CH3" sowie "SNFU" gehörten zu den Tapes, die mir Mitte der 80er Martin von EA80 immer hat zukommen lassen.
Also: ich war sehr gespannt.
Und es wurde ein Abend der Ernüchterung.
Als ich ins ZAKK kam, sah alles noch verheißungsvoll aus. Die Bands trudelten nach und nach ein und standen dann zum Teil draußen im Biergarten herum. Es war eine entspannte Atmosphäre. Langsam füllte sich auch die Halle, wobei viele lange Zeit eben im Biergarten verweilten. Es war heiß und entsprechend floss auch reichlich Bier.
Dann fing es an.

Zuerst spielten Brat Pack. Die Band war nicht mein Fall und ich ging wieder raus. Da man immer irgendjemanden traf, gab es auch immer einen Anlaß, noch ein Bier zu trinken. Und im Biergarten war es einfach nett.

Dann spielten CH3. Die beiden Alben der Band gehören zu der Variante des Hardcore, die es mir besonders angetan hatten: schnell und melodisch. Die Band bestand aus drei Musikern, die ziemlich aus dem Ei gepellt im ZAKK ankamen. Ich schätze, dass die alle mittlerweile gute Jobs haben und ab und zu Konzerte geben - aber eben nicht zum Lebensunterhalt. Dagegen ist nichts zu sagen. Aber es war augenscheinlich, dass sich diese Band von den anderen unterschied. Und nun ereignete sich auf der Bühne das, was eben die große Gefahr bei diesen Bands ist: sie spielten alles einen Tick zu langsam, so dass es sehr rockig wurde. Und das ist der Todesstoß für jede Hardcore-Band. Mal abgesehen davon, dass der Sound nicht besonders war, war es am Ende ein ziemlicher Rockbrei. Nicht schön.

Dann kamen SNFU: Die Band hing fast die ganze Zeit im Biergarten ab. Der Sänger fiel dadurch auf, dass er - drogenbedingt - nicht nur total krank aussah, sondern dass er dauernd vor die Füße vorbeilaufender Leute rotzte. Auf der Bühne versuchte er die halsbrecherische Show der 80er Jahre nachzuempfinden. Damals hatte das Qualitäten der höheren Akrobatik. Jetzt war es ein eher peinlicher Abklatsch. Und der Sänger versuchte dieses Unvermögen durch sein Gerotze zu kompensieren. Unterm Strich machte das alles andere als Spaß. Sind die ersten beiden Alben von SNFU tolle Scheiben, blitzte davon nichts (mehr) auf. Schade...und ekelig.

Dann wurde alles Bisherige noch von D.O.A. getopt: als ich den Sänger sah, wußte ich schon, was grauen würde. Wie ein prolliger Holzfäller aus Kanada sah der aus und es kam eine ganz üble Fassung von Schweinerock. Selten habe ich so etwas Fieses erlebt. Ich ging wieder in den Biergarten und trank ein paar Bier.

Nach all dem waren die Dickies so etwas wie eine Erlösung. Das Problem der Band ist, dass sie seit Jahren sich 1:1 kopieren: Setlist, Kommentare/Witze etc. - alles ist das Gleiche. Eigentlich ist das nervig, weil alles so vorhersehbar ist. Doch an jenem Abend haben die wenigstens eine saubere Show abgeliefert. Alles andere als neu: aber eben gediegen.

Und dann hatte ich aber zu späterer Stunde ein Problem: zum einem war ich doch sehr genervt. Zum anderen war ich angesichts der warmen Wetters und der vielen Biere vollkommen platt. So entschloss ich mich, nach Hause zu gehen und die letzte Band - die Adolescents - zu verpassen. In dem Moment war das ok, denn ich hatte wirklich genug. Später hörte ich, dass die Adolsecents ok gewesen wären - was immer das heißt.

Es war effektiv eine Summer-Madness...aber im Negativen Sinn.

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