Montag, 13. Februar 2012

Ox Festival @ Solingen, Cobra 11.2.2012

Auf dieses Festival hatte ich mich schon sehr gefreut. Erik und ich fuhren dort hin. Zum Glück gab es im Cobra ein Rauchverbot. Ich war noch ziemlich erkältet, so dass mir vorher vor der Vorstellung graute, im müßte die ganze Zeit in einer verrauchten Halle ausharren. Da wir noch Ralph von Hitsville mitgenommen haben und sowieso nicht so früh hinwollten, waren wir erst gegen 20.30 in Solingen. Es spielte gerade die zweite Band, die dabei war, ihren Set zu beenden. Das bedeutete, dass es für uns an diesem Abend noch drei Bands waren.

Wishbone Ash Coverband
Als erstes sahen wir Jingo De Lunch aus Berlin. Die Band hatte sich vor ein paar Jahren wieder zusammen getan. Ich muß gestehen, dass ich vorher kaum etwas von der Band kannte. Ich wußte nur, dass sie im Hardcore-Bereich einen Namen hatte. Nun ist diese Reunion zu denen zu zählen, die absolut überflüssig gewesen sind. Es war eine krude Mischung aus Hardcore und Hardrock. Die Sängerin ging mir trotz aller politischen Korrektheit dann doch mehr und mehr auf den Nerv. Und komisch - aber eher im negativen Sinne - war der Gitarrist, der in einem Satin-Anzug - den man Mitte der 70er trug - und einer V-Gitarre eher an Wishbone Ash erinnerte als an einen Gitarristen einer Hardcore Band. Entsprechend dudelte der auch vor sich als würde gerade das Veteranentreffen von angestaubten Hardrockoldies stattfinden. In jeder Hinsicht war das alles eher peinlich und beruhigte mich in der Hinsicht, dass ich "damals" bei dieser Band nichts verpasst hatte.

Anleitung zur Selbstverstümmelung
Dann gab es eine Überraschung. Während Jingo De Lunch das Feld räumte und EA80 anfingen, ihre Sachen aufzubauen, wurde ein Tisch auf die Bühne gestellt und Frank Castro alias Papst Pest begann mit einem Soloprogramm. Und das war - wie soll ich es ausdrücken - "eigen". Es war eine Mischung aus Trash und angedeuteter Selbstverstümmelung: er trank eine blaue Flüssigkeit aus einer Flasche "General"-Reiniger, aß eine Single und ein Glas, sprühte sich undefinierbaren Schaum in Nase und (!) After, steckte sein Genital in einen Staubsaugerschlauch und besprühte das selbe mit einer Farbdose. Die Leute in meiner Nähe - ich auch - hatten während dieser Performance unterschiedliche Gesichtsausdrücke: von amüsiert über irritiert bis leicht angewidert. War interessant. Und die einzelnen Mitglieder von EA80 standen in dem Konflikt zwischen hingucken inklusive staunen und dem Konzentrieren, die Stecker richtig zu verkabeln.

Wahre Wire Fans
Dann - nachdem die ganze Schweinerei von der Bühne gewischt war - standen EA80 auf der Bühne. Anders als im ZAKK - Ende November 2011 - war dieser Auftritt ziemlich genial. Eine knappe Stunde spielte die Band und gab ihr Bestes. Und dabei besaß sie in zweierlei Sinne Stil: zum einem verbeugten sie sich auf ihre Art vor dem Headliner: Wire. Als erstes Stück - Martin deklarierte es als Soundcheck - spielten sie ""Ex Lion Tamer" und zum Schluß spielten sie "Heartbeat". Grandiose Versionen zweier großer Wire Songs. Inmitten des Sets "spielten" sie ein Stück anläßlich des Festivals: 100 Ausgaben von Ox. Es war letztlich kein wirklicher Song: die Band zählte auf ihre Art bis 100 - wobei Halts Maul die Zählung leicht verpeilte, in dem er statt bei 71 anzufangen mit 81 fortfuhr. Ansonsten war die Setlist mit neuen und alten Stücken gespickt. Auffallend war, dass Lieder mit Zahlen als Titel vermehrt auftauchten wie z.B. der wunderbare alte Song "20". Wieder im Vergleich zum Düsseldorfer Auftritt stimmte an diesem Abend alles. Und Respekt an Martin, dem Sänger, der wieder alles gab obwohl er erkältungsmäßig total angeschlagen war. Wunderbar.
Da ich gehört hatte, dass alles um 24.00 vorbei sein sollte, bereitete mir der Blick auf die Uhr Sorgen. Es war schon sehr spät. Doch es stellte sich heraus, dass Mitternacht nicht die Grenze war. Zum Glück.

Wire kamen in der gleichen Besetzung wie im Februar 2011 auf die Bühne. Und sie spielten einen außergewöhnlichen Set. Es waren neben einigen Stücken vom letzten Album "Red Barked Tree" viele Stücke vom Anfang bzw. von der unmittelbaren Zeit nach "154" zu hören. Und das war aufregend. Wire ist ja eine Band, die mehrere Phasen hinter sich hat - jede Phase hat ihren eigenen Charme und ich könnte mich nur schwer entscheiden, eine dieser Phasen als die einzig gute hervorzuheben. War es lange Zeit Politik der Band, die alten Sachen eben nicht zu spielen oder eben nur total verfremdet, hat sich das in den letzten paar Jahren geändert. So gehört eine krachige Version von "Pink Flag" schon seit einiger Zeit zum festen Bestandteil als Zugabe. Aber Stücke wie "Witness to the Fact", "Lorries", "Alley in Exile" oder Underwater Experiences" standen - so weit ich weiß - lange nicht mehr auf einer Setlist. Nur bei einem Stück war ich unsicher: musikalisch fing es an als "Question of Degree" hatte aber dann einen ganz anderen Text. Wie dem auch sei: war das Konzert in Köln letztes Jahr grandios, haben Wire das dann noch einmal getopt. Es gab - wenn überhaupt - nur einen Wermutstropfen: im Publikum befand sich älterer Typ, der sich wohl vorgenommen hatte, die Sau rauszulassen und mehrfach Bier auf die Bühne gespritzt hat. So ein Arschloch, dass im Normalalltag Biedermann ist und jetzt mal zeigen wollte, wie toll er ist. Colin Newman war sichtlich angepisst und war eigentlich kurz davor mehr zu machen als eine Schimpftirade abzulassen. Der Typ - peinlich peinlich - fühlte sich gar nicht angesprochen und grinste nur dumm. Aber wie es eben so ist: bei jedem Konzert ein Arschloch!
Trotzdem: es war ein fantastisches Konzert.

Alley in Exile
Another the Letter
The Spare One
Lorries
Please take
Part of our History
Smash
Drill
Clay
Map Ref 41°N 93°W
Boiling Boy
Question of Degree?
Witness to the Fact
Two People in a Room
Underwater Experiences

Pink Flag

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