Sonntag, 29. Juli 2012

Scream it out loud Festival @ Duesseldorf, ZAKK 28.7.2012

Eigentlich wollte ich noch im Urlaub sein. Doch ich war wieder zurück in Düsseldorf. Als ich realisierte, dass an diesem Wochenende im ZAKK dieses Festival stattfinden sollte, hatte ich das große Glück noch auf die Gästeliste zu kommen. Ich wollte unbedingt die Bottrops sehen. Die meisten anderen Bands kannte ich kaum bis gar nicht. Und es war vollkommen klar, dass ich den Hauptact - Wölli und die Band des Jahres - nicht sehen würde: zu sehr saß mir der Auftritt im Haus der Jugend noch im Nacken.

Als ich im ZAKK ankam, war noch nichts los. Nun gut: 15.00 ist auch eine frühe Zeit - doch letztlich war es so, dass auch noch am späteren Abend der Besuch mehr als mau war. Für den Veranstalter war es am Ende sicherlich ein finanzielles Fiasko. Sicherlich war das Lineup zu durchwachsen (für jeden etwas) und es waren zudem kaum Bands da, die wirklich zogen. Wie man nur darauf kommen kann, dass Wölli und seine Band den Magneten abgeben könnte, muss schon sehr verblendet sein. Vielleicht hätte man alles in den Club verlegen und die Halle als Backstage-Bereich nehmen sollen. Nun denn. Jedenfalls gab es viel Platz und es gab das eine oder andere Wiedersehen mit netten Menschen. So fand ich es sehr nett Jacho von den Bottrops mal wieder zu sehen.

Als erstes spielte eine Band aus Neuss: The Tips. Was kann schon Gutes aus Neuss kommen? Trotzdem guckte ich mir den Set an - schon allein deshalb, weil mir die Band leid tat: es befanden sich vielleicht 10 Menschen in der Halle! Wider Erwarten war der Auftritt gut. Die Band war sehr reggaelastig und machte ihre Sache ziemlich gut. Drei Junge Burschen, die es drauf hatten. Die Tips spielten eine halbe Stunde und ich hätte sie mir noch länger angeschaut. So war mir dieser Auftritt eine Lehre: Vorurteile gegenüber Städten werden manchmal Lügen gestraft. Wobei anzumerken ist, dass sie einige Zeit später voll bestätigt wurden. Aber dazu später.

Dann spielte eine Band aus Frankreich: P.O. Box. Sie spielten Ska-Punk. Die Band war gut und trotzdem ist es eine dieser Ska-Punk Bands, die wenig Nachhaltigkeit mit sich bringen. Das Problem ist einfach, dass es kaum etwas gab, wo ich das Gefühl hatte, dass hier etwas Originelles dargeboten wird. Will sagen: dass ist eine Band, die live einen zum Teil hohen Unterhaltungswert haben. So war speziell der Trompeter so gut drauf, dass er durch seine Performance auch jenseits seines musikalischen Einsatzes extrem witzig war und dem ganzen Set eine besondere Note gab. Eine CD würde ich mir aber von der Band nicht kaufen. Effektiv war es dann doch die Ska-Punk-Einheitsbrei. Aber wie dem auch sei: unterhaltsam. Und zu dem Zeitpunkt, als die Zahl der Anwesenden auf gefühlt 15 stieg, hatte ich den Eindruck, dass sich das Festival schon gelohnt hatte.

Dann kamen Pieces of Any aus Neuss. War die erste Band aus dieser grauen Stadt überzeugend, war es Pieces of Any nicht. Sicherlich eine ganz sympathische Band, die aber einen auf Ami-Hardcore der milden Sorte machte und einfach nur langweilte. Hier es ähnlich wie mit Ska-Punk und noch verschärfter: technisch ok aber vollkommen austauschbar und belanglos. Nach der Hälfte des Sets bewegte ich mich daher in den Biergarten des ZAKK und blieb da bis zu nächsten Band.
Interessant - das als Nebenbemerkung - war, mit wieviel Merch die Neusser ankamen. Ich weiß nicht, ob die überhaupt etwas verkauft haben, aber nach der Menge nach zu urteilen, hätten die auch bei Rock am Ring auftreten können.

Strummer-Klon
Nun kamen die Argies aus Argentinien. Ich hatte die Band ein wenig schon im September 2007 im Vorprogramm von TV Smith und den Bored Teenagers gesehen, wobei ich damals die meiste Zeit während ihres Auftrittes mit den anderen Tuts in der Kneipe saß. Die Argies sind eine sympathische Band. Und sie sind auch gut - live. Es ist auch hier so, dass ich mir nie eine CD von denen zulegen würde. Sie haben trotz ihrer Livequalitäten nichts eigenes. Zudem sind sie zu offensichtlich eine Clash-Cover-Band. So starteten sie mit "Should I stay or should I go" (btw einer schwächsten Songs dieser an sich besten Band ever), spielten in der Mitte "I fought The Law" und gaben dann noch zum Ende "Police on my Back" zum Besten. Gut gecovert und der Sänger nahm nicht nur einmal die klassische Strummer-Pose ein. Ich würde mir die Band auch noch einmal angucken. Aber wie schon mein Freund Alan damals - 2007 - sagte: Gut...aber morgen werde ich mich an die eigenen Songs der Band nicht mehr erinnern.... Recht hatte er.

Dann kamen Middle Finger Salute aus Manchester an die Reihe. Ich kannte den Namen der Band, da sie das eine oder andere Mal in Blackpool beim Rebellion Festival gespielt hatten. Sie waren am Vortag im Van nach Düsseldorf gekommen und hatten vor dem Nachhauseweg noch Berlin vor der Brust. Vier junge Kerle, die nicht schlecht waren...aber auch nicht wirklich gut. So sah ich auch hier effektiv nur die Hälfte des Sets und trollte mich dann wieder in den Biergarten. Im Vorfeld hatte ich mit dem Sänger unterhalten. Total nett. Umso enttäuschte war ich, dass ich der Band dann doch nichts abgewinnen konnte. Wo doch Bands aus Manchester meist besonders sind. Aber - so mußte ich lernen - nicht immer.

Nun kam der Auftritt der Bottrops. Ich hatte im Oktober 2006 den allerersten Gig der Band erlebt und war damals schon beeindruckt. Auch jetzt legte die Band einen durch und durch guten Set hin. Die Bottrops haben es einfach drauf: sie machen gute Lieder und gute Texte - und haben einen großen Unterhaltungswert. Für mich war dieser Set der beste des Abends. Nach dem Gig traf ich noch Jacho - kurz aber eben nett. Für die war das Wochenende letztlich auch eine Ochsentour: Festival am Freitag im Süden - dann am Samstag in Düsseldorf und dann am Sonntag zurück nach Berlin. Jacho verabschiedete sich jedenfalls mit dem Ansinnen, jetzt die Gage einzutreiben. Da ich ihn dann nicht mehr sah, hoffe ich nur, dass er sie bekommen hat. Bei der geringen Besucherzahl war die Gefahr sicherlich nicht gering, dass es nichts zum auszahlen gab.

Die Band danach - Buster Shuffle - erlebte ich nur zu Teilen. Jürgen, den ich im ZAKK traf - charakterisierte sie als Madness ohne Ska. Die waren sicherlich nicht übel, aber ich merkte, dass sie dann doch nicht mein Fall waren. Und so bekam ich den Auftritt der Band nur noch vom Biergarten mit. Nette Hintergrundmusik - aber auch nicht mehr. Nach Ende des Sets merkte ich, dass ich kein Geld mehr hatte. Zudem hatte ich auch keine Lust mehr, mir vor Wölli noch zwei Bands anzugucken. Und so verließ ich das ZAKK zu einer sehr zivilen Zeit und hatte dann noch das Glück, direkt eine Bahn zu bekommen.
Alles in allem: ein netter Tag.

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