Sonntag, 19. Mai 2013

Come & Blaudzun @ Offenbach, Hafen 2 18.5.2013

Ich habe lange überlegt, ob ich überhaupt fahren könnte/sollte. Nachdem ich im Februar erfahren habe, dass Come in Originalbesetzung auf Europa-Tour kommen würde, war mir klar, dass ich die Band unbedingt sehen wollte. Come hatte ich 1992 durch eine gute Freundin "entdeckt". 1993 hatte ich die erste Tour komplett verpasst und das einzige Mal, dass ich die Band damals sah war im Mai 1996, nachdem sich die Originalbesetzung aufgelöst hatte. Der Auftritt damals gilt für mich immer noch als eines der besten Konzerte ich bis heute gesehen hatte. Alle Veröffentlichungen von Come sind in meinen Augen überragend, wobei das erste Album "Eleven: Eleven" nach wie vor den Vogel abschießt. Wie dem auch sei: diese Band hat mich musikalisch durch die vielen Jahre begleitet, berührt und fasziniert. Und jetzt sollten sie nach Europa und nach Deutschland kommen. Die erste Euphorie wurde dann aber gedämpft: neben dem ausverkauften Orange Blossom Festival sollten Come dann in Berlin, Karlsruhe und eben Offenbach spielen. Anlaß war die Wiederveröffentlichung des ersten Albums als Deluxe
Version durch Glitterhouse Records, die auch das Orange Blossom Festival ausrichten. Der nächstgelegende Auftrittsort war also Offenbach: 250 km entfernt und: ein Arbeitstag am nächsten Morgen. Ich kaufte mir erst einmal das Ticket in der Sorge, das Konzert könnte schnell ausverkauft sein (was sich als Witz im Nachhinein entpuppte). Dann kam der nächste Dämpfer. Die Hoffnung, Come würden dann so gegen 21.00 spielen und ich könnte noch zu einigermaßen ziviler Zeit nach Hause zurückkommen, zerschlug sich. Ich erfuhr vom Veranstalter einige Tage vor dem 18. Mai, dass die mir bis dahin unbekannte Band Blaudzun zuerst spielen würden, der Beginn von denen für 21.45 angesetzt sei und dass nicht davon auszugehen sei, dass Come vor 23.45 auf der Bühne wären. Schließlich war meine Woche so voll und anstrengend gewesen, dass ich die Karte im Geiste schon zerrissen hatte. Dann aber am Tag selber noch die rettende Idee: ein Hotelzimmer - nach dem Konzert schlafen bis 6.00 und dann im Hellen und nicht total übermüdet auf die Autobahn. Gesagt getan. So saß ich dann - pünktlich zur zweiten Halbzeit der Bundesligakonferenz im Auto und fuhr in die Sonne.

In Offenbach angekommen fuhr ich erst zum Hotel und hatte dann keine 2 Minuten Fußweg zum Hafen 2. Diese Location ist grandios. Mal abgesehen davon, dass es warm war, die Sonne unterging: der Hafen 2 liegt direkt am Main. Es ist eine Mischung aus dem Düsseldorfer ZAKK (nur schöner) und - wer Düsseldorf kennt - aus dem seligen Monkeys Island. Die Halle ist neu - alles ist freundlich. Es war alles perfekt. Bei ein paar Jever (!) und einer Currywurst harrte ich dann im Abendlicht der Dinge, die da kommen sollten.
Was nun zum einem deutlich wurde: es würden nicht viele Leute kommen. Effektiv waren dann zu Beginn der ersten Band keine 100 Leute in der Halle. Das war aber noch gar nicht das Schlimmste. Blaudzun entpuppte sich als eine Band, die ganz und gar nicht zu Come passte. Es erinnerte mich an die 80er Jahre, in denen Rockpalast bei Konzertaufzeichnungen - jenseits der Schmerzgrenze - Bands an einen Abend setzte, die musikalisch und fanmäßig nicht kompatibel waren. So war es auch im Hafen 2. Und: der größte Teil war wegen Blaudzun gekommen und nicht wegen Come. Am Merchstand, der für mich zwei T-Shirts und ein Album von Chris Brokaw bereithielt, wurde das deutlich. Leute kamen und fragten, was denn Come seien und was das für Musik wäre. Wie ich dann von Chris Brokaw erfuhr, war die erste Show in Copenhagen nicht besonders gut besucht gewesen. Es war quasi der Aufwärmgig...aber wenn sich das mit einem geringen Publikumsinteresse fortsetzen würde?
Um 21.50 standen dann Blaudzun auf der Bühne. Jenseits des Umstandes des Inkompatibilität war das keine schlechte Band bzw. kein schlechter Auftritt. Sicherlich: der Sänger sieht wie ein Zausel aus und seine Art zu singen ist irgendwann auch ein wenig nervig. Die holländische Band war aber gut aufgestellt, spielte ziemlich perfekt und kam beim Publikum gut an. Da die kleine Halle eh nicht voll war und ein guter Überblick möglich war, war beim Applaus zu erkennen, wer für Blaudzun und wer für Come anwesend war: letztere standen eher abwartend rum und klatschten wenn überhaupt nur andeutungsweise. Und das waren nicht viele.
Blaudzun spielten dann ca. 70 Minuten und ließen sich auch eine Zugabe nicht nehmen. Dann bauten sie alles ab und Come bauten auf. Und es geschah, was ich befürchtet hatte: die Halle leerte sich und die meisten Leute nutzten die Umbauphase nicht, um draußen frische Luft zu tanken, sondern um nach Hause zu gehen.
Als ich dem Schlagzeuger - Arthur - sagte, dass es sich um eine merkwürdige Kombination von zwei Bands handeln würde, nickte er und lächelte ein wenig gequält. Anderseits war ich nicht der einzige gewesen, der von weiter her nach Offenbach gekommen war. Vielleicht 25 (!) - mehr waren es nicht - warteten und die Band spielte einen Set von fast 80 Minuten, der ausschließlich Material der ersten beiden Alben bzw. der ersten Singles umfasste. Das war absehbar, da ja Schlagzeuger und Bassist der Originalbesetzung 1995 die Band nach den ersten beiden Alben verlassen hatten.
Nachdem mir Arthur auch erzählte, dass die Band verständlicherweise nach so vielen Jahren in Copenhagen ziemlich nervös gewesen war und dass sie eben nicht so viel Spielpraxis hatten, konnte man das auch an der einen oder anderen Stelle leicht merken. Es war nicht so, dass sie sich verspielt hätten. Es war einfach so, dass sie nach den ersten Stücken längere Pausen hatten, um sich wieder zu sortieren. Doch das ergab sich und es folgte ein Set voller Juwelen - und auf so eine energiegeladene Art und Weise gespielt, dass ich am Ende mir gar nicht vorstellen konnte, dass die 18 Jahre nicht mehr zusammen gespielt haben. All die Songs leuchteten so auf, wie sie schon damals geglänzt hatten. Besonders froh war ich über "William": dieses Lied gehört zu meinen Lieblingslieder des ersten Albums. Als alle Lieder, die auf der Setlist standen, gespielt waren, kam die Band dann noch einmal auf die Bühne, was angesichts der Umstände nicht hoch genug zu schätzen ist. und spielt als letztes Lied "Sad Eyes". Das kleine Publikum erlebte eine - auch in anderer Hinsicht - außergewöhnliche Show und man konnte allen ansehen, wie froh sie waren, dabei zu sein.

Submerge
Fast Piss Blues
Dead Molly
The Last Mistake
SVK
String
Bell
William
Brand New Vein
German Song
In/Out
Ordit
Off To One Side

Sad Eyes

Da es in der Halle dann doch sehr warm war, trank ich noch zwei Jever und verabschiedete mich glücklich beim Drummer, Arthur. Nach einem kurzen Fußweg kam ich zum Hotel und fiel ins Bett. Um kurz nach fünf wachte ich auf und machte mich wieder auf und war pünktlich zuhause. Was für ein wunderbarer Tag in Offenbach. Come waren und sind eine großartige Band.

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