Samstag, 21. September 2013

Frank Turner and the Sleeping Souls, Lucero & John Allen @ Cologne, E-Werk 20.9.2013


Es war mal wieder nicht klar, ob ich überhaupt zu diesem Konzert gehen könnte. Am Tag zuvor erst klärte sich mein Terminkalender und so fuhr ich nach Köln ins E-Werk. Nun ist das E-Werk nicht mein liebstes Venue. Ausverkauft eh nicht. Aber was soll es. Ich stand erst recht weit vorne direkt rechts an der Wand. Leider gesellten sich in die Ecke eine Schar von diesen netten Konzertbesuchern, die nicht nur viel quatschten - ganz nach dem Lebensgefühl, allein auf der Welt zu existieren...und auf niemanden Rücksicht nehmen zu müssen - sondern auch meinten, das Rauchverbot ignorieren zu können. Letzteres kann ich noch viel weniger ab als ersteres. Ist es mein Alter? Ist es das Prinzipielle? Ich weiß es nicht. Es geht mir nur tierisch auf den Keks, dass Leute etwas tun, wo sie eben andere in Mitleidenschaft ziehen. Als jedenfalls ein "cooler" Zeitgenosse - je tätowierter, desto cooler - sich anschickte, eine Zigarette anzustecken, klopfte ich ihm auf die Schulter, sagte nur das Wort "Rauchverbot" und verbunden mit einem sicherlich nicht freundlichen Blick meinerseits kuschte er. Wenigstens das.
Passendes Duo
Als erstes kam John Allen - ein Hamburger - auf die Bühne. Nur mit einer Akustik-Gitarre bewaffnet war er eine Überraschung an diesem Abend. Der war gut - sehr gut sogar. Sicherlich: ich habe eine Affinität zu Menschen mit Akustik-Gitarren. Wie aus dem Nichts - ich hatte von ihm vorher noch nie gehört - verstand er es, mich aber auch viele andere in den Bann zu ziehen. Dass er mehr war als nur ein Pausenfüller zeigte sich daran, dass beim vorletzten Stück Frank Turner auf die Bühne kam, um mit ihm ein Stück zu spielen. Hochachtung.
ZZ Top Ableger
Danach kamen Lucero - ein Band aus Memphis. Und die waren - in meinen Ohren - total mies. Zwei von denen hätten als Cousins zweiten Grades von ZZ Top durchgehen können. Südstaatenrock der schlechten Sorte. Da bestimmt das Bewusstsein auch nicht das Design: nur weil man tätowiert ist, bringt das noch gar nichts. Vielleicht ist ja in den Südstaaten diese vollkommen langweilige Variante interessant. Wer weiß. Aber ich konnte diese Band nur zum Anlass nehmen, an der Bar in Ruhe ein Bier zu trinken und ein wenig durch die Katakomben des E-Werks zu wandeln - zu den Toiletten. Interessanterweise spielten Lucero kürzer als John Allen. Das war weise.
Energiebündel
Der Höhepunkt des Abends war natürlich Frank Turner. Damals - 2010 - das Konzert im ZAKK war schon ziemlich gut gewesen. Das im E-Werk sollte auch gut sein. Und Respekt: trotz eines kaputten Rückens hat Frank Turner das Programm durchgezogen. Da die Tour noch bis November geht, möchte ich nicht wissen, wie der dann aussieht. Und rein äußerlich sah man ihm die Beeinträchtigung auch nicht an - abgesehen davon, dass jemand anders seine Gitarre spielte. Zäh und energiegeladen!
Die Setlist ist quasi so etwas wie eine Best Of-Liste. Wunderbare Songs - auch wenn ich den Text von Glory Hallelujah kacke finde. Zudem: Frank Turner ist einer der wenigen, wo das Reden zwischen den Songs nach wie vor einen Unterhaltungswert hat. Das ist auch eine Kunst, die nicht zu unterschätzen ist. Und das Publikum: das ging gut mit und hatte seinen Spaß. Nach dem ich mich dann etwas weiter hinten hingestellt hatte - weg von diesen Vollpfosten vor mir - hatte ich dann auch Spass.

Das war die Setlist:

I Still Believe
Try This at Home
If Ever I Stray
Losing Days
Reasons Not to Be an Idiot
Plain Sailing Weather
Peggy Sang the Blues
The Way I Tend to Be
Wessex Boy
Dan's Song
English Curse
I Knew Prufrock Before He Got Famous
I Am Disappeared
Glory Hallelujah
Polaroid Picture
The Road
Long Live the Queen
Recovery
Broken Piano

Encore:
The Ballad of Me and My Friends
(Piano Version)
Eulogy (In German)
Photosynthesis
Four Simple Words

Und hier ist ein Video von "Recovery":

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