Sonntag, 1. September 2013

Kein Bock auf Nazis Festival @ Düsseldorf, ZAKK 30.8.2013

Die Antifa ist musikalisch gut aufgestellt. Das einmal vorweg. Und: es war ein wundervoller Abend mit durchweg guten bis fantastischen Bands. Es war ein Tag, an dem alles gut zusammenpasste. Die Leute waren freundlich, die Botschaft war klar.
Als erstes spielte eine Band, von der ich noch nie etwas gehört hatte: Weekly Carouse. Ich kann dazu auch nichts sagen, da ich den Auftritt verpasst habe. Nur aus der Ferne hörte ich andeutungsweise den Set. Aber es hörte sich nicht schlecht an.

Radio Havanna
Als zweites spielten Radio Havanna - ein Band aus Berlin. Eine sympathische Band, die einen kraftvollen Set hinlegten. Obwohl ich von denen vorher gar nichts kannte, stand ich vor der Bühne und hatte Spaß. Das kommt nicht häufig vor - und sollte sich an diesem Abend aber noch das eine und andere Mal wiederholen. Wo ich eigentlich vielen "Deutschpunkbands" eher reserviert gegenübertrete - nicht selten eben dieses stumpfe Rumgeholze - offenbarten Radio Havanna einen Strauss von Liedern, der wunderbar war. Was mir eben auch besonders gefiel, dass die alle so freundlich waren. Wo kommt es schon vor, dass beim letzten Lied der Sänger von der Bühne springt und sich persönlich mit Handschlag bei mindestens 50 Leuten bedankt, dass sie gekommen sind? Alles andere als Effekthascherei ist das. Es ist vielmehr die Ahnung, dass man nicht nur von Solidarität singen muss, sondern dass sich das auch im Miteinander irgendwie ausdrücken sollte. Ich war beeindruckt.



Benzin
Nach Radio Havanna kamen Benzin. Ich hatte den Namen der Band schon mal gehört und gleich wieder verdrängt, weil mich der Name Schlimmes befürchten ließ. Aber ich sollte eines anderen gelehrt werden. Es ist an diesem Abend vielleicht die Band gewesen, die am "un-punkigsten" gewesen ist. Poprock auf hohen Niveau. Anders als der Name vermuten lässt, bot die Band verschiedene Songs mit Ohrwurmqualitäten an. Wieder stand ich vor der Bühne und hatte Spass.


Elektropunks
Dann kamen Egotronic, die eigentlich später spielen sollten. Aber die Band sprang ein, weil Feine Sahne Fischfilet noch auf der Autobahn war. Drei freundliche Menschen aus Berlin, die mit Labtop als Schlagzeugersatz die Sparte Elektropunk an diesem Abend vertraten. Die Band begann mit einigen technischen Problemen, so dass das erste Lied erst beim dritten Anlauf funktionierte. Das war aber nicht schlimm - eher unterhaltsam. Und wieder: Egotronic sind cool. Die Songs gehen in die Beine und abwechslungsreich (was bei Elektropunk nicht selbstverständlich ist). Wie auch die Auftritte der anderen beiden Bands war der von Egotronic so kurzweilig, dass er viel zu schnell zu Ende war. Cool!


Mighty Feine Sahne Fischfilet
Als vorletzte Band spielten dann Feine Sahne Fischfilet. So außergewöhnlich der Bandname auch ist, so fantastisch war der Auftritt. Der absolute Höhepunkt an diesem Abend. Die Band aus Mecklenburg-Vorpommern ist in vielerlei Hinsicht beeindruckend. Da ist nicht nur der Umstand, dass die dauernd mit Nazis konfrontiert sind und Fagge zeigen. Es ist eine Band, denen man die Sprüche/das Engagement einfach abnimmt. Und dabei sind die musikalisch/textlich einfach brilliant mit einer guten Prise Humor. Ein grandiose Mischung. Eine Besonderheit ist die Bläsersektion, die ausnahmsweise mal nicht für Ska-Punk steht. Ich fand diesen Auftritt absolut toll - und ich hoffe, dass diese Band noch lange existiert.


ZSK
Zum Schluss kamen dann ZSK. Die waren gut. Und doch ging ich nach einer knappen halben Stunde. Ich war einfach müde. Und vielleicht lag es auch daran, dass diese Band etwas hatte, was sich vom Charme der anderen Bands des Abends ein wenig abhob: ZSK hatte etwas durchgestyltes. Schon ziemlich glatt und sie erinnerten mich ein wenig an den Auftritt von Slime vom letzten November. ZSK sind eine gute Band und ihre Engagement ist ehrenwert. Aber mein Bedürfnis nach Schlaf war nach diesem tollen Abend einfach größer als der Wunsch den Set zu Ende zu sehen.


So verließ ich das ZAKK mit einem Lächeln auf dem Gesicht. In Zeiten, in denen rechtes Gedankengut mehr und mehr um sich greift - vor allem in der Mitte der Gesellschaft - das war das Erleben eines solchen Festivals einfach gut: wie schon gesagt nette Menschen und die klassische Mischung aus Infoständen und guter Musik.

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