Sonntag, 6. Oktober 2013

The Boys, CJ Ramone, The Lurkers & Cashbar Club @ Duesseldorf, ZAKK 5.10.2013

Tja - das ist ein Abend gewesen, der dann doch ein wenig anders war als erwartet. Auch wenn ich zugeben muss, dass am Ende eine größere, eigentlich gesetzte Enttäuschung stand, deren Eintreten ich mir im Vorfeld nicht wirklich eingestehen wollte.

Big Big Cashbar Club
Der Abend wurde Punkt 18.30 mit den Cashbar Club eröffnet. Für so einen Abend ist das eigentlich immer die Arschkarte für eine Band. Wer kommt schon so früh. Nicht selten habe ich Bands erlebt, die quasi vor leerem Haus ihren Set runtergespielt haben. Unvergessen beim Rebellion Festival eine Band aus London vor einer Handvoll Leuten in einer großen Halle. Entsprechend ist es diesen Bands immer hoch anzurechnen, dass die das überhaupt machen. Respekt! Gestern war es nun glücklicherweise so, dass schon einige da waren, so dass an dieser Stelle der worst case nicht eingetreten ist. Und was soll ich zu den Band sagen? Auch wenn ich mich wiederhole: die Band ist wirklich gut. Auch mit dem Handicap, mit einem Aushilfsbassistem auftreten zu müssen -  der das aber ziemlich gut hinbekommen hat. Ende November wird die Band ihre erste EP rausbringen und darauf - auch von dem was ich vorab schon hören konnte - können wir gespannt sein. Auf den Punkt gespielte Cover und eigene Songs, die es in sich haben. Eine super Mischung. Jedenfalls ist klar, wenn Cashbar Club spielen, kann davon ausgegangen werden, dass niemand enttäuscht sein wird.

Safe European Home
Revolution is over
Siegerlied
Teenage Kicks
It's gonna be your Day
Helden auf Zeit
London Calling
Top of the Food Chain
Back to Square One
Songs of Praise


Grandioses Urgestein
Als zweite spielte Arturo mit den Lurkers auf. Arturo ist ein Urgestein - eine Rampensau (und das meine ich ganz positiv), von denen es gar nicht mehr so viele gibt. Ähnlich lang wir Cashbar Club spielten die Lurkers einen Set, bei dem viele der Klassiker der Band vorkamen. Ich selber habe "damals" die Lurkers vor allem wegen des ersten Albums für mich entdeckt. Die Lurkers waren ja nie eine der "großen" Bands mit übermäßigen Erfolg. Trotzdem hatten sie immer für mich Charme und etwas grundsolides. Was bei den Lurkers immer spannend ist, ist die Besetzung. Arturo gehört zu den Gründungsmitgliedern der Band - auch wenn er dann recht früh wieder ausgestiegen ist. Da er nach wie vor einen guten Kontakt zu den anderen Originalmitgliedern hat, kann er das Projekt weiterführen - aber eben immer mit wechselnden Menschen. Und da hängt es oft schlicht und einfach ab, wer Zeit hat, auf Tour zu gehen. Da spiegelt sich dann eine auch bittere Realität ab: Bands wie die Lurkers sind alles andere als abgesichert. Kein Plattenvertrag wie es früher mal war. Effektiv leben solche Bands von der Hand in den Mund. Das meiste kommt da noch für der Verkauf von T-Shirts usw. in die Kasse herein. Und für manche ist es eben mehr als nur ein nettes Hobby: eine Möglichkeit, schlicht und einfach Geld zu verdienen.Abgesehen davon, dass Arturo ein netter Mensch ist: ich mag seine Band - ganz gleich in welcher Besetzung. Und ich habe den Auftritt genossen.

Freak Show
I don't need to tell her
Rubber Room
Pills
Go Sane
Take me back to Babylon
Ready in loaded
Go ahead Punk
Wolverine
New Guitar in Town
Ain't got a Clue
I'm on Heat
Shadow


Vitaler Ramone
Als Drittes spielte CJ Ramone. Und da hatte ich vorher die Ahnung, dass das nicht gut werden würde. CJ Ramone ist der letzte Bassist der Ramones gewesen und ist von 1989 an bis zur Auflösung der Band dabei gewesen. Würde es so schlimm werden wie bei Marky Ramone? Zudem hatte er zwei Musiker dabei, die nicht unbedingt auf Ramones-Songs abonniert waren. Was nichts Schlechtes über die Musiker aussagen will. Als wieder "damals" nach dem plötzlichen Ausscheiden von Ritchie Ramone der Drummer von Blondie einsprang - der als Drummer gut ist - war das ein Disaster. Und wie war es am Ende? Es war klasse. CJ spielte einige der Klassiker der Ramones - und das hat die Band wirklich gut gemacht. Dabei war im Publikum zu spüren, wie sehr die Ramones fehlen. Bei vielen hellten sich die Gesichter auf und viele waren froh, endlich mal wieder das hören zu können. Und dann noch von einer Band, in der einer "der" Ramones dabei war. Was dann nicht so ins Gewicht fiel: seine eigenen Stücke fielen ein wenig ab. Da aber die Setlist so war, dass die Ramones Songs dominierten, schmälerte das nicht die Stimmung. Da CJ Ramones dann noch als Support der Toten Hosen in der Düsseldorfer Arena spielen wird, würde es mich dann schon interessieren, wie er die Masse dort begeistert...oder auch nicht...denn es ist ja nicht eindeutig, wer in einer so riesigen Halle die Ramones noch kennt.

Blitzkrieg Bop
Judy is a Punk
Psycho Therapy
What we gonna do now
Beat on the Brat
Teenage Lobotomy
Cretin Hop
Nobody's Sweetheart
Do you wann dance
I wanna be your Boyfriend
Glad to see you go
3 Angels
Born to die in Berlin
Ghrost Ring
Commando
California Sun
I wanna be sedated
Pinhead Here
Today Gone Tomorrow
Ramones


Abgesang der Dementoren
Tja - und dann kam die wirkliche Enttäuschung des Abends: The Boys. Ich hatte es eigentlich geahnt. Nach dem Weggang von Duncan Reid ist diese Band - es tut mir wirklich leid, weil ich die LPs so sehr schätze - nichts anderes mehr als eine langweilige Rentnertruppe. Ich stand mehr oder weniger fassungslos vor der Bühne. Der Charme der Band war verflogen. Es war kein quirrliger Duncan Reid zu sehen, der mit seinem Bass auf der Bühne rumsprang und der mit seinem vitalen Gesang all den tollen Songs Leben einhauchte. Anstelle dessen standen da in die Jahre gekommene Musiker, die sich an Poppunk-Hymnen versuchten. Es war aber eher so - Harry Potter like - wie Dementoren, die auch dem besten Lied alles Leben aussaugten. Von dem, was ich gestern sah kann ich nur sagen, dass die Boys das Beispiel für eine Band sind, wo es weise gewesen wäre, nach dem Weggang des eigentlichen Frontmannes aufzuhören. Es war eine traurige Selbstdemontage. Da ich diese Darbietung irgendwann nicht mehr ausgehalten habe, bin ich früher gegangen.


Was für ein gruseliger Abschluss des Abends. Und doch...um an den Anfang anzuknüpfen: das Positive ist entscheidend. drei gute Auftritte. Das ist ein guter Schnitt. Daher sowieso ausdrücklich ein Dank an Jörg, für den dieser Abend eh etwas Besonderes gewesen ist!

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