Samstag, 14. Dezember 2013

EA80 @ Cologne, Gebäude 9 13.12.2013

Doppelpack: 2 Tage hintereinander im Gebäude 9 - an einem Freitag und Samstag. Zudem für mich ein freies Wochenende. Das erschien als eine wunderbare Kombination.
Der erste Abend - und ich schreibe das vor dem zweiten Abend - hat meine Erwartungen nicht erfüllt. Dieser Abend hat sie bei weitem übertroffen. Ich wußte schon vorher, dass EA80 hauptsächlich Stücke aus den ersten Jahren spielen würde. Was mich im Vorfeld schon elektrisierte, entpuppte sich im Laufe des Abends als ein genialer Auftritt.
Zur Erinnerung: ich habe die Band das erste Mal 1982 gesehen. Und mit dieser Band verbindet mich - auch persönlich - sehr viel. Bis Anfang der 90er habe ich die Band sehr oft gesehen. Und meine Vorliebe gilt speziell den Alben bis "Schauspiele". Von daher war dieses Vorwissen um den ersten Tag im Gebäude 9 wie ein vorgezogenes Weihnachtsgeschenk. Ohne Vorband - nur mit dem Geräusch eines Minischallplattenspielers, dessen Nadel auf dem Plattenteller rumkratzte - begann EA80 um 21.30 - um erst (inklusive einiger Unterbrechungen) gegen Mitternacht aufzuhören.
Vorband
Die Band eröffnete mit einem zwanzigminütigen Gewitter, in dem sich 13 Stücke ohne große Atempause entluden. Was da passierte wurde letztlich deutlich, als die Band zehn Minuten später wieder auf die Bühne kam und Martin verkündigte, dass sie jetzt das Album "202" in Gänze spielen würden. Die zwanzig Minuten zu Beginn waren letztlich eine Hommage an die Single, die der Vinylversion von "202" beilag: auf einer 7 Inch zehn Stücke im wahrsten Sinne des Wortes gepresst: kurze, harte, geniale kleine Juwelen. Bis auf "Steinzeit" spielten sie alles - angereichert von - dem saisonbedingten Opener - "Weihnacht" sowie "Hansen", Kühlschrank" und "Tote Puppen".
Gerade dieser Beginn ließ bei mir die Kinnlade runterklappen. "Was machen die da?" fragte ich mich. Fast erwischte ich mich bei dem Gedanken, dass EA80 jetzt eigentlich schon alles "gesagt" habe und dass das Konzert jetzt auch zu Ende sein könnte. Aber weit gefehlt: effektiv spielte die Band - wenn man alle Unterbrechungen abzieht um die 150 Minuten.
Wie schon gesagt es folgte das komplette Album "202" in der Original Reihenfolge. Nun gehört "202" zu den Alben von EA80, die zu meinen Lieblingsalben gehört. Es ist eines dieser Alben, bei denen eigentlich alles stimmt. Höhepunkte sind für mich "Ich warte" und natürlich "Balsam". Es gibt so viele Situationen in meinem Leben, in denen mich gerade dieses letzte Lied begleitet hat. Und nun spielten die das komplette Album. Ich muss zugeben, dass ich aus dem Staunen gar nicht mehr herausgekommen bin. Und selbst so ein Lied wie "Sarg", dass die Band nach eigener Aussage etliche Jahre nicht mehr live gespielt hatte, war nicht nur gut hörbar.
Und dann? Dann kam eine bunte Mischung aus den 80er Jahren.
Was mich dabei besonders freute: es kamen auch sechs Stücke vom Album "Mehr Schreie". Während meines 1. Examens habe ich diese Platte rauf und runter gespielt. Sowohl Version No.1 als auch die Alternativ-Pressung auf der "Wurm" den Abschluss bildete. Auch dieses Album bietet fast nur geniale Nummern. Und so sprang mein Herz vor Freude als "Ein Tag An Meinem Fenster" und "Später" kamen. Jeweils zwei bis drei Stücke kamen dann von den anderen Alben aus den 80er Jahren. Die einzige Ausnahme war dann die letzte Zugabe: "Definitiv Ja" - was wohl ein Hinweis auf den zweiten Abend sein sollte.
Im Nachhinein und im Betrachten der Setlist sitze ich nach wie vor erstaunt da und habe nun ein Konzert im Gedächtnis, das in musikalischer Hinsicht herausragend gewesen ist. Und ich bin voller Respekt vor den 4 Musikern: Nico trommelte sich die Seele aus dem Leib, Oddel spielte den Bass im Einklang , Halts Maul verspielte sich gar nicht so oft und Martin gab mal wieder alles.

Wenn es überhaupt etwas Negatives anzumerken gibt dann bezieht sich das auf Teile im Publikum. Es gibt Dinge, die ich einfach nicht verstehe. Dass Leute trotz Rauchverbot rauchen...das ist nervig und war fast noch das Harmloseste. Viel ätzender war, dass gequatscht wurde...ohne Punkt und Komma. Da waren z.B. so zwei - Möchtegern - "Mode-Punks" jeweils mit Irokesen, die wohl ein altes Bild in einer alten Zeitschrift entdeckt haben und versuchten die frühen 80er zu reanimieren. Nun denn: die beiden unterhielten sich - z.T. mit dem Rücken zur Bühne - fast bis zum Ende eines recht langen Konzertes. Aber sie waren nicht die einzigen. All diese Zeitgenossen scheinen eben genug Geld zu haben, dass sie eine Eintrittskarte kaufen, um sich zum Austausch von Nichtigkeiten zu treffen. Dumm nur, dass sie Leuten wie mir einfach nur tierisch auf den Sack gehen. Es ist und bleibt eine Seuche.

Das war die geniale Setlist:
Von Leeren Herzen (Mehr Schreie)
90 Augen (202 Bonus 7 Inch)
Gott Allein (202 Bonus 7 Inch)
Tote Puppen (Vorsicht Schreie)
Kühlschrank (Vorsicht Schreie)
N.K.P. (202 Bonus 7 Inch)
Fazit (2 Takte Später)
In Allen Dingen (202 Bonus 7 Inch)
Hansen (Licht)
Betrug (202 Bonus 7 Inch)
Schach (202 Bonus 7 Inch)
2 Lügen (202 Bonus 7 Inch)
1000 (202 Bonus 7 Inch)
360 Grad (202 Bonus 7 Inch)

202
Innenraum
Besuch
Sarg
Fleischer
Manchmal
Ich Warte
Zweifel
Geschäft
Sollen Sein
Kleine Welt
Zimmer
Balsam
Nah

Film-Riss (Licht)
Duden (Punk)
Kein Plan (2 Takte Später)
5x4 (Mehr Schreie)
Ein Tag An Meinem Fenster (Mehr Schreie)
Später (Mehr Schreie)
Irgendwann (Vorsicht Schreie)
Auf Wiedersehen (Mehr Schreie)
Zeitmaschinen (Licht)
Wurm (Mehr Schreie)
Licht (Licht)
Was ist Geblieben (2 Takte Später)

D.K.D.L.N.S. (Punk)
Definitiv: JA! (Definitiv: Nein!)

Gleich fahre ich wieder ins Gebäude 9: der zweite Auftritt. Ich bin gespannt!

1 Kommentar:

  1. Hey, danke für den Bericht (und die Setlist). War auch da, mein immerhin 10. EA80-Konzert. Kann zum zweiten Tag leider nicht und bin gespannt was da geboten wird.

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