Samstag, 1. März 2014

Thalia Zedek Band, Greta Gertler & Paul Wallfisch @ Dortmund, Schauspielhaus - Institut (28.2.2014)

Endlich würde Thalia Zedek wieder auf Tour kommen. Im letzten Mai hatte sie in Offenbach, als sie mit COME da war, in Aussicht gestellt, wieder in Europa to touren. Ende des Jahres schrieb sie, dass die Tour nach und nach zusammengestellt werden würde. Zwar nicht in unmittelbarer Nähe: doch anfangs waren dann Dortmund und Hasselt gesetzt...und dann kam am Schluss noch Köln hinzu. Wie wunderbar! Ist doch Thalia Zedek für mich die herausragende Künstlerin, deren Lieder mir immer wieder neu zu Herzen gehen. So konnte ich nach 10 Jahren sie wieder mit ihrem Solomaterial live erleben.
Cor und ich waren - beide total abgearbeitet - nach Dortmund gefahren...ins Schauspielhaus. Um 22.00 sollte Einlass sein. Was mir direkt auffiel: das Publikum, was anstand war alles andere als das gängige Konzertpublikum. Eher zum größten Teil Theaterbesucher (was ich nicht abschätzig meine), aber dann doch garniert mit einigen Biedermännern (was ich abschätzig meine!): das hatte was Bizarres. Da um Punkt 22.00 die Tür nicht direkt aufgemacht wurde, begann ein Zeitgenosse sich direkt zu beschweren. Als wir dann unseren Sitzplatz im ernsthaft kleinem Institut in Besitz nahmen, spielt sich etwas ab, was ich noch nie bei einem Konzert erlebt habe: neben mir setzte sich jemand, der noch Platz für seine Frau, die mit Krücke unterwegs war, freihalten wollte. Neben ihm saß aber eine alte Dame mit ihrem Sohn, im weißen Hemd, der sofort sagte, dass hier kein Platz wäre, und dass seine Plätze reserviert seien. Als mein Nachbar anmerkte, dass es doch kein Problem sein dürfte, und es wohl wagte, den Weiß-Hemd-Träger als "Kollege" zu bezeichnen, wurde dieser fuchsteufelswild und verlangte dass mein Nachbar ihm seinen Namen nenne, damit er ihn anzeigen könne...er wolle sich nicht beleidigen lassen. Das war großes Schauspiel. Der Weiß-Hemdträger passte in ein Konzert von Thalia Zedek wie Seehofer auf einen Parteitag der Linken. Meine Fresse!

Zu Beginn gab Paul Wallfisch eine Mischung aus Dylan und Cohen, was ok war. Dann kam Greta Gertler, von der ich vorher noch nie etwas gehört hatte. Am Klavier spielte und sang sie und wurde von einem Schlagzeuger begleitet. Das war bezaubernd. Gerade in diesem Ambiente war das irgendwie cool. Wohnzimmeratmosphäre und man sitzt quasi direkt vor den Instrumenten.


Dann um Viertel nach 12 begann Thalia Zedek mit ihrer Band. Knapp 75 Minuten spielte sie u.a. vier Stücke von der brandneuen Mini-CD/LP "Six": Fell so hard, Julie said, Dreamline und Afloat. Zudem einige Stücke von dem letzten Longplayer "Via", sowie einige alte Stücke. Besonders berührend ist für mich nach wie vor das Stück "1926" von ihrem letzten Soloalbum. Thalia Zedek versteh es einfach, sehr emotional intensive Musik zu machen. Fragilität, Schönheit und Abgründigkeit ergeben eine so einzigartige Mischung, die ihresgleichen sucht. Dabei wird sie von tollen Musikern unterstützt: allen voran David Michael Curry an der Viola, Mel Lederman an den Keyboards, Jonathan Ulman an den Drums und am Bass Winston Braman.
Und was mich immer wieder beeindruckt: akustisch war der Ort gestern eine Herausforderung. Und wahre Größe bei Bands zeigt sich da, wo die das einfach so nehmen wie es ist: Geräte einstöpseln und ohne technische Backup einfach - wie im Proberaum - spielen und das einfach gut machen. In dem Sinne war das wirklich "großes Theater" im positivsten Sinne des Wortes.
Wir sind dann gegangen - wobei ich vorher nicht nur ein Exemplar der limitierten Vinyl-Version von Six ergatterte sondern auch mit Thalia Zedek ein paar Worte wechselte - in dem Wissen, einem wunderbaren Konzert beigewohnt zu haben. Auch wenn wir erst nach 2 Uhr - hundemüde - zu Hause ankamen. Das hat sich gelohnt. Heute Abend dann erst Recht auf nach Hasselt!
Das war die Setlist (auf Küchenpapier geschrieben):

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