Montag, 31. März 2014

Thalia Zedek @ Wohnzimmerkonzert 30.3.2014


Brillianter Solo Set
Eigentlich hatte ich eine Karte für Hugh Cornwell in Dortmund. Eigentlich. Doch dann bekam ich – vollkommen überraschend – eine Einladung für ein Wohnzimmerkonzert von Thalia Zedek in Essen. Kein Konzert, das auf der Tourliste stand. Zudem solo. Auf dem Weg zum Flughafen in Amsterdam würde die Band von Italien kommend einen Stop im Ruhrgebiet machen. Und ich hatte die Chance, dabei zu sein. Entsprechend war klar, dass ich Hugh Cornwell für mich strich – ob wohl ich ihn „The Voice oft he Stranglers“ gerne gesehen hätte. Aber es gibt Prioritäten.
Am Tag des Konzertes kam die Nachricht, dass die Band es auch wirklich schaffen und nur leicht verspätet in Essen ankommen würde. Ich hatte mir – für den Fall der Fälle – die Hintertür offen gehalten, bei einer kurzfristigen Absage dann doch noch nach Dortmund zu fahren. Immerhin kam die Band aus Italien. Eine ambitionierte Strecke selbst für Amerikaner, die so etwas wie Staus nicht unbedingt kennen. Und aus eigener Erfahrung weiß ich nur zu gut, wie zäh gerade am Wochenende eine Fahrt aus dem Süden sein kann. Und es war klar: sehr viel später als 21.00 hätte Thalia Zedek nicht spielen können: Wohnzimmerkonzert – Nachtruhe angesichts von Nachbarn, die evtl. zu zu später Zeit wenig Toleranz noch hätten aufbringen können.
Es war ein wirklich kleiner Rahmen. Am Ende waren wir inkl. Gastgeber Carsten – dem ich extrem dankbar für die Einladung bin! – und Rainer von "Allroy For Prez" ohne Thalia Zedek und Band 10 Personen.
Es war einfach wahnsinnig nett. Eine relaxte Atmosphäre, nette Gespräche und die Möglichkeit mit Thalia Zedek und den Bandmitgliedern das eine oder andere Wort zu wechseln. Wobei Thalia erzählte, dass sie eigentlich gar nicht so oft „solo“ spielen würde. Sie wäre ein Musikerin, die sich immer in einer Band eingebunden sehe. Und es ist auch so, dass manche Stücke nur in der Band-Version funktionieren. Wie schon bei meinem Rückblick auf das King George Konzert vermerkt: allein die Viola von Michael David Curry ist an vielen Stellen ein mehr als ergänzender Akzent. So war auch die Setlist an diesem Abend ein wenig anders. Nicht nur, dass – zu meiner Freude – Thalia ein Stück vom 2008er Album spielte – „Next Exit“. Es waren einige Stücke dabei, die aus Thalias Sicht ganz gut solo klappen könnten wie z.B. auch das tolle „No Substitutions“. Und es war auch wieder „1926“ dabei. Anders als bei den Auftritten mit der Band gab es auch mehr Raum für persönliche Informationen zu den Songs. Bei „1926“ war es u.a. der Hinweis, dass 1926 das Geburtsjahr ihrer Eltern gewesen sei. Im Blick auf die Biographie ihrer Familie war das mehr als das Erwähnen einer Jahreszahl.
Thalia Zedek nahm ihre Gitarre, einen kleinen Vox-Verstärker, setzte sich auf einen Stuhl und spielte. Es war bezaubernd. Das hört sich vielleicht komisch an. Aber es war so. Gerade wenn jemand solo spielt, zeigt sich sehr viel. Es zeigen sich nicht nur die Qualitäten als Musiker oder Musikerin, sondern auch die Qualität der Lieder: alles liegt irgendwie offen. Und so zeigte sich – einmal wieder – was für fantastische Lieder Thalia Zedek über die Jahre geschrieben hat...und was für eine fantastische Musikerin/Sängerin ist. Ihre Musik ist berührend.
Das Konzert dauerte – wie auch die anderen – ungefähr eine Stunde.
Danach klang der Abend aus. Wir saßen da – alle zufrieden/beseelt. Es gab noch einige Gespräche mit der Band, die während des Auftritts entweder in der Küche rauchend und Wein trinkend saß (Mel und Winston) oder – weil ein Teil der Band bei Carsten nächtigen sollte – schon auf der Matratze sich ausruhte. Denn das war unübersehbar: wie Thalia mir dann auch sagte, dass ich sie ja am Anfang und jetzt am Ende der Tour sehen würde: die waren auch müde und froh, am Dienstag wieder nach Hause fliegen zu können. Sie hatten viel erlebt. Viele der CDs und viel vom Vinyl haben sie verkauft (auch wenn die Band davon am wenigstens erhält), die vielen T-Shirts (wo der Gewinn weit höher gewesen wäre) gingen nur spärlich weg, die Mautkosten in Frankreich waren horrend, viele tolle Venues und Menschen haben sie erlebt – unter dem Strich sind sie nicht reich geworden mit dieser Tour...und trotzdem haben sie es wohl nicht bereut. Das wäre wichtig. Denn es wäre wunderbar, wenn Thalia irgendwann wieder allein oder mit Band nach Europa/Deutschland kommen würde.
Ich kann nur sagen: ich hatte das große, große Glück, sie gleich viermal hintereinander zu sehen. Das ist schon der Hammer.
Nachdem ich mich verabschiedet hatte, fuhr ich glücklich nach Hause.


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