Montag, 9. Juni 2014

Cyanide Pills, The Lurkers & Spit Pink @ Essen, Panic Room 8.6.2014

Jörg & Arturo
Ein heißer Sonntag. Ideales Wetter für einen Trip nach Essen. Zudem standen wir auf der Gästeliste. Als wir im Panic Room ankamen, saßen bei diesem wunderbaren Wetter Arturo schon vor dem Venue. Wie schön ist es doch, noch in aller Ruhe das eine oder andere Bier zu trinken, zu quatschen, verschiedenste andere nette Menschen zu treffen. Das war alles sehr entspannt. Die Lurkers wie auch die Cyanide Pills waren früh morgens in Dresden gestartet. Für beide Bands war Essen der letzte auftritt der Tour. Von Paul, dem Manager der Cynide Pills, wusste ich, dass zwei der Bandmitglieder noch nach dem Gig schnell zum Flughafen gebracht werden mussten: die Arbeit in Leeds wartete. Und das muss man sich mal vorstellen: die sind auf Tour, reißen hunderte von Kilometern runter, spielen in irgendwelchen Clubs oder Festivals, haben zum Teil nicht die idealen Schlafbedingungen und müssen dann aus dem Stand wieder ihrem Job nachgehen. Speziell für die Cyanide Pills war es dann noch eine Härte, dass ihr Van vor Dresden liegengeblieben war. Wer sich ein wenig auskennt wird wissen, was an einem Samstag (!) der Einbau einer neuen Wasserpumpe gekostet hat. Beiden Bands war jedenfalls anzumerken, dass sie eine anstrengende Zeit hinter sich hatten. Und: beide sollten dann mit ihren Vans in der Nacht noch aufbrechen, um die Fähre in Calais zu erreichen. Hut ab!.

Ruhrpott
Als erste Band spielte eine Band aus der Region: "Spit Pink". Die waren ok. Eigentlich waren sie auch ganz gut. Vier junge Kerle, die auch ein wenig nervös vor dem Auftritt waren. Aber das haben sie ganz gut hinbekommen. Der Panic Room war zwar alles andere als ausverkauft...aber er war gut gefüllt. Erst kürzlich wurde die Bühne auf die andere Seite verlegt, so dass eine größere Kapazität für BesucherInnen erreicht werden konnte...so meine Deutung. Ich fand die Lösung gar nicht schlecht. Der Sound war ziemlich gut und so erlebte ich diesen lokalen Support als nette "Aufwärmphase" in einem Venue, dass mehr und mehr eh einer Sauna glich. Das Publikum jedenfalls, dass sich zu "Spit Pink" hineinbegeben hatte, hatte Spass, so dass die Band sogar eine Zugabe spielte.

Noch größer!
Dann spielten als zweite die Cyanide Pills. Nach Dienstag im Sonic Ballroom hatte ich eine Angst: und die bestand darin, dass ich Sorge hatte, enttäuscht zu werden. Allein deshalb, da die Band am Dienstag in Köln die Latte so hoch gehängt hatten, dass sie - so meine Phantasie - das einfach nicht mehr toppen könnte. Das hört sich vielleicht komisch an...aber der besondere Zauber, wenn man eine Band das erste Mal gesehen hat, kann durch einen Auftritt, der nicht so gut ist, Schaden nehmen. Doch ich sollte alles andere als enttäuscht werden.
Zum einem: die Band behielt trotz Saunahitze ihre Lederjacken an. Das hat zwar keine musikalische Aussagekraft, verweist aber auch die Haltung der Band. Die haben auch an diesem letzten Abend der Tour alles gegeben. Aus meiner Sicht waren sie besser als in Köln...und Köln war schon perfekt. Vielleicht haben sie noch einmal alle letzten Reserven reaktiviert. Ich weiß es nicht. Jedenfalls spielten sie mit einer solchen Spielfreude auf den Punkt, dass es eine einzige Freude war, diese Band da auf der Bühne rumwirbeln zu sehen.
Eines meiner Lieblingsstücke ist u.a. "Up Against The Wall". Exemplarisch steht für mich dieses Lied für die Live-Qualitäten von den Cyanide Pills: neben einer poppigen Melodie vermag es die Band, dieses Juwel mit soviel Power darzubieten, so dass dieses keine zwei Minuten andauernde Stück sich so dermaßen in die Gehörgänge einfräst, wie ich es nur noch von den frühen Undertones-Songs kenne. Unwiderstehlich. Kritiker mögen einwenden, dass dies doch nichts anderes als Retro sei. Sicherlich: die Band bedient sich eines Sounds, der lange vor ihrer Geburt Menschen zum tanzen brachte. Aber das tun sie eben mit einer Unbekümmertheit, so dass da nicht gewollt oder eben nur aufgewärmt erscheint. Es ist so, als würden sie etwas Bekanntes noch einmal neu erfinden. Und das tun sie eben so gut, dass ich jetzt schon weiß, dass dieses Essener Konzert zu den TOP 5 dieses Jahres gehören wird - gehören muss. Und je länger ich darüber nachdenke, fällt mir noch ein anderer Grund ein, warum ich diese Band so sehr ins Herz geschlossen haben: als jemand, der über 50 ist, gibt diese Band mir jedenfalls das Gefühl, dass Vergangenheit nicht einfach vorbei ist. Es ist so als würde man einen temporären Zeitsprung erleben.



Das ist die komplette Setlist:

Cheap N Nasty
Wrong
Break It Up
Formica
Making Her Mind Up
Johnny Thunders
Sit Tight
Can't Get It Up
Up Against the Wall
Stop And Search
Conquer The World
Non Believer
Government
Shallow
Apathy
Mail Order Bride
Where Did It Go
Suicide Bomber

Don't turn Right

Arturo!
Dann kamen die Lurkers. Einerseits Headliner an diesem Abend - aber mit der Bürde, nach den Cyanide Pills spielen zu müssen. Aber das war kein Problem. Irgendwie war klar, dass beide Bands nicht vergleichbar sind...und dass das auch gar nicht sein muss. Beide haben eine eigene Klasse und Arturo spielte mit seinen beiden Musikern Vollgas auf, so dass vom ersten Stück kein Zweifel aufkam, einem grandiosen Konzert einer wunderbaren Band beizuwohnen. Und trotz des Abschluss der Tour hatte die Band ziemlich viel Spaß: der Drummer, der anfangs mit Mütze und Harrington (!) hinter dem Schlagzeug trommelte, lieferte sich mit dem Fahrer, der rechts neben der Bühne saß, einen Kleinkrieg mit gefalteten Fliegern, die dann abwechselnd von der Bühne bzw. auf die Bühne flogen. Und Arturo? Der ist und bleibt die "netteste Rampensau" im Punkrock-Zirkus. Ähnlich lang wie die Cyanide Pils spielte die Band einen Hit nach dem anderen und erfreute so das versammelte Publikum. Und so war dann irendwann vor Mitternacht Schluss. Ich muss zugeben,dass ich total platt war. Das waren nicht nur die diversen Biere, sondern auch das viele Stehen (alter Mann!) und eh der Zustand, vollkommen abgearbeitet zu sein.

Freak Show
I don't need to tell her
Jenny
Reminisce
Pills
Lucky John
Go Sane
Take me back to Babylon
Ready in loaded
Wolverine
Go ahead Punk
New Guitar in Town
Ain't got a Clue
I'm on Heat
Shadow

Wine Drinker

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