Montag, 11. August 2014

Rebellion Festival @ Blackpool, Wintergardens 10.8.2014

Volle Energie
Der letzte Tag des Festivals. Noch einmal alle Energie sammeln...wobei ich mir schlich und einfach vorgenommen habe, dann es am Schönsten ist und wenn ich das Gefühl habe, dass es jetzt auch reicht...ins Hotel gehe. Aber dazu später.
Es war der erste – vom Wetter her gesehen – schlechte Tag in Blackpool. Es regnete – es war nachts sogar richtig stürmisch. So ging es nach dem Cafe direkt ins Wintergardens.
Im Empress Ballroom finden als erste Useless ID aus Haifa an. Ich hatte nur Gutes von der Band im Blick als Live-Band gehört. Das zweite Album ist auf jeden Fall ein Knaller. Und auch wenn es die erste Band im großen Ballroom war, waren es am Ende doch eine akzeptable Menge, die den Auftritt miterlebte. Und der war wirklich gut. Melodischer Hardcore „at his best“.

Als ich ins Foyer kam, traf ich glücklicherweise Mitglieder der Pukes, von denen ich noch das Vinyl ihres Debutalbums erstand. Das hatte ich nämlich nach deren Auftritt verpasst. Sie waren auf dem Weg raus. So dass das die letzte Möglichkeit war.

Band mit Zukunft
Ich hatte nun bis zum frühen Abend keinen Plan, klapperte noch einmal die Merchstände ab, trank den einen oder anderen Espresso, verweilte eine Zeit an der Interview-Stage und kam eher zufällig in den Pavilion. Dort stand gerade ein mir unbekannte Band auf der Bühne, deren Bassist – Ian Glasper – eben noch interviewt worden war. Ich blieb und erlebte einen tollen Auftritt von „36 Strategies“. Die Sängerin, die von sich behauptete, erst 3 Wochen in der Band zu spielen, war klasse und ich kaufte nach dem Set auch brav die CD. 36 Strategies klingen – obwohl es Engländer sind – amerikanisch. Sie erinnerten mich an einige Bands aus den frühen 90ern. Sehr gut - ich bin gespannt, was aus denen noch wird. Es würde mich nicht wundern, wenn von denen noch einiges zu hören sein wird. Ich würde es der Band auf jeden Fall wünschen.

Toller Schlagzeuger
Aufgrund des miesen Wetters gab es nicht so viele Optionen und so bin ich eher aus Not in den Empress Ballroom, wo SNFU mit dem Soundcheck beschäftigt waren. Ich hatte die Band 2009 im ZAKK erlebt und war wenig begeistert gewesen. Die beiden ersten Alben sind grandios, aber allein die Erscheinungsform des Sängers war damals ekelig. Als ich jetzt sah, dass dann noch der Drummer von den UK Subs auf der Bühne war, blieb ich. Das wollte ich sehen. Denn dieser Drummer ist m.E. einer der besten, den es zu haben gibt. Und das war auch sehr beeindruckend, wie der diesen Set spielte....effektiv das rhytmische Rückgrad der Band war...so als hätte er nie etwas anderes gemacht. Der Typ ist cool. Und der Set war einfach gut. Die Kanadier haben ein gutes Songmaterial...wäre da nicht dieser ekelige Sänger. Es ist nicht nur, dass er eh aussieht als würde er es nicht mehr lange machen, er rotzt/popelt andauernd herum, dass das dann doch ein gewissen Punktabzug ergibt. Bah!

Ich traf ein wenig später Alan und Gareth bei der Acoustic-Stage, wo Arturo Lurker seinen Auftritt hatte. Höchst unterhaltsam war das wieder einmal. Arturo ist ein wunderbarer Sänger mit einer tollen Stimme. Und wenn man denkt, dass er nur das Standard-Programm ala Lurkers draufhat, wird eines besseren belehrt. Jedenfalls war für mich nach diesem Set klar, dass ich jetzt nur noch zwei Bands sehen werden: die Defects und die Outcasts. Es war genug. Auf beide Bands freute ich mich extrem – und sie schienen der perfekte Abschluss zu sein. Ruts DC, die als letzte im Pavilion spielen würden, werden im September im Haus der Jugend in Düsseldorf sein. Und jetzt hätte es mir keinen Spaß bereitet, noch mehr Zeit im Wintergardens zu verbringen. Es sollte ja Spaß machen.

Best from Belfast (Volume 1)
Die Defects waren perfekt. In den letzten zwei Monaten hatte ich das erste Album und das, was sie erst letztes oder vorletztes Jahr eingespielt haben, oft gehört. Eine wunderbare Band, die es geschafft habt, nach so langer Zeit noch einmal nachzulegen und zu zeigen, dass aus Belfast einfach tolle Musik kommt. Der Pavilion war ziemlich voll und die Menge tobte. Es wurde das gespielt, was auch auf der Live-CD zu hören ist. Technisch perfekt, musikalisch „erste Sahne“. Ich stand so, dass ich den Gitaristen direkt im Blickfeld hatte. Ein eher unscheinbares, kleines Männlein – ziemlich verlebt: aber wie der Gitarre spielte. Hochachtung. Wie dann bei den Outcasts muss man sich einfach klar machen, dass die das nebenher machen. Die haben normale Jobs und das ist nichts als Hobby. Es ist keine Band, die durch monatelanges Touren einen Set rund bekommt. Die spielen live recht selten und spielen trotzdem so als würden sie das jeden Tag machen. Großartig.

Best from Belfast (Volume 2)
Höhepunkt war dann – für mich – der Auftritt der Outcasts. Sie hatten ein wenig Pech: die Technik war an diesem Wochenende nicht auf ihrer Seite. War der Gig bei HMV schon wegen der Technik ins Wasser gefallen, muckte diese auch im Pavilion. Beide Gitarristen hatten ihre Probleme, was u.a. zu einer längeren Pause führte, die zu Lasten der Setlist ging. Aber was soll es: die Band spielte wieder grandios auf. Was für mich dann das Besondere war: alle drei Auftritte in Deutschland war vor einem jeweils recht geringen Publikum. Und einige von denen, die die Band bei diesen Konzerten sahen, kannten die gar nicht. Jetzt war es ein Heimspiel. Wie bei den Defects waren da viele aus Belfast. Und da ging die Post so richtig ab. Anders als die Defects schöpfen die Outcasts aus ihrem alten Material. Ausnahme ist da nur das Bowei-Cover „Suffragette City“, das die Band als Letztes spielte.

Und als dann die Band diesen letzten Song gespielt hatte, verabschiedete ich mich noch bei Petesy, dem zweiten Gitarristen, trank noch einen Pint und machte mich dann auf den Weg ins Hotel. Es stürmte draußen. Egal. Ich war zufrieden und freute mich auf eine längere Nachtruhe.

Ein wunderbares Festival!

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