Montag, 9. Februar 2015

Tindersticks @ Dortmund, Konzerthaus (7.2.2015)

Zauberkünstler
Das war jetzt das 10. Mal, das ich diese Band gesehen habe. 1993 war es das erste Mal: als Support von Nick Cave and the Bad Seeds. Es war eine dieser Ausnahmesituationen, eine unbekannte Band zu erleben und wie elektrifiziert vor der Bühne zu stehen und danach kaum noch einen Sinn für den Hauptact zu haben. Sicherlich: die Band hat eine Entwicklung durchgemacht. Und ich gehöre definitiv zu denen, die die drei ersten Alben als den unerreichbaren Höhepunkt einer grandiosen Band im Blick haben. Tindersticks – spätestens – nach 2008, wo sie sich nach längerer Pause wieder zurückgemeldet haben, sind anders. Es sind nicht mehr die alten...es sind eben die neuen. Und trotzdem haben sie nach wie vor Klasse, die mich dazu bringt, - soweit erreichbar – zu einem Konzert zu fahren....auch wenn nur noch ab und zu sich ein alter Song auf die Setlist verirrt.
Cor und ich fuhren also nach Dortmund – zu einem der wenigen Konzerte dieser Mini-Tour. Das Konzert fand im Konzerthaus statt. Das Konzerthaus ist ein relativ neuer Bau im Herzen Dortmunds mit dem Ruf, eine vorzügliche Akustik zu haben. Ich hatte sehr früh Plätze in den vorderen Reihen ergattern können. Und auch wenn ich mir nicht so sicher war, ob die wirklich gut wären, stellten sie sich als wunderbar heraus.
Die Bühne des Konzerthauses war recht spartanisch bestückt. Es ist eben eher ein „Venue“, in dem Klassik geboten wird. All das, was da auf der Bühne stand, hat sicherlich Platz in einem normalen Band-Van gefunden. Effektiv hatte dann das Konzert fast schon den Rahmen eines Unplugged-Konzertes – auch wenn es das ja nicht war.
Ein Umstand, der durch das Konzerthaus vorgegeben war, war der zeitliche Rahmen. Keine Vorband und es fing ziemlich pünktlich um 20.00 Uhr an. Und dann folgten 90 Minuten, die einmal mehr markierten, dass diese Band auch ohne vermehrten Rückgriff auf das alte Material verzaubern kann.
So leer die Bühne war – links außen standen z.B. auch vollkommen im Sichtfeld die Techniker des Soundboards für die Bühne – und so wenig einladend alles auf den ersten Blick aussah: allein mit der Präsenz dieser Band – unterstützt durch eine dezente und darin umso wirkungsvolleren Lightshow – und der Songauswahl und der Art und Weise, diese Songs zu spielen, entstand eine Atmosphäre, die hinreißend war. Als Stuart Staples den letzten Song des Sets ankündigte, guckte ich irritiert auf meine Uhr und musste feststellen, dass die Band fast 70 Minuten gespielt hatte. Es verging alles wie im Flug und wir saßen da in unseren Sesseln und waren wie gebannt...eingefangen vom Charme dieser wunderbaren Musik.

Zwei Dinge, die ich abschließend anmerken möchte: sicherlich hat so ein Konzerthaus wenig mit dem zu tun, was ich sonst an Konzerten schätze. Aber: allein dieser Rahmen führt dazu, dass keiner dumm rumquatscht. Unvergessen 2010 als die Band in Eindhoven ein Konzert nach vier Stücken abgebrochen hat, weil es vor der Bühne einfach zu laut war. So dass es also kein Wunder ist, dass die Tindersticks solche Locations aussuchen, weil dort gesichert ist, dass sie einfach – ungestört – Musik machen können.
Und dann doch eine Irritation, die nichts mit dem Konzert, sondern mit dem Konzerthaus zu tun hat: ein wunderbarer Bau, der stilvoll ausgebaut ist. Und: als Pils wird „Dortmunder Kronen“ ausgeschenkt. Warum das? Es ist ernsthaft das schäbigste Bier dieser von mir ansonsten so geschätzten Stadt. Das war ein Stilbruch.

Keep You Beautiful
2nd Chance Man
Medicine
Running Wild
Johnny Guitar
Into The Night
A Night So Still
Boobar
Hungry Saw
The Other Side Of The World
Drunk Tank
Piano Song
Come Feel The Sun
Factory Girls

Black Smoke
She's Gone
This Fire Of Autumn (Acoustic)

Sometimes It Hurts
All The Love

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