Donnerstag, 23. April 2015

Gang of Four & AV Okubo @ Groningen, Vera 22.4.2015

Gang Of Four 2015
Gang of Four gehören zu den TOP 5 meiner Lieblingsbands. Wie schon früher erwähnt, habe ich die Band in den 80er Jahren aus verschiedensten Grünen verpasst...auch 1995. Erst 2005 konnte ich Gang of Four in London zum ersten Mal sehen. Damals war es die Originalbesetzung. Einige Jahre später – 2011 – waren es wieder nur Andy Gill und Jon King. Doch auch letzterer verließ dann die Band. Schon zu Beginn des letzten Jahres gab es eine Neuauflage: als einziges Originalmitglied war jetzt nur noch Mastermind Andy Gill übriggeblieben: "Gang of One".
Andy Gill
Für viele war damit die Band abgeschrieben. Viele Stimmen im Netz mukierten sich über den neuen Sänger, der – so wie ich las – anfangs nur zur Aushilfe im Studio seinen Part spielen sollte, dann aber den Sprung auf die Bühne schaffte. Sicherlich: Jon King als Sänger ist schwer zu toppen. Aber einzelne Videos von den Konzerten vom letzten Jahren, die auf YouTube zu finden sind, ließen den neuen Sänger "Gaoler" gar nicht so schlecht aussehen. Erschwerend kam dann aber Ende des Jahres die Nachricht hinzu, dass auf dem neuen Album auch Gastbeiträge beim Gesang vorkommen würden: mag die Sängerin der Kills ja noch gehen, war die Ankündigung von Herbert Grönemeyer für meine deutschen Ohren alarmierend. Nun gut: in England genießt er einen vorzüglichen Ruf. Aber Gang of Four mit Herbert Grönemeyer? Auch hier muss ich sagen, dass das Lied, bei dem er auf dem neuen Album singt, weniger schlimm ist als erwartet. Insgesamt ist das neue Album gut. Anders – und trotzdem gut.
Joan "Gaoler" Sterry
Nun wurde zuerst eine Tour für die USA angekündigt und dann einige wenige – vier – Konzerte in Europa: Paris, Amsterdam, Berlin und Zagreb. Alles für mich nicht erreichbar. Amsterdam war noch am nächsten, aber der Wochentag war für mich ein No-Go. Da entdeckte ich durch Zufall, dass die Band auch im Vera in Groningen spielen sollte. Komischerweise wurde dieses Konzert in die offiziellen Konzertliste der Band erst wenige Tage vorher aufgenommen. Jedenfalls kaufte ich mir ein Ticket, fand eine billige Zugverbindung (38 Euro hin- und zurück!) und buchte ein Hotelzimmer direkt gegenüber dem Venue.
Soweit war alles geplant. Doof war nur, dass genau für den Mittwoch und Donnerstag ein umfassender Streik angesagt wurde. Doch diesmal hatte ich mal Glück: der Zug fuhr – hin und auch zurück.
Das Vera in Groningen existiert schon lange. Es ist ein relativ kleiner Laden. Typisch – wie für viele niederländische Venues – war, dass es sehr entspannt und freundlich war. Die Akustik entpuppte sich als vorzüglich. Genau das Richtige für mich. Nur kein Stress!
Am Merchstand deckte ich mich mit zwei T-Shirts ein und harrte der Dinge, die da kommen sollten.

AV Okubo
Als Support spielte AV Okubo, eine Band aus China, die Gang of Four letztes Jahr bei den Konzerten im Reich der Mitte schon unterstützt hatte. Sie werden als „New Wave“ Band beschrieben. Und das traf auch zu. Die Band hätte mit ihrem Sound (inkl. Vocoder) auch in den frühen 80ern existieren können. Und das war sehr unterhaltsam. Später las ich, dass Andy Gill die Band auch produziert hat und dabei mal wieder einen guten Riecher bewiesen hat. Die ca. 25 Minuten, die die Band auf der Bühne war, waren wirklich gut. Am Beeindrucktesten war die Schlagzeugerin: eine kleine, zierliche Person, die einen „Wumms“ draufhatte, der es seinesgleichen sucht. Auf den Punkt genau spielte die. Das ging in die Beine. Als die Band dann das letzte Stück gespielt hatte, ging ich vor die Bühne. Ich sah von weitem eine Setlist, die mir der Gitarrist dann auch gab. Als ich sie mir genauer anguckte, musste ich schmunzeln: als Stücke mit chinesischen Schriftzeichen. Ob ich das je entschlüsseln werde?

Mad Men
World
Everlasting Regret
Rock'n'Roll Victims
Opium
Red Tank
Break Wave


Thomas McNeice
Jonny Finnegan
Nach einer relativ kurzen Umbauphase, in der übrigens ein DJ mit vorzüglichem Geschmack auflegte, kam dann Gang of Four auf die Bühne. Mir war von vornherein klar, dass die Setlist keine Überraschungen aufweisen würde. Und doch sah ich auf der Bühne – ganz rechts – eine alte Mikrowelle. Sollte doch – was selten bisher auf der Tour vorgekommen war – „He’d sent in the Army“ gespielt werden? Obwohl – wie ich hinterher sah – das Stück auch wirklich auf der Setlist als zweite Zugabe vorgesehen war, wurde das Stück am Ende dann doch nicht gespielt. Es lag vielleicht daran, dass das Vera nicht besonders voll war – und das hing vielleicht mit der suboptimalen Werbung zusammen. Und: weil auch das Publikum relativ verhalten war. Ich weiß nicht warum. Denn das Konzert war klasse. Es war eine gute Mischung aus alten und neuen Songs. Die Rhythm-Section ist ernsthaft hervorragend. Der neue Drummer - Jonny Finnegan - ist eine große Bereicherung. Der spielt als hätte er die alten Gang of Four-Songs mit der Muttermilch aufgesogen. Und der Bassist - Thomas McNeice -, der ja schon einige Jahre dabei ist, hat es voll drauf. Und Andy Gill? Der traktiert seine Gitarre auf altgewohnte Art und Weise und wenn man ihn spielen sieht, denkt man immer wieder, wie er das wohl macht. Und "Gaoler"...der neue Sänger? Der macht einen guten Job. Irgendwie ist der auch – wie Jon King – ein wenig neben der Spur. Aber anders. ER kopiert nicht seinen Vorgänger und gerade durch seine Art passt er gut rein. So kann ich – wo ich ihn jetzt live erlebt habe – nicht ganz nachvollziehen, dass ihm fehlende Ausstrahlung oder ähnliches nachgesagt wird. Sicherlich: wenn man einen Jon King erwartet, dann findet man immer ein Haar in der Suppe.
Also unter dem Strich: ich sah ein vorzügliches Konzert einer meiner Lieblingsband. Es war anders als 2005 in London und Antwerpen und 2011 in Köln. Anders – aber gut.
Mit viel Glück habe ich auf dem Rebellion Festival im August erneut die Gelegenheit, Gang of Four zu sehen.






Where the Nightingale Sings
Not Great Men
I Parade Myself
Paralysed
What We All Want
Anthrax
Damaged Goods
Do As I Say
Stranded
At Home He's a Tourist
Isle of Dogs
To Hell With Poverty

Why Theory?
I Love a Man in Uniform
Return The Gift

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen