Sonntag, 19. April 2015

Get Well Soon & Inner Tongue @ Cologne, Gebäude 9 (18.4.2015)

GET WELL SOON
Das war ein Kontrast zum Vorabend: gab es da einen auf die Ohren, sollte es im Gebäude 9 ganz anders werden: da gab es etwas für die Seele. Als vor einigen Monaten die Minitour von Get Well Soon angekündigt wurde und ich sah, dass die Band auch in Köln spielen sollte, war ich mehr als erfreut. Nach dem fantastischen Konzert 2010 im Düsseldorfer ZAKK hatte ich die Band immer wieder verpasst: entweder spielte sie zu weit weg oder das Konzert lag an einem Tag, an dem ich nicht konnte. So sind wir - Cor und ich - dann an einem wunderschönen Samstagabend nach Köln. Das Konzert war am Ende quasi ausverkauft und ich muss sagen, dass es ein grandioser Abend war. Und das lag gleich an mehreren Faktoren. Als ich 2010 die Band im ZAKK sah, dachte ich sofort, dass das auch etwas für Cor wäre. Und heute war sie mit dabei. Dann: das Gebäude 9 gehört - trotz der nicht immer überzeugenden Akustik - zu meinen Lieblings-Venues. Es ist da alles so unkompliziert und freundlich da.
Passender Support
Ein weiterer - alles andere als unwichtiger - Faktor für diesen gelungenen Abend war die Supportband: Inner Tongue aus Österreich. Ich wiederhole mich natürlich, wenn ich sage, dass Supportbands meist eher schlecht sind. Aber diesmal hatten wir Glück. Jenseits des äußeren Erscheinungsbildes des Sängers spielte eine Band auf, die gerade an diesem Abend noch ihr allererstes Konzert spielte und dabei schlichtweg überzeugte. Vielleicht lag es auch - aber nicht allein - daran, dass die Band gut zum Hauptact passte. Nicht unbedingt vom Stil her gesehen: Aufbau der Instrumente, Einspielungen. Irgendwie fügte sich diese Band gut ein. Aber nicht nur das: es war ein kurzweiliger, wunderschöner Set. Und das Erstaunliche: dass das der erste Gig war, den die Band vor Publikum spielte, war mehr als beeindruckend. Da schien alles zu passen. Entsprechend war auch die Reaktion eines großen Teils des Publikums. Obwohl viele noch draußen gestanden haben, kamen alle rein, nachdem die Band zu spielen begonnen hatte. Das spricht für sich. Hierbei noch eine kleine Geschichte: direkt rechts neben mir...ein, zwei Schritte vor mir standen zwei Typen. Der eine holte dauernd sein iPhone heraus und schrieb immer wieder irgendwelche SMS. Sein Display blendete und das war dann doch nervig. Ich war kurz davor, den "freundlich" anzurempeln - doch irgendwann war er mit seinem Kumpel weg. Als dann Get Well Soon auf die Bühne kamen, erkannte ich beide wieder: der SMS-Schreiber war einer der Gitarristen und der andere war der Bassist. Hmmmmh.

Tz, Ka
Somebody Knows It
Dress
Teeth
Catch
Fallen Empire
Care

Wunderbar!
Nach einer relativ überschaubaren Umbaupause kamen dann Get Well Soon auf die Bühne. Es war relativ klar, dass die Band ihr Programm vom Januar wiederholen würden: zwei der 10-Inches, die im November 2014 erschienen waren, würden gespielt werden. Aber dann gab es doch einen sehr menschlichen Faktor, der mich überraschte: die Schwester des Masterminds der Band, kam hochschwanger auf die Bühne. Ich dachte erste, dass ich nicht richtig gucken würde. Vielleicht war das auch am Ende ein Grund dafür, dass die Lautstärke des Konzertes sich in Grenzen hielt.
Ja - und dann folgte ein Konzert in vier Teilen: zuerst wurden die beiden 10-Inches "The Lufthansa Heist" und "Henry - The Infinite Desire Of Heinrich Zeppelin Alfred von Nullmeyer" gespielt. Darauf folgte ein längerer Teil mit vielen alten Stücken - und dann eben die Zugabe.

Das war ein interessanter Aufbau eines Konzertes. Normalerweise sind so längere Pausen tödlich. Es ergab aber einen Sinn. So wie die drei 10-Inches für sich stehen sollen, so sollte sich das auch in dem Konzert widerspiegeln. Gerade auch deswegen, wo doch die 10-Inches untereinander höchst unterschiedlich sind: floss die dritte 10-Inch "Greatest Hits" mit Coverversionen mit einem Stück "Careless Whisper" in den dritten Teil ein (witzigerweise wurde "Rocket Man" im Original als Zwischenmusik nach dem zweiten Teil gespielt!), begann alles mit der Gitarren-lastigen 10-Inch "The Lufthansa Heist" und es folgte ein ruhiger "Henry"-Teil. Das Konzert nahm da trotz der Breaks keinen Schaden. Es passte einfach. Ich fand dabei sowieso klasse, dass "The Lufthansa Heist" am Anfang stand. In gewisser Weise ist die 10-Inch im Blick auf die früheren Veröffentlichungen ein wenig sperrig. Wie der Sänger, Konstantin Gropper, auch sagte: es sind Stücke, die er mit 16 hätte schreiben wollen...und wer seine Vita mal recherchiert hat wiedr finden, dass er in jüngeren Jahren in einer Punkband gespielt hat. Etwas, was sowieso in vielen späteren Stücken immer wieder aufblitzt: der hat immer noch Spaß am Krach. Und das spricht für ihn.
Es gab nur einen Moment im Konzert, wo ich leicht nervös wurde: die Band hatte wohl - ich habe das nicht mitbekommen - sich freiwillig für ein Lied auf der Bühne als Sänger/Sängerin zu melden. Das kann in die Hose gehen...aber mächtig. Im Nachhinein bin ich - im Gegensatz zu Cor - der Überzeugung, dass die vorher das geübt/abgecheckt haben, aber als die Frau aus Mönchengladbach auf die Bühne kam, habe ich alles befürchtet. Dass es ging - Respekt! - hat meinen Blutdruck dann wieder abgesenkt.
Sahnehäubchen war dann bei den Zugaben "Disco 2000" von Pulp. An sich ein Song, an dem man doch scheitern kann: aber in der Version von Get Well Soon sehr gut.
Und sonst wäre einfach nur zu schreiben, dass wir da eine wunderbare Band gesehen haben. Und wo manche Zwischenansagen oft auch einfach doof sind, war es wie 2010 auch jetzt wieder von Konstantin Gropper geistreich und wohl dosiert, was er zwischendurch so redete. Get Well Soon sind einfach eine tolle Band, die dieses grandiosen Songs von Konstantin Gropper live klasse auf die Bühne bringen. Ein beeindruckendes Konzert. Jeder Zeit würde ich mir diese Band wieder angucken. Derzeit ist die Band wohl wieder im Studio. Ich bin gespannt.

Das war die Setlist:

The Lufthansa Heist
The Pope washed my Feet in Prison
A Night at the Rififi Bar
The 4:3 Days
Sci-Fi Gulag
Staying Home

Henry - The Infinite Desire Of Heinrich Zeppelin Alfred von Nullmeyer
Age 14, jumping off the Parents' Mezzanine
Promenading Largo Maggiore, You Wouldn't Hold My Hand
Mail from Heidegger
You'll be taken care of

Greatest Hits
I Sold My Hands for Food So Please Feed Me
Careless Whisper (George Michael Cover)
The Last Days of Rome
A Voice in the Louvre
Angry Young Man
Roland, I Feel You
Ticktack! Goes My Automatic Heart (Karaoke)
You Cannot Cast Out the Demons (You Might as Well Dance)

Encore
Disco 2000 (Pulp cover)
If This Hat is Missing I Have Gone Hunting

1 Kommentar:

  1. Nee, das war nicht geübt - die hatten mich nicht singen hören und ich wusste nicht, dass ich singen sollte - hat ja gottseidank trotzdem geklappt :)
    Ein ganz wunderbares Konzert von Get Well Soon mit einem sehr überzeugenden Support! LG, Heike

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