Samstag, 11. April 2015

Godspeed You! Black Emperor & Carla Bozulich @ Essen, Weststadthalle 8.4.2015

Hmmmmm...das war ein Konzert. Vorab - damit nicht irgendwelche Musik-Ästheten gleich eine Schnappatmung bekommen - muss ich einräumen, dass ich von der Hauptband des Abends eigentlich gar keine Ahnung habe. Erst Recht kannte ich vorher auch nicht Carla Bozulich. Ich hatte von Godspeed You! Black Emperor vorher einiges gehört. Das klang interessant. Und was für mich ausschlaggebend war: ich wusste, dass ich ein paar Leute treffen könnte...gerade auch welche, die ich schon länger nicht mehr gesehen hatte. Also fuhr ich an einem verheißungsvollen Frühlingsabend nach Essen und fand auch direkt neben der Halle ein Parkhaus mit zivilen Preisen.
Vor der Halle sah ich sofort bekannte Gesichter...manche sieht man eben immer wieder. Neben Guenter, den ich vor Jahren über meinen Freund Martin aus England kennengelernt habe, war vor der Halle noch ein freundlicher Mensch - Burkhard -, mit dem ich mich vorher verabredet hatte. Wir waren uns vorher noch nicht begegnet und der Code-Satz war "Kann es sein, dass Du 1979 auch bei Steve Hackett in der Philipshalle gewesen bist?". Und so wurde der Abend schon von daher einfach nett. Es macht einfach Spaß mit anderen zusammen ein Konzert zu besuchen, witzige Geschichten zu hören und den einen oder anderen Tip zu bekommen. Und - das ist eine wiederkehrende Erfahrung - darüber ungläubig den Kopf zu schütteln, dass jemand anderes auch bei vielen Konzerten, die ich selbst besuchte, auch war...und es jetzt erst die Möglichkeit gab, miteinander ins Gespräch zukommen.

Also - da stand ich/standen wir - auf der Empore dieser Konzerthalle, die früher - typisch Ruhrpott - eine Werkhalle gewesen war. Nach und nach füllte sich alles und am Ende waren wohl um die 800 Leute in der Weststadthalle. Die Bühne war vollgestellt mit unzähligen Effektgeräten und von oben sah es unterhaltsam aus, wie irgendwelche Techniker und Musiker wie auf rohen Eiern herumliefen, um ja nicht irgendetwas durcheinander zubringen. Hätte irgendein Schelm da nur ein Kabel gezogen: da wäre alles zusammengebrochen. Aber so etwas tut man ja nicht.

Psychotic Performance
Als Support des Abends spielte Carla Bozulich. Wie mir ein anderer freundlicher Mensch vor der Halle erklärte, muss diese Dame recht bekannt sein - was an mir aber völlig vorbeigegangen ist. Sie wurde unterstützt von einem Gitarristen und spielte sonst eben quasi solo. Der Eindruck, der sich nicht nur bei mir einstellte, war, dass sie doch die eine oder andere Droge zu sich genommen haben muss. Leicht psychotisch kam sie darüber. Musikalisch war das nicht schlecht...aber auch nicht wirklich gut. Es war eben Kunst, die eben nicht allen gefällt. Eindrücklich war allein, als Carla Bozulich beim ersten Song einige quatschende Mitmenschen maßregelte. Das war nett.
Schön war dann die Umbaupause: es gab wieder Zeit nach links oder rechts ein Gespräch zu führen.

Supper's Ready auf Postpunk
Dann kamen Godspeed You! Black Emperor - nacheinander kamen sie auf die Bühne. Die Band ist wohl ein Kollektiv - aber wenig kommunikativ. Und dann folgte für fast zwei Stunden eine musikalische Performance. Da es keinen Gesang gibt, war alles instrumental. Die Stücke waren zum Teil ziemlich lang (teilweise fast 40 Minuten) und bauten sie allesamt langsam auf. Für mich, der gerne eher das "gröbere Fach" hört, war das eine Herausforderung. All das war nicht schlecht - und auch nicht so ganz mein Ding. Irgendwie hatte das von frühen siebziger Jahren durch den Postpunk-Quirll gejagt. Hmmmmmmmh.  Zwischendurch war ich ernsthaft ratlos. Allein die Art und Weise , wie die Musiker da auf der Bühne werkelten, hatte etwas Merkwürdiges. Ich stehe nicht so auf Bands, wo es eigentlich egal ist, ob sie im Proberaum spielen oder vor Publikum. Nun denn. Im Internet kann man auf einer Seite, die von der Band autorisiert ist, auch dieses Konzert hören. Godspeed You! Black Emperor sind eben eine Nummer für sich.
So fuhr ich nach Hause: einerseits mit der Erfahrung eines Konzertes, das nicht das meine war - anderseits sehr gelöst, da es ein schöner Abend zusammen mit einigen netten Menschen gewesen war.

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