Montag, 10. August 2015

Rebellion Festival @ Blackpool, Wintergardens 9.8.2015

Australia!
Der letzte Tag in Blackpool. Jedes Mal war es so, dass ich am Sonntag dachte, dass es jetzt auch gut sei. Zudem: was sollte der Abschluss sein? Letzteres ergab sich im Laufe des frühen Abends als ich merkte, dass meine Bereitschaft, jetzt noch etwas Neues aufzunehmen, langsam zu Ende ging.

Aber der Tag startete im Empress Ballroom mit den „Random Hand“. Ich hatte die Band schon 2011 erlebt. Damals gefiel mir dieser Mix aus Ska, Punk/Hardcore sehr gut. Das war auch dieses Jahr so. Beeindruckend vor vier Jahren wie jetzt auch heute war der Umstand, dass der Sänger auch Posaune spielte – wie wild rumsprang und für alles genug Luft hatte. Wahnsinn. Interessant war, wie er – es war gerade mal kurz nach eins – das anfangs noch leicht lethargische Publikum zum Tanzen animierte: er drohte an, wenn nicht deutlich mehr Bewegung von der Bühne aus wahrzunehmen sei, inmitten des Konzertsaales zu scheißen...und das würde nicht schön sein. Das ließen sich viele nicht zweimal sagen und die Menge tanzte. Einzig auszusetzen wäre, dass diese Band die „Goldene Himbeere“ für die hässlichsten T-Shirts bekommen würde. So gute Musik und gleichzeitig so grottige Werbeträger. Komisch.

Danach wechselte ich in die Arena. Dort sollten „The Terraces“ spielen. Die Band kommt aus Australien auch wenn der Sänger an sich Engländer ist und früher bei „One Way System“ mitgespielt hat. Diese Band ist fantastisch. Jeder der „The Clash“ mag, wird diese Band lieben. Wobei es alles andere als eine Coverband oder irgendein komisches Plagiat ist – auch wenn sie „Complete Control“ spielen. The Terraces treffen quasi den „Clash-Ton“ und haben die Gabe, wunderbare Songs zu schreiben. Der Auftritt war zwar kurz – eine knappe halbe Stunde – aber dafür druckvoll und jede Sekunde wunderbar. Im August sind die noch auf Europa-Tour und kommen zum Ende des Monats auch nach Düsseldorf. Die werde ich mir da nicht entgehen lassen – allein schon in der Hoffnung, dass sie dann einen kompletten, längeren Set spielen. Sehr beeindruckend – tolle Band.

Im Empress Ballrom betraten dann später „The Avengers“ die Bühne. Hmmmm. Was soll ich sagen? Die waren toll. Immerhin ist das ja eine Band, die „damals“ gar nicht so lange existierten. Und auch das sog. Lila-Album ist ein nachträglich zusammengestelltes Werk. Penelope Houston – die Sängerin – hat neben er Malerei jahrelang Alben mit eher folkigem Einschlag herausgebracht. Doch seit ein paar Jahren tourt die Band wieder – und die machen das toll. Als ich die Band so sah und vor allem als ich Penelope Houston singen hörte kam mir ein Vergleich, den manche vielleicht unpassend finden. Sie erinnerte mich an Blondie – aber nur insoweit, als dass Penelope Houston die Westcoast-Variante darstellt. Steht Blondie für den New-Wave-Sound, stehen die Avengers und mit ihnen vor allem ihre Sängerin für eine Band, auf die sich viele spätere Hardcore-Bands berufen. Quasi wie Zwillinge, die unterschiedlich aufgewachsen sich vollkommen anders entwickelt haben. Toller Auftritt inklusive einer fulminanten Coverversion von „Paint it black“.

„The Pukes“ spielten danach im Pavilion. Alle waren auf Hawai-Romantik getrimmt. Die kommen auf Ideen! Mittlerweile haben sich wohl die Qualitäten dieser Band rumgesprochen, denn der Pavilion war brechend voll. Die Besetzung war diesmal wieder komplett. Wobei auffällt, dass dieses Mal einige mitgespielt haben, die beim letzten Mal nicht dabei waren und dass auch zwei, die mit auf der Deutschland-Tour waren, jetzt nicht zu sehen waren. Das Kollektiv hält wohl unterschiedliche Varianten für die Besetzung neben dem absolut notwendigen Stammpersonal bereit. Die Setlist war quasi die, die sie auch in Düsseldorf gespielt haben. Von den beiden Haupt-Sängerinnen erfuhr ich im Vorfeld, dass die Pukes im Januar wieder nach Deutschland und auch nach Düsseldorf kommen. Hoffentlich werden dann ein paar Menschen mehr da sein.

Ich hatte mich mittlerweile entschieden, noch The Sweet zu sehen und dann ins Hotel zu schleichen. Da ich von vielen gehört hatte, dass sie auch die Glamrocker sehen wollten, setzte ich mit in den Empress Ballroom, wo der Auftritt stattfinden sollte.
Dort sollten ziemlich direkt dann „Snuff“ spielen. Von denen habe ich eine Maxi-CD, die klasse ist. Mehr kenne ich aber nicht. Als die dann anfingen, war ich vom ersten Ton an begeistert. Was für eine Überraschung. Da sitze ich und will mich einfach ein wenig ausruhen – in der Gewißheit, keinen Stress einer überfüllten Halle zu haben. Nix da. Ich stand da und hatte meinen Spaß. Und ich war sehr über den Umstand, dass der Schlagzeuger gleichzeitig sang, hin und weg. Snuff haben nämlich überwiegend Stücke, die extrem schnell sind. Leider hatte die Band keinen Merch-Stand. Ich hätte meine letzten Pfunde da angelegt.

Tja – und dann kamen „The Sweet“. An sich sind die gruselig. Andy Scott, das einzige Original-Mitglied, sieht mittlerweile aus wie aus dem Film „Die Zeitmaschine“ entsprungen...als einer der Morlocks. Anders als 2008 als sie den Empress Ballroom fast zur Explosion brachten, spielten sie auch ein paar neue Songs. Speziell das erste Lied irritierte mich sehr. Dann aber wurde es von Lied zu Lied besser und es kamen dann auch die ganzen Knaller: von Hellraiser über Teenage Rampage zu Fox on the Run. Der Empress Ballroom war auf jeden Fall proppevoll. Viele Musiker waren im Publikum zu entdecken, die bei den alten Stücken genauso ein Grinsen im Gesicht hatten wie das „normale“ Publikum. In einem anderen Kontext würde ich mir diese Band niemals angucken...aber hier beim Rebellion-Festival ist das schon ziemlich genial.

So endete dieses Festival mit dieser Band. Ich ging noch einmal die Merchstände, die noch nicht abgebaut waren, ab und verließ dann das Wintergardens.
Ein wunderbares Festival.

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