Sonntag, 18. Oktober 2015

Public Image Limited @ Bochum, Zeche 17.10.2015

"Ich kann auch nichts dafür, dass das neue Album kacke ist...!"
Das war ein Konzert, das mehrere Seiten hat. Das ist zuerst die Zeche. In den 80er Jahren habe ich dort viel Zeit verbracht. Ich war zwar 2007 dort zum Konzert von Maximo Park, aber wir kamen spät und standen recht weit hinten. Jetzt war ich schon sehr früh da gewesen und ergatterte einen Platz auf der Empore direkt frontal zur Bühne. Von da aus konnte ich in alle Ruhe die "Zeche" auf mich wirken lassen und es war - beim Warten auf den Beginn des Konzertes - wie ein Film, der da vor meinem inneren Auge ablief. Viele, zumeist schöne Erinnerungen kamen da hoch. Insofern hat dieser Abend etwas Nostalgisches.
Nun zu Public Image Limited: ziemlich genau 32 Jahre zuvor hatte ich die Band genau an diesem Ort zum ersten Mal gesehen. Damals trat John Lydon mit dieser schrecklichen Showband auf. Wer sein unterhaltsames Buch "Anger is an Energy" gelesen hat, wird wissen, wie es dazu kam. Das Konzert hatte aber trotzdem was. Dann sah ich PIL zuletzt 2012 in Lokeren - und das war ein durch und durch gutes Konzert, auch wenn das damals aktuelle Album schon mehr Schwächen als Stärken aufwies. Und an sich hatte ich mich dagegen entschieden angesichts der Ankündigung des Bochumer Konzertes, mir ein Ticket zu kaufen. Aber die Lektüre des genannten Buches während meines Urlaubs im Sommer brachte mich dazu, dann doch knapp 40 Euro zu berappen. Und ich kaufte mir auch das neue Album, das bis auf die vorab ausgekoppelte Single "Double Trouble" eher schlecht ist. Hmmmm. Insofern waren meine Erwartungen nicht ganz so euphorisch und unter dem Strich war es dann auch so, dass das Konzert in Lokreren bei Weitem besser war - aber es war auch nicht wirklich schlecht. Aber anders als vor drei Jahren hatte der Set nicht wirklich einen Spannungsbogen.
Trotzdem tolle Band
Sicherlich: es ist aktuell eine tolle Band, die John Lydon da um sich versammelt hat. Allein Lu Edmonds zuzugucken - wie der Zausel da die Gitarren und andere Saiten-Instrumente trackiert - ist eine Wonne. Trotzdem hatte es auch Längen, die eben durch nicht besondere Knaller (um es bar,herzig auszudrücken) vom neuen Album eher verstärkt wurden. Insofern klafften aufgrund dieser fehlenden Spannung umso mehr die Gräben zwischen tollen alten Songs und eher öden neuen Stücken unübersehbar auf. Nun gut: "Religion" ist eh nicht ein Lied, was ich besonders mag. Aber selbst das hatte noch mehr Unterhaltungswert als so ein Stück wie "Know How". John Lydon selbst war so, wie er eben. Wo Elton John seinen Teleprompter hat, hat er einen Notenständer vor sich stehen, um die Texte auch hinzubekommen. Das ist ok. Und insgesamt ist das Herausspucken des Alkohols, der er zwischendurch gurgelt, dem Alter angemessen zivilisiert: war doch auf der Bühne ein Mülleimer platziert. Als nach dem dritten Song jemand rief, die Band solle doch "Memories" spielen, sagte Lydon in Richtung des Rufers, dass er, wenn er was meinte sagen zu müssen, doch den Mund halten sollte. Lydon-Charme. Und - um noch einmal auf das Buch zurückzukommen - links auf der Bühne stand nur ab und zu sichtbar die ganze Zeit "Rambo", der Freund und Schatten von John Lydon, der über allem wachte.
Als ich einen alten Freund am Ende des Konzertes traf war sein Kommentar, dass er das nicht noch einmal brauche. Dem konnte ich nichts entgegensetzen. Bereut habe ich den Besuch in der Zeche aber auf keinen Fall. Allein der nostalgische Film war es wert - und die Zugaben.






Das war die Setlist - wie auch an den Tagen zuvor:

Double Trouble
Know Now
This Is Not a Love Song
Bettie Page
Disappointed
The One
Deeper Water
Corporate
Death Disco
The Body
Warrior
Bags
Chant
Religion

Public Image
Rise

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