Mittwoch, 18. November 2015

The Stranglers @ Cologne, Bürgerhaus Stollwerck 17.11.2015

The Stranglers
Ich muss gestehen, dass dieses Konzert auch ein leicht mulmiges Gefühl in mir ausgelöst hatte. Nach den Terroranschlägen in Paris, bei dem eben auch das Konzert im Bataclan überfallen worden ist, vermute ich, dass wohl jede(r) gestern in irgendeiner Form daran gedacht hat. Gleichzeitig - und das war auch wohltuend - herrschte im Bürgerhaus Stollwerck eine recht relaxte Stimmung. Freundliche Security und insgesamt ein sehr ansprechender Konzertsaal. War ich eh froh gewesen, dass das Konzert aufgrund der Kartennachfrage vom Luxor dorthin verlegt worden ist, freute ich mich über die Empore, auf der ich mir direkt einen Stehplatz sicherte. Insofern war es auch gut gewesen, dass ich recht pünktlich in Köln war und auch direkt in einem Parkhaus gegenüber einen Parkplatz gefunden hatte. Denn am Ende war das Stollwerck sehr gut gefüllt und es drängte sich alles unten wie auch oben.
Was beim Betreten des Saales direkt auffiel: es sah nichts nach einer Vorband aus. So war dieses Konzert - unter der Woche - arbeitnehmerfreundlich. Um 20.30 fingen die Stranglers an und spielten fast 100 Minuten - so dass ich Punkt 23.00 wieder zuhause war.
Von einem englischen Bekannten hatte ich im Vorfeld schon erfahren, dass im Blick auf die Setlist nichts wirklich Überraschendes zu erwarten wäre. Aber das trübte nicht die Vorfreude, diese besondere Band auf ihrer 40-Jahre-Tour zu erleben. Wie die Setlist zum Ausdruck bringt: es war eine bunte Mischung von alten und "neueren" Songs. Eigentlich gab es keinen einzigen Ausfall, was auch verwunderlich gewesen wäre: die Band kann aus einem riesigen Schatz toller Lieder schöpfen. Wenn überhaupt war ich nur leicht enttäuscht, dass nicht "Hanging around" gespielt wurde.
J.J. Burnel
Wie zu erwarten, hat der alte Schlagzeuger - im doppelten Sinne - nicht mitgespielt. Wenn überhaupt kommt er in England noch für drei bis vier Stücke auf die Bühne. Aber das Ausland ist nicht mehr drin. Wie schon vor drei Jahren ersetzt ihn aber sein Dauerersatz wunderbar und bringt auch den nötigen "Wumms" in die Songs rein. Und da ich erst wenige Wochen vorher Hugh Cornwell - auch in Köln aber an anderer Stelle - live erleben durfte, wurde in diesem zeitnahen Kontrast folgendes deutlich: zum einem ist die Stimme des aktuellen Stranglers-Sängers sehr ähnlich der von Hugh Cornwell. Das heißt: stimmlich vermisse ich nicht den alten Frontmann. Zum anderen wird aber deutlich, dass die Stranglers-Songs in der klassischen Instrumentierung - eben mit Keyboards - einfach sehr viel besser sind als ohne wie bei den Auftritten Cornwells. Gerade die Keyboards machen den Sound der Stranglers aus - und der "dreckige" Bass von J.J. Burnel. Bei ihm fällt mir zudem immer wieder ein, wie gut der sich gehalten hat. Das ist schon erstaunlich. Bewundernswert!
Die Band spielte - wie schon gesagt - um die 100 Minuten. Für fast 40 Euro für die Eintrittskarte war das ein guter Deal. Und es hat allen Spaß gemacht. Ein freundlicher Mensch neben mir, sagte vor dem Konzert - im leicht ironischen Ton -, dass ihn die große Anzahl der jungen Leute auffallen würde...sicherlich: die meisten waren 50 plus und älter. Aber so ist das eben. Entsprechend war das wohl auch der Grund, warum dieses Kölner Konzert das einzige in Deutschland gewesen ist.
Also: ein tolles Konzert, das - um auf den Anfang dieses Reviews zurückzukommen - dann auch dafür steht, dass der Spass an der Musik wenigstens für diese Zeit im Vordergrund stand. Als ich das Stollwerck verließ, sah ich bei der Nachrichten-App, dass das Freundschaftsspiel in Hannover wegen einer Terrorwarnung abgesagt worden war.




Das war die Setlist:

Intro (Waltzinblack)
Toiler on the Sea
Straighten Out
(Get A) Grip (On Yourself)
I've Been Wild
Curfew
Relentless
Nice 'N' Sleazy
Golden Brown
Always the Sun
Midnight Summer Dream
European Female
Freedom Is Insane
Time to Die
Norfolk Coast
I Feel Like a Wog
Skin Deep
Peaches
Time Was Once on My Side
Lost Control
Duchess
No More Heroes

Walk on By (Dionne Warwick cover)
Tank
Outro (Meninblack)

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