Samstag, 30. April 2016

Get Well Soon & Sam Vance-Law + Cheri Macneil @ Dortmund, Konzerthaus (29.4.2016)

Fantastische Band
Gegenüber der restlichen Woche erfolgte im Konzerthaus in Dortmund das absolute Kontrastprogramm. Cor und ich erlebten in einem fast ausverkauften Konzertsaal ein wunderschönes / beeindruckendes Konzert von "Get Well Soon". Wobei speziell zur Lokation erst einmal etwas zu sagen ist. Das Konzerthaus ist groß - und es ist für ein Konzert einer Band, die es auch einmal krachen lässt, alles andere als leicht bespielbar. Die Besucher sitzen auf ihren Sitzen. Von der Bühne aus, muss sich das noch einmal ganz anders anfühlen als in jedem anderen Venue, wo die Leute vor der Bühne stehen...und sich bewegen können. Erschwerend kommt hinzu: im Dortmunder Konzerthaus gibt es ein Abo, das Konzerte wie mit "Get Well Soon" beinhalten.
Mastermind Gropper
Das heisst: unter den Konzertbesuchern waren nicht wenige, die nicht speziell wegen "dieser" Band, sondern wegen des "Abos" da waren. Ich war nämlich sehr irritiert, als ich Karten kaufen wollte: da waren nur ein oder zwei Tage nach Bekanntmachung dieses Konzertes ein großer Teil der Tickets schon weg. Ich rief damals im Konzerthaus an und erfuhr, dass die nicht mehr verfügbaren Tickets alle eben zu diesem Abo gehören würden. Und jetzt muss man sich das mal vorstellen: da kamen dann auch Gestalten an, denen schon anzusehen war, dass die mit der Band wohl nicht so viel anfangen würden. Entsprechend zeigte sich das auch während des Konzertes: nur sehr vereinzelt sah ich, dass sich Köpfe im Rhythmus bewegten. Das hatte was von Leichenstarre, die vielleicht beim klassischen Konzert oder bei einem Theaterstück angebracht wäre, aber nicht beim einem Konzert einer solchen Band. Entsprechend verließen auch nicht wenige den Konzertsaal vor der ersten Zugabe. Mastermind Konstantin Gropper - der Kopf und Songwriter der Band - fasste diese nicht vollkommen einfache Situation auch in Worte, als er - er hat ja einen guten Humor - laut sinierte, ob man das Publikum hier überhaupt duzen oder nicht besser siezen solle.
Nun denn: trotzdem - und da ziehe ich mehrfach meinen Hut vor dieser Band - war es ein fantastischer Abend. Eröffnet wurde er von einem Duo, das knappe 25 Minuten als erstes in die "Arena" geschickte wurde: Sam Vance-Law, ein Kanadier, und Cheri Macneil, eine Südafrikanerin. Sie war mit Gitarre und er mit einer Geige gerüstet. Und sie boten musikalisch vielleicht nicht wirklich Tolles...es war aber alles andere als schlecht oder langweilig. Vom Unterhaltungswert war es aber hervorragend, was vor allem an Sam Vance-Law lag, der im ziemlich perfekten Deutsch Alleinunterhalter-Qualitäten zeigte. Hätten die noch eine halbe Stunde so weitergemacht, ich hätte mich nicht beschwert.
Ohne Worte!
Dann - gegen 20.45 - begann der Hauptakt. Zunächst - für drei Stücke - stand die Band in kleiner Besetzung auf der Bühne und bot einen quasi akustischen Mini-Set bis dann die Band als Ganze mit dem wunderbaren Song "It's Love" den Raum auch von der Lautstärke her zu füllen begannen. Vorab: wenn es überhaupt etwas zu bemäkeln gäbe, dann war es der Sound...wenigstens auf unseren Plätzen. Es war sehr basslastig mit der Folge, dass das eine oder andere "geschluckt" wurde. Aber vielleicht ist das auch ein Indiz dafür, dass dieser Konzertsaal für eine solche Band nur suboptimal ist. Trotzdem: was "Get Well Soon" da boten - fast zwei Stunden! - war vom Feinsten. Natürlich stand das neuste Album "Love" im Vordergrund. Angereichert waren diese Songs mit vielen, vielen Perlen der anderen Veröffentlichungen. Aber es war nicht nur das Songmaterial, was uns begeisterte. Es ist einfach eine Wonne mitanzusehen, wie da MusikerInnen auf höchsten Niveau spielen. Das ist schon bewundernswert. Und so sehr während der Songs eben das erwähnte Eindruck der Leichenstarre beim Publikum aufkam, brandete dann doch nach jedem Lied Applaus auf und zur letzten Zugabe blieben sogar alle stehen.
So fuhren wir dann im Regen nach Haus und waren froh über dieses schöne Konzert...und freuen uns schon auf das Open Source Festival in Düsseldorf im Juli, wo "Get Well Soon" auch spielen werden.

Das war die Setlist:

33
Red Nose Day
Werner Herzog Gets Shot
It's Love
Eulogy
The Last Days of Rome
It's an Airlift
It's a Catalogue
Roland, I Feel You
Marienbad
Mail from Heidegger
Young Count Falls for Nurse
Angry Young Man
Too Much Love
Good Friday
It's a Mess
It's a Fog

Teenage FBI
You Cannot Cast Out the Demons (You Might as Well Dance)

A Voice in the Louvre
Christmas in Adventure Parks

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