Sonntag, 10. Juli 2016

Get Well Soon, Bergfilm, Oiro, Schnipo Schranke, Bilderbuch, Hot Chip, The Rival Bid, The Blackberries @ Duesseldorf, Open Source Festival (9.7.2016)

Get Well Soon
Eigentlich bin ich kein großer Fan von Open Air Festivals. Jetzt gibt es aber für mich definitiv eine Ausnahme: das Open Source Festival Düsseldorf, das an der Rennbahn im Grafenberger Wald stattfindet. Das ist einfach eine tolle Location. Eine gute Atmosphäre, gutes Essen, überschaubare Preise und - gestern - ein fantastisches Wetter. In den vergangenen Jahren war ich schlicht und einfach nie in Düsseldorf, so dass ich das Festival immer verpasst habe. Dieses Jahr war das nun anders. Sicherlich: das Lineup entspricht nur im Ansatz meinem Musikgeschmack. Aber: es gibt ja immer Neues, das überraschen kann. Zudem sollten "Get Well Soon" spielen. Und allein für diese Band hätte ich mir ein Ticket besorgt.
Als ich an der Main-Stage ankam, fingen gerade "Bergfilm" an. Das war gar nicht schlecht. Nichts was mich vom Hocker riß. Angenehme Indie-Musik, die ich zwar heute - am nächsten Morgen - noch kaum erinnere. Aber ich setzte mich auf die Tribüne und genoß die Landschaft und die Musik. Das war schon einmal ein guter Einstieg. Danach betraten "Oiro" - eine Düsseldorfer Punk(?)-Band die Bühne. Hmmm. Ich hatte von denen noch nie gehört. Merkwürdig. Musikalisch war die Band nicht uninteressant. Aber der Sänger nervte von Anfang an. Ein 50jähriger, der "wie damals" drauf war und vermeintlich provokante Sachen sagte. Ich kenne nun viele alt gewordene Punkbands. Und bei den meisten ist es einfach so, dass die jeweiligen Musiker in Würde alt geworden sind. Auch wenn die Songs die alten sind, so brauchen die nicht mehr so eine Klischee-Attitüde raushängen zu lassen. Musikalisch also gut - von der B-Note her gesehen tendenziell peinlich.
Und dann kam ein absoluter Tiefpunkt: "Schnipo Schranke": zwei Frauen und ein Mann. Zwei Keyboards und ein Schlagzeug. Interessant war noch, dass die drei sich immer an den Instrumenten abwechselten. Aber musikalisch? Textlich? Unter aller Sau. Ich habe selten so etwas Schlechtes gesehen. "Krönender" Abschluss war ein Lied über "Harry Potter". Autsch.
Mittlerweile war auch Cor nachgekommen und wir erholten uns bei einem Kaltgetränk auf der Tribüne und warteten auf "Get Well Soon". Und die Band enttäuschte nicht. Sie legte einen tollen Festival-Set hin. Denn die Regeln eines Festivals sind eben andere als bei einem Headliner-Konzert. Komprimiert auf den Punkt spielen - im Angesicht eines Festival-Publikums, das zu weiten Teilen nicht unbedingt wegen dieser Band gekommen ist. Festival-Auftritte sind insofern immer auch so etwas wie "Überzeugungsauftritte" - in der Hoffnung, dass eben Menschen hinterher sagen "Oh, die waren aber gut...!". "Get Well Soon" haben das gestern ganz gut hingekriegt. Einige, die ich hinterher traf, waren sehr begeistert von den Mannheimern, obwohl sie die vorher gar nicht kannten. Für uns war es dann auch so, dass die Musik einfach gut zu dem Setting passte. Das war schon wirklich klasse.
Danach holten wir uns etwas zu essen und kamen noch rechtzeitig zum Auftritt der Dortmunder Band "The Rival Bid". Mittlerweile hatten alle Stage-Times Verzug, was aber für uns ganz gut war. Diese Band spielte auf der "Young Talent Stage", die in einem offenen Container untergebracht war. Das war cool. Und die Dortmunder waren klasse. Voll Retro- aber: mit Geschmack und Stil geklaut. Das ist nicht zu unterschätzen. Der Gig war also sehr kurzweilig und ich überlegte die ganze Zeit, was aus den Songs rauszuhören war. Da war Riffs, die mich an die Editors erinnerten, und anderes brachte mich auf Bands wie den "Smiths", "Chameleons" und einigen anderen englischen 80er Bands. Das war wirklich gut.
Danach folgte aber wieder ein weiterer Tiefpunkt: "Bilderbuch" aus Österreich. Auch wenn die Stimmung gut war, das Publikum in weiten Teilen mitging...ich fand das ganz schrecklich. Cor erzählte mir, dass die wohl als die Nachfolger von Falco gehandelt werden. Nun: den fand ich schon damals ganz gruselig. Und ich war froh, dass Cor die auch schlecht fand und wir aßen noch etwas und gingen wieder zur "Young Talent Stage".
Dort fingen gerade die "Blackberries" an. Ich hatte die Band schon vor einigen Jahren als Support von "Miles Kane" und von "Toy" gesehen. Da hatten mir die Band aus Solingen gut gefallen. Mittlerweile hatte sich aber sowohl das Aussehen wie auch der musikalische Stil "leicht" gewandelt. Jetzt firmieren die vier als "psychedelischer Kraut-Pop"...oder so ähnlich. Zurück in die 60ziger! Das war gut. Toller Set. Die würde ich mir sofort noch einmal angucken.
Mittlerweile war es spät geworden - und dunkel. Wir gingen noch einmal zur zurück zur "Main-Stage" und warten auf "Hot Chip". Ich wusste, dass die Elektro-Pop oder so spielen würden. Warum nicht? Aber: es war einfach langweilig. Nichtsagend. Belanglos. Schade. Nun denn: wir gingen langsam zum Ausgang und ergatterten direkt Plätze im Shuttle-Bus, der uns wieder zur Bahnhaltestelle fuhr.
Schönes Festival - schöner Tag. Wir freuen uns schon auf das nächste Jahr.

Kommentare:

  1. Ich denke Schnipo Schranke ist so ne Band die man entweder mag oder nicht. Ich persönlich liebe die abgöttisch. Sind eben sehr extravagant und die Texte mehr als speziell. Das gleiche gilt bei Bilderbuch.

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  2. Warum findet der Schreiberling das Festival eigentlich gut, wenn er doch eigentlich fast alle Acts nicht mag? Festivals mit solch einem Line Up brauchen offene, interessierte Musik-Junkies. Ich fand es herrlich und hab bei jedem Auftritt das Positive gesehen. OC - i love it.

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    1. Der Leserling sollte mal genauer lesen. Musik-Junkie zu sein, bedeutet ja nicht, alles gut finden zu müssen. Auf einem Festival mit so einem Mix manches nicht zu mögen dagegen sich an anderem erfreuen zu können ist kein Widerspruch. Open your Mind!

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