Mittwoch, 28. September 2016

40 Jahre...Konzerte

Am 27. September 1976 habe ich mein erstes großes Konzert besucht: das war Ritchie Blackmore's Rainbow in der Düsseldorfer Philipshalle. In dem Städtchen - nahe Düsseldorf -, in dem ich damals aufgewachsen bin, hatte ich vorher schon einige Schülerbands live erlebt. Sowohl in der Aula meines Gymnasiums wie auch in den Kellerräumen des Gemeindezentrums spielten wiederholt Bands  … wie das damals eben so war. Alle waren Hardrockbands.
1976 hörte ich eigentlich gar nicht mehr so viel aus diesem Genre. An sich startete ich musikalisch als Zwölfjähriger mit Glamrock nachdem meine Mutter erfolglos versuchte, mich für Jazz und Klassik zu begeistern. Meine erste Single war "Blockbuster" von "The Sweet". 1973 stand dann ganz im Zeichen dieser Band. Damals gab es ja irrwitzigerweise diese Lager: die einen waren Sweet-Fans - die anderen waren Slade-Fans. Wie dem auch sei. Speziell das Album "Sweet Funny Adams" hat mich damals vollkommen umgehauen. Vielleicht ist das eh das Beste, was diese Band jemals zustande gebracht hat. Das im gleichen Jahr veröffentlichte Album "Desolation Boulevard" empfand ich schon als Enttäuschung. 1974 kam dann auch der langsame Wechsel zum Hardrock. Hierbei mochte ich vor allem "Uriah Heep" und eben "Deep Purple". Uriah Heep hatten zu dem Zeitpunkt ihren Zenit schon längst überschritten. Alles was nach dem Doppel-Live-Album 1973 veröffentlicht wurde, war schon bis auf einzelne wenige Songs ziemlich schlecht. Aber die ersten Alben waren toll. Ähnlich war es bei Deep Purple. Da war dann das 1975 erschienene erste Album von "Ritchie Blackmore's Rainbow" noch ein verheißungsvoller Neustart. Und das zweite Album "Rising", das eben 1976 veröffentlicht wurde, schien die Erwartungen hoch zu halten. Gleichfalls entdeckte ich aber im gleichen Jahr Bands wie "Genesis", so dass ich mich wiederum langsam mehr und mehr in diese Richtung orientierte. Als dann aber jemand in der Schule erzählte, dass Rainbow in der Philipshalle spielen sollten, war mir klar, dass ich das unbedingt sehen musste. Ich war damals 15 und ich wollte endlich auch einmal ein "richtiges Konzert" sehen und nicht nur immer die Geschichten von den Älteren auf dem Schulhof anhören müssen. Ich wollte selber erzählen können, wie es gewesen war.
Wir waren - wenn ich mich noch richtig erinnere - zu viert. Mein Vater war nämlich so nett, uns nach dem Konzert vor der Halle abzuholen - ausnahmsweise war er mal unter der Woche zuhause. Und mit mehr als vier hätten wir da nicht ins Auto gepasst. Ich war damals ziemlich aufgeregt. Die Halle war bestuhlt. Wir saßen in der ersten Reihe vor dem ersten Zwischengang. Allein die Lautstärke haute mich um. Bis dahin hatte ich so etwas noch nie erlebt. Und noch am nächsten Morgen klingelten meine Ohren. Es war natürlich fantastisch: die Atmosphäre, die Leute - der Umstand, eine Band live zu erleben, die ich nur von Platte kannte. Ich wußte damals sofort, dass Live-Konzerte mein Ding waren und sind.
Ich hatte damals gar nicht wirklich auf dem Schirm, dass es auch eine Vorband geben würde. Keiner kannte diese Vorgruppe damals. Es waren AC/DC. Ich habe mir nie etwas von den Australiern später gekauft. Und ehrlich gesagt: ich fand die auf Platte immer öde. Aber damals war diese Band live wirklich umwerfend. Von der Energie her gesehen waren dann Rainbow eher lahm. Und trotzdem fuhren wir alle glücklich nach Hause.
Ich nahm mir damals vor, so schnell wie möglich wieder auf ein Konzert zu fahren. Doch es dauerte noch ein langes Jahr bis sich die nächste Gelegenheit bot. Das Problem war ja nicht unbedingt das Hinkommen, sondern das Zurückkommen. Auch wenn meine Eltern damals mir gegenüber sehr freizügig waren, scheiterte ein zeitnaher Konzertbesuch eben an dem Transfer zurück. Der letzte Bus aus Düsseldorf war "der" Killer - wochentags immer viel zu früh. Mein Vater war in der Regel unter der Woche beruflich unterwegs, so dass er da in der Regel nicht aushelfen konnte. Als dann im Oktober 1977 ein Klassenkumpel, der aufgrund zweier Ehrenrunden schon 18 war, fragte ob ich mit nach Essen - wiederum zu Rainbow - mitfahren wolle, erbarmten sich meine Eltern und erlaubten mir das … Michael - so hieß der Mitschüler - war ja schon volljährig. Ich war da also wenig wählerisch. Es war eben eine Gelegenheit.
1977 war eh das Jahr, in dem ich eigentlich mehr auf der Suche war. Ich lieh mir damals von allen möglichen Leuten Platten aus. Ich hörte damals - einfach aus Neugierde - fast alles. Neben Bands wie "Steppenwolf", "Jethro Tull" sogar "Frank Zappa" - um nur einiges wenige zu nennen. Und vieles langweilte mich. Damals kaufte ich mir den Musik Express. Ich las schon 1977 einiges über Punk. Und da teilweise nicht besonders gut über diese neue Musikbewegung aus England berichtet wurde, ließ mich das zu dem Zeitpunkt noch irgendwie kalt. Zudem kam erschwerend hinzu, dass ich niemanden auf meiner Schule kannte, der so was hörte - wo ich die Chance gehabt hätte, irgendwo mal reinzuhören. Das änderte sich dann, als der eben schon erwähnte Michael mir "Rocket to Russia" 1978 vorspielte. Er hatte dieses Album von einem Freund aus Düsseldorf geliehen bekommen. Als ich die Ramones hörte, wußte ich, dass da etwas war, was wirklich toll ist. Aber das ist eine andere Geschichte.

1976 jedenfalls war das Jahr in dem ich die Liebe zu Live-Konzerten entdeckt habe. 40 Jahre sind mittlerweile verstrichen. In den letzten Jahren gehe ich sehr viel mehr zu Konzerten als je zuvor. Früher - während des Studiums - hatte ich oft genug nicht das Geld. Das war immer die Wahl zwischen Pest und Cholera: "fünf Konzerte" und nur die Möglichkeit, zu einem einzigen davon gehen zu können. Dann - während der ersten Jahre im Beruf hatte ich meist nicht die Zeit - erst Recht als unsere Kinder noch klein waren. Jetzt bin ich ein "alter Sack" und es macht nach wie vor Spaß. 40 Jahre!

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen