Freitag, 7. Oktober 2016

Nostalgia 232: Konstantin Wecker @ Kassel, Stadthalle 27.2.1981

Da nehme ich ein Buch in die Hand und es fällt mir beim Durchblättern eine halb zerrissene Konzertkarte entgegen. Ein Konzert, das ich total ausgeblendet hatte. Und von einem Moment auf den anderen ist mir das damals mehr als gegenwärtig. Ich hatte im Sommer 1980 bei einem Camping Urlaub auf Koriska - direkt nach dem Abi - ein Paar aus der Nähe von Göttingen kennengelernt. Ich weiß nicht mehr wie sie hieß - er hieß Werner. Nach dem Urlaub hatte ich mit ihm noch Kontakt gehalten und habe im Februar 1981 beide dann besucht. Ich erinnere mich noch, dass ich mit dem Zug nach Göttingen fuhr. Damals war ich seit einem dreiviertel Jahr stolzer Besitzer des Original Sony Walkmans und hatte u.a. eine Cassette mit der ersten Dead Kennedys LP dabei. Die Dead Kennedys fanden die aber in der WG gar nicht so toll. Bei "Kill The Poor" machte Werners Freundin den Cassettenrekorder aus. Die haben das eben nicht ganz verstanden. Nun denn.
In Göttingen war an diesem leicht verregneten Februarwochenende alles in Aufruhr. Eine Brockdorf-Demo stand an. Michael, der irgendwas fürs Lehramt studierte und daher Teil der Göttinger Studentenszene war, fuhr mit mir in eine andere WG, in der die Vorbereitungen für Brockdorf auf Hochtouren lief. In der ganzen Stadt waren wohl alle Motoradhelme ausverkauft. Man rüstete sich eben für den "Kampf". Ich weiß noch, dass in dieser Weg irgendsoein Altstudent - der war über 40 - mit Rauschebart stolze seine Vinylsammlung vorführte und mir erklärte, dass die Stranglers seine absolute Lieblingsband wären. Damals fand ich das komisch: zum einem fand er das damals aktuelle Album "The Men In Black" besonders gut - was ich wiederum total öde fand - zum anderen passte das irgendwie nicht so recht zusammen: Alt-Hippie und New Wave. Fand ich damals.
Wie dem auch sei: meine Gastgeber wollten mir noch eine Freude machen und hatten für den Abend dann Karten für ein Konzert besorgt: Konstantin Wecker. Hmmm. Ich weiß nicht mehr, wie ich genau reagiert hatte. Aber es war wirklich nett gemeint und eine tolle Gastfreundschaft.
Das Konzert fand wiederum in Kassel, in der Stadthalle statt. Da sind wir dann hin - in Werners Renault, den er auch auf Korsika dabei hatte. Musikalisch war es eher für mich eine kleine Folter. Erträglich war es, weil es wirklich politisch knisterte. Wecker hat schon einige gute Sprüche rausgehauen. Ansonsten war da eben die geballte Latzhosenfraktion versammelt. Da war ich mit ollem, zerrissenen Jacket und Dead Kennedys Badge eher der Exot. Am nächsten Tag bin ich dann wieder mit dem Zug zurück. Ach ja: es hat ohne Unterlass geregnet.
Witzig, wie angesichts einer halb zerrissenen Karte Erinnerungen sehr lebendig werden.

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