Freitag, 12. Mai 2017

Wire & Palais Ideal @ Utrecht, De Helling (11.5.2017)

WIRE
Unter der Woche nach Utrecht auf ein Konzert zu fahren - und am nächsten Morgen um 6.00 aufstehen zu müssen - das ist eher Blödsinn. Aber bei Wire? Da habe ich diesen Blödsinn in Kauf genommen. So fuhren Horst und ich ins Nachbarland und fanden direkt an der Halle einen Parkplatz. "De Helling" ist eine nette, übersichtliche Location: am Ende waren ca. 150 Menschen im Konzertsaal.
Als Support spielte ein Duo: "Palais Ideal". Abgesehen davon, dass der Sound nicht wirklich berauschend war, war es die Band auch nicht wirklich. Horst und ich hatten beim Sound der Band einen gleichen Gedanken. Das Duo, das via Bandmaschine als Rhythm-Ersatz unterstützt wurde, wollte wie die anfänglichen Human League 1979/80 klingen. Es gab dabei ein paar nette Momente. Gar nicht so schlecht war das Cover von Iggy Pop's "Funtime" sowie das Cover von "Resistance" von "The Sound". Aber letztlich blieb nach 45 Minuten nichts hängen.
Anders war das bei Wire: Diese Band ist eine, die klassische Fan-Erwartungen in der Hinsicht nicht erfüllt, als dass - wie es viele andere Bands tun - der alte Backkatalog präsentiert wird. Wenn alte Songs auf der Setlist stehen, dann werden sie anders als gewohnt gespielt. Wire haben schon immer ihr Ding gemacht. So dass sie dann eine ganz andere Erwartung immer erfüllen: ein Konzert von Wire birgt immer Überraschungen und bietet jedes Mal hochklassische Unterhaltung.
Die Band besteht aktuell aus den drei Gründungsmitgliedern Colin Newman, Graham Lewis und Robert Grey. Alles ältere Herren über 60, die nach wie vor Spaß am Krach haben. Ergänzt wird das Trio durch den Gitarristen Matthew Simms, der mit seiner schräg sägenden Gitarre so etwas wie das Sahnehäubchen darstellt. Alle letzten Alben sind grandios und es scheint so, dass die Kreativität dieser Band noch lange nicht am Ende ist. Die erfinden sich einfach immer wieder neu.
Klar standen dann einige Stücke des neuen Albums auf der Setlist. Daber auch das eine oder andere der Alben zuvor. Besonders freute ich mich über eine interessante Version von "Over Theirs": dieses Stück stammt vom sog. Reunion-Album von 1987: "The Ideal Copy". Ich mag dieses Album schon deshalb, weil ich damals hoch erfreut gewesen war, dass es diese Band überhaupt wieder gab. Zudem war das meine allererste CD, die ich käuflich erwarb. Gerade bei diesem Stück kam die sägende Gitarre von Matthew Simms besonders gut und verlieht diesem tollen Stück eine besondere Note. Stand "Over Theirs" am Ende des regulären Sets, spielte die Band als erstes Lied "Ahead" vom gleichen Album. "The Ideal Copy" quasi als Klammer. Und wurde auf den letzten Touren immer auch mal etwas von "Pink Flag" gespielt, so fand sich jetzt "Three Girl Rhumba" auf der Setlist wieder: anders als Vinyl und mit der lakonischen Ansage von Graham Lewis, dass derjenige, der dieses Lied nicht kennen würde, doch besser schnell zu seinem Doktor gehen solle.
Nach gut 75 Minuten war das Konzert zu Ende. Eigentlich schade. Und doch: das war eine perfekte Packung. Wire spielen in einer Liga für sich - in jeder Hinsicht.

Das war die Setlist:

Ahead (The Ideal Copy)
Diamonds In Cups (Silver/Lead)
An Alibi (Silver/Lead)
This Time (Silver/Lead)
Three Girl Rhumba (Pink Flag)
Art Of Persistence (The Third Day)
Brio (Silver/Lead)
Underwater Experiences (Document And Eyewitness)
Red Barked Trees (Red Barked Tree)
Small Black Reptile (Manscape)
Keep Exhaling (Change Become Us)
Split Your Ends (Wire)
Playing Harp for the Fishes (Silver/Lead)
Short Elevated Period (Silver/Lead)
Over Theirs (The Ideal Copy)

Silver/Lead (Silver/Lead)
Used To (Chairs Missing)
Harpooned (Wire)

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