Donnerstag, 7. Dezember 2017

Shame & Gurr @ Cologne, Gebäude 9 (6.12.2017)

Rampensau
Vor einigen Wochen machte mich mein englischer Freund Martin auf die Band "Shame" aufmerksam. Sie seien aufregend...schrieb er mir. Als ich mir dann bei YouTube einige Videos von den 5 Engländern ansah, konnte ich diese Einschätzung nur teilen. 5 junge Engländer, die - so sagte es gestern der andere Martin treffend - auf "Rotzlöffel" machen. Musikalisch kann ich die gar nicht so richtig einordnen. Offiziell laufen sie unter dem Label "Post-Punk", das aber alles und nicht sagt. Der englische Martin hat in ihnen auch etwas von den frühen Killing Joke erkennen wollen. Es ist wohl so, dass da verschiedenste Zitate vorkommen. Jedenfalls hat die Band allein mit dem Stück "Concrete" einen Monster-song hervorgebracht. Und auch all die anderen Lieder sind klasse. So bin ich auf das Debutalbum des Quintetts gespannt, das Mitte Januar erscheinen wird.
Gestern nun im Gebäude 9 spielten Shame als Support für Gurr.
Shame!
Was soll ich sagen: der Auftritt war so wie ich ihn mir erhofft habe. Und so ist es vielleicht die Gunst der Stunde, eine - durch das ständige Touren - gut eingespielte Band mit einen tollen Energie auf der Bühne erleben zu können. Im Hintergrund ein blutjunger Schlagzeuger, der stoisch auf sein Schlagzeug einprügelt. Links der eine Gitarrist, der leicht unbeteiligt erscheinend sein Ding durchzieht. Dann rechts der andere Gitarrist, der keine Sekunde ruhig stehen kann und der nur noch durch den Bassisten übertroffen wird, der wild hin- und herspringt. Und dann der Sänger, der - so jung er auch sein mag - die großen Gesten schon voll drauf hat und - das alles sehr stimmig - jetzt schon eine enorme Ausstrahlung hat: die Rampensau schlechthin. So wirbelten Shame vom ersten Ton an auf der Bühne herum - und das war wahrlich beeindruckend. Es war nahezu perfekt. Wenn überhaupt - so wiederum der andere Martin - erschienen die 5 noch fast zu nett für das selbst gewählte Rotzlöffel-Image. Aber unter dem Strich war das eine extrem gute Performance, die schlicht und einfach nach Wiederholung schreit. Schon deshalb, weil der Auftritt keine halbe Stunde dauerte. Denn die beiden auf der rechten Seite - Gitarrist/Bassist - gerieten unfreiwillig aneinander, was dem Gitarristen eine dicke Platzwunde am Kopf einbrachte, so dass der Auftritt abgebrochen werden musste. Ok: es wäre nicht das erste Mal gewesen, dass einer der Musiker blutend auf der Bühne steht. Wiederum: ich hätte da auch nicht gerne weitergemacht während mir das Blut runtertropft. So spielten Shame eben nicht mehr "Concrete". Quasi ein musikalischer "Coitus Interruptus". Schade. Aber allein das, was ich gehört habe, war toll.

Gurr

"Gurr" hingegen haben mich nicht wirklich vom Hocker gehauen. Das Album der Band ist eigentlich sehr gut. Ich bin mir daher auch nicht sicher, warum sich meine Begeisterung in Grenzen hielt. War es der Kontrast zur Vorband? Lag es daran, dass ich in dem Moment lieber noch mehr von Shame gehört hätte...und der der unerwartete Abbruch des Sets dann doch schmerzte? Oder war es, weil ich zu Gurr alleine wohl gar nicht hingefahren wäre? Ich weiß es nicht. Jedenfalls macht die Band einen sehr ansprechenden Indie-Pop und Gurr konnten die anwesenden Menschen in Bewegung bringen. Also eine gute Band. Am Freitag spielen beide Bands dann in Essen. Mal sehen, wie Gurr dann auf mich wirken.