Freitag, 16. Februar 2018

The Damned & Slim Jim Phantom @ Bexhill On Sea, De La Warr Pavillion (14.2.2018)

The Damned
Die Information am Dienstag, dass der Auftritt in Southampton ausfallen würde, war schon frustrierend. Per Zufall las ich die Nachricht auf Facebook. Der Umstand, dass Dave Vanian krankheitsbedingt nicht auftreten könnte, nährte die Vermutung, dass damit dann auch der Auftritt am folgenden Tag in Bexhill gestrichen sei. So verließ ich am Mittwoch – früh am Morgen – das Hotel in Southampton und machte mich auf den Weg nach Bexhill. Da ich dort das Hotel nicht mehr stornieren konnte, fuhr ich trotzdem. Es könnte ja sein, dass die Damned doch noch abends auf der Bühne stehen würden.
Auf dem Weg nach Bexhill machte ich in Brighton einen Zwischenstop. Dort gibt es wunderbare Plattenläden und andere Geschäfte. Während ich dort in einem Cafe saß, erfuhr ich, dass das Konzert stattfinden würde. Glück gehabt.
So fuhr ich dann zum Hotel nach Bexhill. Dieses Sussex-„Hotel“ entpuppte sich als ein wahrer Horrortrip. Als ich dort ankam – effektiv ist es unter normalen Umständen ein Pub mit B&B – dachte ich erst, das Gebäude würde umgebaut. Der Pub selber war richtig dreckig und unaufgeräumt – alle möglichen Dinge lagen da rum. Aber: es war Betrieb. Als ich dann endlich jemand gefunden hatte, der sich verantwortlich fühlte, wurde mir eröffnet, dass meine Reservierung bei ihnen nicht angekommen sei. Ich sollte auf den „Manager“ warten, der sich als ein wirklich ungepflegter Zeitgenosse mit mehr fehlenden als vorhandenen Zähnen herausstellte. In der Zwischenzeit traf auch Fleagle – einer der TV Smith Fans, den ich seit 2006 gut kenne – ein. Witzigerweise hatte er auch dort reserviert. Er kam mit seinem Kumpel Shaun, der aber gerade eine Grippe ausbrütete...die wie angeflogen...ihn total schachmatt setzte. Obwohl Fleage für beide gebucht hatte, war nur ein Zimmer für Shaun vorhanden. Für Fleagle und mich war kein Platz mehr. Ich hatte das im Blick auf meine Person ehrlicherweise auch sehr erhofft. Allein der Anblick der Toilette hätte mir den ganzen Tag verderben können. Ich bin ernsthaft nicht sehr zimperlich aber so etwas hatte ich noch nicht erlebt. Was nun? Während ich schon mit dem Gedanken spielte, direkt nach dem Konzert nach Dover zu fahren und eine Nachfähre zu nehmen, hatte Fleagle außerhalb von Bexhill ein anderes B&B organisiert...sogar zu einem ermäßigtem Preis. Shaun wollte aber sich mehr irgendwohin bewegen und zog es vor, in diesem Drecksloch zu bleiben, obwohl Fleagle auf ihn einredete, doch in das andere B&B mitzukommen. So fuhren wir beide dann allein zur neuen Unterkunft, die im Vergleich zum „Sussex-Hotel“ wie eine 5-Sterne-Residenz war. Das B&B war mit einer kompletten Hochzeitsgesellschaft belegt und im kleinen Pub hörte sich ein DJ schon warm mit den Hits aus den 80ern. So war auch klar, dass Fleagle den Sonderpreis bekommen hat. Aber wie dem auch sei: immerhin war alles sauber und freundlich.
Slim Jim Phantom
Nach einer kurzen Verschnaufpause fuhren wir wieder zurück nach Bexhill und ich fand sogar einen günstigen Parkplatz direkt neben dem Venue. Das war alles andere unwichtig, regnete es doch in Strömen begleitet von einem unangenehmen Wind. Es folgte dann ein Gang durch zwei Pubs, wo wir verchiedene Leute kennenlernten bzw. auch trafen. Unter anderem auch Mick, der das jährliche Undercover-Festival organisiert. Denn es ist so, dass Fleagle wirklich viele Menschen kennt...auch viele Musiker...und da er selbst aus Croydon stammt, wo die Damned herkommen, hat er sie dann auch über 200 – ernsthaft – Male gesehen.
Das Venue stellte sich als kalter Funktionsbau heraus. War die O2-Academy in Bournemouth ein wunderschöner Bau im viktorianischen Stil, hatte der Konzertsaal in Bexhill den Charme einer Turnhalle in einer alten NVA-Kaserne.
Was aber positiv anders war: am Merchstand war alles billiger. Kosteten die T-Shirts in Bournemouth noch 25 Pfund, waren sie jetzt 5 Pfund billiger. Zudem hatte auch die Frau von Captain Sensible ihre wunderbar große Kollektion von Badges dabei und ich deckte mich – weil ich sie dann immer wieder verliere – mit dem grandiosen „Neat Neat Neat“-Badge ein – im 5er-Pack.
Das Programm war dann wie in Bournemouth das gleiche: um 20.00 eröffnete Slim Jim Phantom den Abend. Es war gut und unterhaltsam. Den kam man eigentlich überall hinstellen und der macht dann sein Ding. Sehr gut.
Um 21.00 standen dann pünktlich „The Damned“ auf der Bühne. Ich war gespannt in welchem Zustand Dave Vanian sein würde. Typisch Damned-Humor: der Captain kam mit einem Taschentuch auf die Bühne und simulierte einen heftigen Schnupfen. Die Band fing an mit „Wait fort he Blackout“ und dann kam Dave Vanian. Und er sah aus als wäre gar nichts gewesen – er sang als wäre gar nichts gewesen – er bewegte sich auf der Bühne als wäre gar nichts gewesen. Das war verblüffend. Mehr noch: die Band war absolut phantastisch drauf. War Bournemouth schon ein Konzert gewesen, bei dem spürbar war, welchen Bock die da hatten, wurde das noch gesteigert. Sowohl der Captain als auch Vanian selbst waren extrem gut aufgelegt. Ich hätte nicht gedacht, das die sich noch steigern könnten. Also: es war absolut brilliant. Das betraf dann auch die drei neuen Songs: war „Standing On The Edge Of Tomorrow“ in Bournemouth sehr sehr gut, so war ich im Blick auf die beiden anderen Lieder „The Devil In Disguise“ und „Evil Spirits“ ein wenig verhaltener. Beide Songs erschienen ein wenig auf wackeligen Beinen. Aber vielleicht hing das auch mit dem schon angeknacksten Zustand von Dave Vanian zusammen. Denn in Bexhill kamen beide Lieder ganz anders – frisch und richtig gut – rüber. Sicherlich: auf der ganzen Tour wurde bis jetzt – wenn ich das richtig gesehen habe – die gleiche Setlist gespielt. Das ist ok und hängt wohl mit Paul Gray zusammen. Erst Recht ist es in Ordnung, weil die Auswahl einfach brilliant war.
Auch diesmal flog ein Bierbecher. Und dann passierte etwas, womit ich so nicht gerechnet hätte: der Becherwerfer – er mochte wohl nicht das letzte neue Stück – wurde ehe er überhaupt bis drei zählen konnte von der Security gegriffen und sofort durch eine Seitentür nach draußen befördert.
Nach der letzten Zugabe – Jet Boy/Jet Girl – ging ich ins Foyer, um Fleagle zu treffen. Er war schon vor mir da und wir fuhren dann in das B&B. Wir verabschiedeten uns, denn ich wollte – um eine frühe Fähre zu bekommen – schon um 5.00 die Unterkunft verlassen.
Was für ein grandioser Abend. So schade es war, dass Southampton ausgefallen ist: diese beiden Konzerte waren der Hammer!


Das war die Setlist:

Wait For The Blackout
Lively Arts
Silly Kids Games
Standing On The Edge Of Tomorrow
Dr. Jekyll And Mr. Hyde
Under The Floor Again
Antipope
So Messed Up
New Rose
Love Song
Stranger On The Town
Gun Fury
Eloise
Street Of Dreams
Devil in Disguise
Ignite
Dozen Girls
Neat Neat Neat

Seagulls
Generals
Evil Spirits
Smash It Up

Jet Boy/Jet Girl